LDN 43 – Kosmische Fledermaus
Auch in der Milchstraße flattern Fledermäuse durch die Nacht – zumindest bildlich gesprochen. LDN 43 wirkt mit seinen dunklen Ausläufern tatsächlich wie eine Silhouette vor dem sternreichen Hintergrund. Zum Glück bescherte mir der Juni 2025 mehrere klare Nächte. Einfach war das Motiv trotzdem nicht: Von meinem Standort erreicht es nur ungefähr 25° Höhe.
Die Fledermaus ist viel näher als lange angenommen
Neuere Facharbeiten ordnen LDN 43 dem Ophiuchus-North-Sternentstehungsgebiet zu und setzen die Wolke auf ungefähr 120 bis 125 pc, also nur rund 390 bis 410 Lichtjahre Entfernung. Damit liegt sie deutlich näher als ältere populäre Angaben, die teils über tausend Lichtjahre nennen.
Junge Sterne in einer dunklen Wolke
LDN 43 ist keine leere schwarze Fläche, sondern eine dichte Molekülwolke mit mehreren Entwicklungsstadien junger Sterne. RNO 91 / IRAS 16316-1450 ist ein teilweise eingebetteter Class-I-Protostern und treibt einen bipolaren CO-Ausfluss an; RNO 90 ist bereits weiter entwickelt. Diese Prozesse lassen sich in meiner sichtbaren Aufnahme nicht direkt wie ein heller Emissionsnebel ablesen – die dunkle Form verrät vielmehr, wo Staub und Molekülgas das Licht der Hintergrundsterne abschirmen.
LDN 43 ist ein naher dunkler Kern mit aktiven jungen Sternen
Die Dunkelwolke LDN 43 liegt nur ungefähr 120 bis 125 pc entfernt. Moderne Entfernungsbestimmungen machen sie damit zu einem sehr nahen Beispiel einer kleinen Molekülwolke. Im optischen Bild erscheint sie vor allem als sternarmes dunkles Gebiet; Infrarot- und Millimeterbeobachtungen zeigen dagegen dichte Kerne und junge Sterne, die sich hinter dem Staub verbergen.
In meiner Aufnahme fällt die geschwungene dunkle Silhouette sofort auf. Die Form wird nicht durch fehlende Belichtungszeit erzeugt: Tatsächlich absorbiert die Wolke das Licht der dahinterliegenden Milchstraßensterne. Gerade deshalb muss der Hintergrund bei der Bildbearbeitung erhalten bleiben und darf nicht als störender Gradient „wegkorrigiert“ werden.
RNO 90 und RNO 91 treiben Ausflüsse in die Wolke
Im Gebiet liegen junge Sterne wie RNO 90 und RNO 91. CO-Beobachtungen zeigen molekulare Ausflüsse, die Material aus der unmittelbaren Umgebung dieser jungen Sterne beschleunigen. Neuere Arbeiten untersuchen außerdem die Magnetfeldgeometrie und mehrere dichte Kerne, darunter auch sternlose Bereiche. LDN 43 ist damit keineswegs eine passive schwarze Wolke.
Optisch sehe ich diese Ausflüsse nicht direkt als leuchtende Jets. Die wissenschaftliche Information erklärt aber, warum die dunkle Struktur so interessant ist: Hinter der scheinbar einfachen Absorption verbirgt sich eine kleine aktive Sternentstehungsregion.
Die Randbereiche von LDN 43 sind nicht messerscharf. In meiner Aufnahme geht die sehr dunkle Kernzone allmählich in dünnere Staubschleier über, durch die wieder mehr Hintergrundsterne sichtbar werden. Diese Abstufung ist astrophysikalisch sinnvoll: Molekülwolken besitzen keine harte Oberfläche, sondern stark wechselnde Säulendichten entlang der Sichtlinie.
Das Magnetfeld von LDN 43 ist überraschend komplex
Polarisationsmessungen des JCMT/BISTRO-Projekts zeigen, dass das Magnetfeld in L43 nicht als einfache parallele Struktur durch die Wolke läuft. Seine Orientierung ändert sich in den Bereichen um die dichten Kerne und die jungen Sterne. Für mein optisches Bild ist dieses Feld selbstverständlich unsichtbar, aber es ergänzt die dunkle Silhouette um eine wichtige Ebene: Die Wolke ist kein passiver Staubfleck. Dichte, Ausflüsse junger Sterne und Magnetfeldstruktur greifen in einem sehr nahen, räumlich kleinen Sternentstehungsgebiet ineinander.
Die geringe Entfernung macht aus kleinen Winkeln sehr kleine Strukturen
Mit nur rund 120–125 pc Entfernung ist LDN 43 ein Sonderfall unter meinen Dunkelnebeln. Eine Bogenminute entspricht dort lediglich etwa 0,035 pc beziehungsweise rund 7.000 AE. Feine Helligkeitsabstufungen an der Fledermaus-Silhouette beziehen sich deshalb auf wesentlich kleinere reale Skalen als ähnlich breite Staubbänder in mehreren Kiloparsec entfernten Emissionsgebieten. Das macht die Aufnahme für mich besonders interessant: Hier blicke ich nicht auf eine riesige ferne Wolkenwand, sondern in einen sehr nahen, kompakten Sternentstehungskomplex.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 30.05. bis 01.07.2025 (9 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5 x
- Gesamtbelichtungszeit
- 14 h 56 min
- Belichtungsangaben
- R: 84 × 120 s = 2 h 48 min;G: 82 × 120 s = 2 h 44 min;B: 82 × 120 s = 2 h 44 min; RGB gesamt: 8 h 16 min;L: 160 × 150 s = 6 h 40 min
- Teleskop / Optik
- Celestron EdgeHD 9,25″, 2.350 mm f/10
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia R; Antlia G; Antlia B
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator
