IC 5146 – Kokonnebel

Engerer Ausschnitt des Kokonnebels IC 5146 mit heller Zentralregion, eingebettetem Sternhaufen und angrenzenden dunklen Staubstrukturen.

IC 5146 ist im vollständigen Kamerafeld relativ klein. Für die Darstellung habe ich deshalb einen engeren Ausschnitt gewählt. Dadurch rücken der helle Kokonnebel, der eingebettete Sternhaufen Collinder 470 und die dunkle Fortsetzung der Molekülwolke stärker zusammen. Gerade der Kontrast zwischen leuchtendem Zentrum und sternarmem Dunkelband bestimmt für mich den Charakter der Aufnahme.

BD +46° 3474 prägt die helle Seite des Kokons

Der auffällige Emissionsbereich wird wesentlich vom frühen B-Stern BD +46° 3474 angeregt. Er sitzt in der jungen Population von IC 5146 und liefert die energiereiche Strahlung für die H-II-Region. Auf meiner Aufnahme liegt der helle Bereich deshalb nicht zufällig am Ende der dunklen Wolkenstruktur: Kokon, Sternhaufen und das Staubband gehören zum selben Sternentstehungskomplex.

Der Sternhaufen Collinder 470 ist im hellen Nebel eingebettet. Einzelne Sterne treten im optischen Bild deutlich hervor, während ein großer Teil der jungen Population und des kalten Materials erst bei längeren Wellenlängen vollständig untersucht werden kann. Das sichtbare Bild zeigt damit vor allem die beleuchtete beziehungsweise ionisierte Oberfläche und die Extinktion durch den Staub.

Barnard 168 ist im Bild vor allem als fehlendes Sternlicht sichtbar

Vom Kokon zieht sich Barnard 168 als lange dunkle Molekülwolke weg. Sie leuchtet nicht als eigenes optisches Objekt, sondern verrät sich durch die abgeschwächten oder vollständig verdeckten Hintergrundsterne. In meinem Ausschnitt ist deshalb die allmähliche Abnahme der Sternzahl ebenso wichtig wie der helle Nebel selbst.

Bei der Bearbeitung achte ich darauf, diese Abstufung nicht durch eine zu starke Hintergrundglättung zu zerstören. Wenn schwache Sterne und geringe Helligkeitsunterschiede pauschal als Rauschen behandelt werden, wirkt die Wolke zwar sauberer, verliert aber einen Teil ihrer realen Extinktionsstruktur. Das dunkle Band soll dunkel bleiben, ohne zu einer konturlosen schwarzen Fläche zu werden.

3D-Staubkarten setzen den Komplex weiter entfernt als ältere Angaben

Ältere Literatur führte für IC 5146 häufig etwa 460 pc an. Neuere dreidimensionale Staubkartierungen legen für unterschiedliche Sichtlinien des Komplexes eher ungefähr 730 bis 790 pc nahe; als kompakte Besucherangabe verwende ich deshalb rund 2.380 bis 2.580 Lichtjahre. Die Spanne ist hier sinnvoll, weil eine ausgedehnte Molekülwolke keine mathematisch dünne Fläche mit nur einem Abstand ist.

Diese größere Entfernung verändert auch die Vorstellung vom Maßstab. Strukturen, die im Ausschnitt klein wirken, umfassen in Wirklichkeit beträchtliche Teile einer Sternentstehungswolke. Eine scheinpräzise Gesamtgröße des gesamten Komplexes lasse ich dennoch weg, weil seine räumliche Grenze je nach Tracer unterschiedlich definiert wird.

Herschel sieht Filamente, mein optisches Bild sieht ihre Abschattung

Ferninfrarotbeobachtungen mit Herschel zeigen in IC 5146 ein Netz aus Filamenten und dichten Kernen. Diese kalten Strukturen erscheinen in meiner optischen Aufnahme nicht als dieselbe Emission. Ihre Wirkung ist indirekter: Sie verändern die Verteilung des sichtbaren Sternlichts und bilden dunkle, strukturierte Bereiche neben dem Kokon.

Genau deshalb wollte ich IC 5146 nicht so bearbeiten, als bestünde das Motiv nur aus einem hellen runden Nebel. Der enge Ausschnitt verbindet den von BD +46° 3474 geprägten Kokon mit Barnard 168 und macht sichtbar, wie dicht helle Emission und kalte absorbierende Wolke auf demselben Bildfeld nebeneinander liegen.

Magnetfelder strukturieren einzelne Filamente im Kokon

Neuere JCMT-Polarisationsmessungen an den Filamenten F13 und F13S ergänzen die Herschel-Bilder um die Magnetfeldgeometrie. Für die beiden untersuchten Filamente wurden Feldstärken von ungefähr 58 ± 31 beziehungsweise 40 ± 9 Mikrogauss abgeschätzt; in den dichtesten Bereichen wird die Feldorientierung gestört. In meiner optischen Aufnahme ist dieses Magnetfeld selbstverständlich unsichtbar. Es zeigt aber, dass die dunklen Bänder nicht nur passive Abschattung sind, sondern dichte, dynamisch strukturierte Teile derselben Wolke, in der Kerne entlang der Filamente entstehen.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Aktuelle IC-5146-Distanzgrenzen aus 3D-Staubkarten: repräsentative Sichtlinien ca. 730–792 pc, kombinierte Spanne ca. 686–833 pcAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Sternentstehungswolke, Cocoon-H-II-Region, BD +46°3474 und filamentäre StrukturAbruf: 23.08.2026Astronomy & Astrophysics 529, L6 | Die Arbeit verwendete noch die ältere 460-pc-Distanz; diese wird durch den neueren Distanzstand ersetzt.
  3. Verwendet für: BD +46°3474 als Ionisationsquelle und Gaia-DR2-basierte DistanzdiskussionAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 496, 1051
  4. Verwendet für: Magnetfeldstärken und gestörte Feldgeometrie in den Filamenten F13/F13S sowie Kernbildung entlang der FilamenteAbruf: 23.08.2026JCMT POL-2/HARP; Magnetfeldwerte aus der DCF-Auswertung.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
11.10.2020
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
5 h 30 min
Belichtungsangaben
66 × 300 s RGB
Teleskop / Optik
Omegon Newton Astrograph 8″ f/4, 800 mm
Kamera
QHY268C
Filter
Baader UHC-S / L-Booster
Korrektor / Reducer
GPU 2″ Komakorrektor
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; GHS