LDN 1235 – Haifischnebel
Der Haifischnebel war mein erster Dunkelnebel, und genau das habe ich bei der Bearbeitung gemerkt. Mit dem Hauptmotiv, dem dunklen „Haifisch“, bin ich durchaus zufrieden. Der Hintergrund gefiel mir dagegen nicht: Vor allem die Luminanzaufnahmen wirkten fleckig, und ich konnte damals nicht sicher sagen, ob die Ursache in den Daten oder in meiner noch ungewohnten Bearbeitung eines Dunkelnebels lag. Für mich gehört diese Unvollkommenheit trotzdem zur Aufnahme – sie war der Ausgangspunkt dafür, bei späteren Dunkelnebeln genauer auf Hintergrund und großflächige Staubstrukturen zu achten.
Der „Hai“ wird durch absorbiertes Sternlicht sichtbar
LDN 1235 liegt im Sternbild Kepheus. Der dichte Staub absorbiert das Licht der dahinterliegenden Sterne und zeichnet dadurch die charakteristische Silhouette in das Sternfeld. Eine NASA-APOD-Beschreibung setzt den größeren als „Shark Nebula“ bezeichneten Komplex auf ungefähr 650 Lichtjahre Entfernung und rund 15 Lichtjahre Ausdehnung. Bei ausgedehnten Staubkomplexen hängen solche Zahlen jedoch davon ab, welche Teile der Wolke einbezogen werden; ich behandle die 650 Lichtjahre deshalb als gute Orientierung und nicht als exakte Distanz jeder einzelnen Faser.
Auf meiner Aufnahme ist der dunkelste Körper des „Hais“ nicht einfach ein signalarmes Loch. Dort wird tatsächlich besonders viel Hintergrundlicht abgeschwächt. Beim Stretch war mir deshalb wichtig, diese Abstufungen nicht durch eine zu aggressive Hintergrundkorrektur zu glätten.
vdB 149 und vdB 150 machen denselben Staub blau sichtbar
Besonders schön finde ich den Kontrast zu den bläulichen Reflexionsnebeln vdB 149 und vdB 150. Dort sehen wir den Staub nicht nur als Abschattung, sondern weil benachbartes Sternlicht an kleinen Staubpartikeln gestreut wird. Im selben Feld liegen damit Absorption und Reflexion unmittelbar nebeneinander – zwei Effekte, die bei der Bildbearbeitung sehr unterschiedlich reagieren.
Die blauen Bereiche dürfen nicht mit optischen Sternhalos verwechselt werden. Gerade bei meinem damals noch ungewohnten Dunkelnebel-Workflow war dieser Vergleich hilfreich, weil echte Reflexionsstrukturen räumlich konsistent bleiben, während Bearbeitungsartefakte oft anders auf einzelne Kanäle reagieren.
UGC 11861 liegt rund 69 Millionen Lichtjahre dahinter
Im Umfeld des dunklen Komplexes ist außerdem die kleine Hintergrundgalaxie UGC 11861 / PGC 67671 zu erkennen. ESA/Hubble gibt ihre Entfernung mit rund 69 Millionen Lichtjahren an. In dieser unscheinbaren Galaxie wurden 1995, 1997 und 2011 sogar drei Supernovae beobachtet.
Für mich ist gerade dieser Tiefenunterschied reizvoll: vorne eine relativ nahe Staubwolke der Milchstraße, dahinter die Sternfelder unserer Galaxis und weit jenseits davon eine komplette externe Galaxie. Ein Weitfeld, das auf den ersten Blick hauptsächlich durch eine dunkle Silhouette lebt, enthält damit eine enorme räumliche Staffelung.
LDN 1235 ist eine Katalognummer – „Shark Nebula“ die Bildgestalt
Beverly T. Lynds nahm die Dunkelwolke 1962 in ihren Katalog auf. Der heutige Beiname „Shark Nebula“ beschreibt dagegen den größeren bildhaften Komplex. LDN 1235 bildet den dunklen Hauptbereich; vdB 149 und vdB 150 sind kleine Reflexionsnebel in derselben großräumigen Staublandschaft. Diese Trennung ist genauer, als die gesamte sichtbare Struktur mit einer einzigen Katalognummer gleichzusetzen.
Die beiden blauen Reflexionsnebel haben konkrete Beleuchter
Bei vdB 149 und vdB 150 lässt sich die Ursache der blauen Reflexion sogar einzelnen Sternen zuordnen. SIMBAD führt für vdB 149 den Stern BD+72 1018 mit Spektraltyp B8 V; vdB 150 ist mit HD 210806 verbunden, einem heißen B8-Stern. Damit sind die blauen Flecken im Feld nicht einfach eine allgemein „hellere“ Zone des Haifischnebels. Sie markieren Stellen, an denen Staub durch nahe blaue Sterne besonders wirksam beleuchtet wird – genau der lokale Kontrast, den ich bei der Farbkalibrierung erhalten wollte.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 18.08. bis 23.08.2023 (6 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 27 h 09 min
- Belichtungsangaben
- 27 h 09 minR : 115 × 120 s = 3 h 50 min, Gain 0, Offset 30, Kame ramodus DSOG : 108 × 120 s = 3 h 36 min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO B I: 98 × 120 s = 3 h 16 min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSOL: 395 × 150 s = 16h, 27 min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO
- Teleskop / Optik
- Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia L; Antlia R; Antlia G; Antlia B
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS
