Jupiter
Am 09.11.2024 ist mir das erste Jupiterbild gelungen, mit dem ich wirklich zufrieden war. Die Rohdaten allein waren allerdings nur die halbe Arbeit. Ich habe mehrere Bearbeitungsversuche gebraucht und erst ungefähr drei Monate später einen Workflow gefunden, der für mich ein überzeugendes Ergebnis lieferte. Gerade deshalb ist die Aufnahme für mich weniger ein einzelner „Treffer“ als ein wichtiger Schritt beim Einstieg in die Planetenfotografie.
64 kurze Videos statt stundenlanger Einzelbelichtungen
Für die Session nahm ich 64 Videos mit jeweils einer Minute Länge auf. Die Kamera lief mit ungefähr 120 Bildern pro Sekunde; je nach Teil der Session lag die Einzelbelichtung bei 3,5 beziehungsweise 4,5 Millisekunden. Aus jedem Video wurden nur Bilder bis zu einer festgelegten Qualitätsgrenze verwendet. Das Prinzip ist völlig anders als bei meinen Deep-Sky-Projekten: Nicht möglichst viel Licht pro Einzelbild ist entscheidend, sondern möglichst viele kurze Momente mit gutem Seeing.
Mit dem Celestron EdgeHD 9,25″, einer 2×-Barlow und rund 5.100 mm effektiver Brennweite wird die atmosphärische Unruhe gnadenlos sichtbar. Ein einzelner Frame ist häufig weich oder verzerrt. Erst das Sortieren und Stacken vieler kurzer Bilder liefert die Grundlage für feine Wolkenstrukturen. Danach kamen unter anderem AutoStakkert!, PixInsight, WinJUPOS und WaveSharp zum Einsatz.
Jupiters schnelle Rotation setzt der Aufnahmezeit Grenzen
Jupiter benötigt nur etwa 9,9 Stunden für eine Umdrehung und hat damit den kürzesten Tag aller Planeten. Das ist für die Bildbearbeitung keine abstrakte Zahl. Während einer langen Videoserie verschieben sich die Wolkenstrukturen sichtbar über die Planetenscheibe. Deshalb kann man Material aus weit auseinanderliegenden Zeitpunkten nicht beliebig direkt stapeln. Werkzeuge wie WinJUPOS sind gerade bei längeren Sessions hilfreich, weil sie die Rotation geometrisch berücksichtigen können.
Die schnelle Rotation trägt auch zur markanten Atmosphäre bei. Die hellen Zonen und dunkleren Gürtel, die in einer guten Amateuraufnahme als horizontale Bänder sichtbar werden, sind keine festen Oberflächenmerkmale. Jupiter besitzt keine feste sichtbare Oberfläche; wir sehen Wolkenschichten in einer tiefen Wasserstoff-Helium-Atmosphäre.
Die Bänder folgen starken gegenläufigen Jetstreams
NASA beschreibt die dunkleren Bänder als belts und die helleren als zones. Sie werden von starken Ost-West-Strömungen voneinander getrennt, die je nach Breite in entgegengesetzte Richtungen laufen. Die obersten Wolkenschichten enthalten wahrscheinlich Ammoniakeis; tiefer folgen weitere Wolkenlagen. Juno-Daten zeigen außerdem, dass die Jetstreams nicht nur eine dünne Wetterhaut betreffen, sondern sich über Tausende Kilometer in die Atmosphäre erstrecken.
Das macht die feine Bänderung für mich interessanter: Was im fertigen Bild wie eine Reihe farbiger Streifen wirkt, ist die sichtbare Oberkante eines dreidimensionalen Strömungssystems. Kleine Wirbel, Ausbuchtungen an den Gürtelrändern und wechselnde Farbtöne können sich mit der Zeit verändern. Ein Jupiterbild dokumentiert deshalb immer einen konkreten atmosphärischen Zustand und ist nicht bloß eine wiederholbare Ansicht eines unveränderlichen Planeten.
Der erste gute Datensatz war noch nicht das fertige Bild
Bei dieser Session war das Seeing nur einigermaßen gut, und auch der ADC war noch nicht optimal eingestellt. Trotzdem war genug brauchbares Material vorhanden. Die eigentliche Lernkurve lag für mich anschließend in der Bearbeitung: Wie aggressiv darf geschärft werden, ohne die Gürtel künstlich hart zu machen? Wie stark darf Rauschen reduziert werden, bevor kleine Wolkenstrukturen verschwinden? Und wie lässt sich die Farbe stabilisieren, ohne den Planeten zu einem übertrieben orange-blauen Muster zu machen?
Dass ich erst Monate später mit dem Ergebnis zufrieden war, gehört für mich deshalb ausdrücklich zur Aufnahmegeschichte. Die 64 Videos vom 9. November waren der Rohstoff; das fertige Bild entstand erst durch das Verständnis dafür, wie sich Seeing, Auswahl, Derotation und Schärfung gegenseitig beeinflussen. Genau dieser Lernschritt war für meine späteren Planetenaufnahmen mindestens so wichtig wie die verwendete Brennweite.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Belichtungsangaben
- Seeing: einigermaßen gut, ADC nicht richtig eingestelltAufnahmedauer: 64 Videos à 1 min; je Video Bilder bis 50 % Qualität verwendetBelichtungszeit je Bild: 3,5 ms (Session 1) und 4,5 ms (Session 2)Gain: 171 (Session 1) und 175 (Session 2), ca. 78 %8 Bit; Offset: 86; USB-Traffic: 0; Highspeed: anFPS: ca. 120; ROI: ca. 800 × 800
- Teleskop / Optik
- Celestron EdgeHD 9,25″ mit 2×-Barlow, ca. 5.100 mm
- Kamera
- QHY5III585C
- Bildbearbeitung
- AutoStakkert!; PixInsight; WinJUPOS; WaveSharp

