M13 – Kugelsternhaufen im Herkules
M13 ist für mich der bekannteste Kugelsternhaufen des nördlichen Sternhimmels. In der Aufnahme gefällt mir vor allem der Übergang vom extrem dichten Zentrum zu den immer lockerer werdenden Sternketten am Rand – genau diese Staffelung lässt den Haufen für mich so prachtvoll wirken.
Hunderttausende Sterne auf engem Raum
Der Herkuleshaufen liegt rund 25.000 Lichtjahre entfernt und besitzt eine scheinbare Helligkeit von etwa 5,8 mag. NASA beschreibt ihn mit mehr als 100.000 beziehungsweise allgemein mit hunderttausenden Sternen. Eine scheinpräzise feste Zahl von exakt 500.000 Mitgliedern möchte ich deshalb nicht übernehmen.
In meinem Bild verändert sich die Sternverteilung vom Zentrum bis zum Rand kontinuierlich: Im Kern überlagern sich so viele Lichtpunkte, dass er fast geschlossen wirkt, während sich weiter außen einzelne Ketten und Lücken klar trennen lassen. Für die Bearbeitung war deshalb weniger ein möglichst heller Kern entscheidend als die Auflösung dieses Dichtegradienten. Die äußeren Sterne sollten als tatsächliche Fortsetzung des Haufens lesbar bleiben, ohne dass das Zentrum durch lokalen Kontrast künstlich körnig erscheint.
Alte Sterne – aber deutlich verschiedene Farben
Die Population von M13 ist sehr alt und überwiegend metallarm. Trotzdem erscheinen nicht alle Sterne gleich. Rötliche Riesen, Sterne des Horizontalasts und andere Entwicklungsstadien erzeugen sichtbare Farbunterschiede. Am Rand des Haufens lassen sich diese Unterschiede in meiner Aufnahme leichter erkennen als im dicht gedrängten Zentrum.
Gerade deshalb ist mir der Haufenrand ebenso wichtig wie der helle Kern. Ein enger Crop nur auf das Zentrum würde M13 spektakulärer erscheinen lassen, aber die räumliche Auflockerung verbergen, die den Haufen für mich erst plastisch wirken lässt.
Halley entdeckte M13 lange vor dem Messier-Katalog
Edmond Halley beschrieb M13 bereits 1714; Charles Messier nahm ihn 1764 in seinen Katalog auf. 1974 wurde die Richtung von M13 außerdem zum Ziel der berühmten Arecibo-Botschaft. Die Nachricht war kein realistischer Kommunikationsversuch mit möglichen Bewohnern des Haufens, sondern vor allem eine Demonstration der technischen Möglichkeiten des Radioteleskops.
Im extrem dichten Kern entstehen sogar „zu junge“ blaue Nachzügler
Hubble zeigt, wie dicht das Zentrum von M13 tatsächlich besetzt ist: Dort liegt die Sterndichte ungefähr hundertmal höher als in der Sonnenumgebung. Enge Begegnungen und Wechselwirkungen können sogenannte Blue Stragglers hervorbringen – Sterne, die im Farb-Helligkeits-Diagramm jünger wirken als die alte Hauptpopulation. Einzelne solcher Sterne kann ich in meinem Bild nicht astrophysikalisch identifizieren, aber der starke Dichteanstieg zum Zentrum ist genau die Voraussetzung für diese besondere Population.
NASA gibt für den Haufen außerdem eine physische Ausdehnung von ungefähr 150 Lichtjahren an. Das hilft mir beim Blick auf die Aufnahme: Die locker wirkenden Außensterne gehören nicht bloß zu einem dekorativen Rand, sondern erweitern den realen Haufen über eine enorme räumliche Distanz.
Diese ungewöhnliche Verbindung zur Radiotechnik ist für M13 eine ganz eigene historische Besonderheit. Auf meiner Aufnahme bleibt zugleich die unmittelbare visuelle Wirkung im Vordergrund: sehr viele alte Sterne, die sich vom fast unauflösbaren Zentrum bis in feine Außenketten auffächern.
Blaue Nachzügler fallen aus der ansonsten alten Population heraus
Im extrem alten M13 gibt es Sterne, die im Farb-Helligkeits-Diagramm jünger und massereicher wirken als die normale Hauptreihe des Haufens: sogenannte Blue Stragglers. Sie werden nicht als tatsächlich neu entstandene junge Sterne des Haufens verstanden, sondern als Ergebnis von Massentransfer oder Verschmelzungen in Doppelsternsystemen. In meiner Aufnahme lassen sich einzelne Kandidaten ohne Photometrie nicht sicher benennen, aber ihre Existenz zeigt, dass selbst ein sehr alter Kugelsternhaufen intern noch dynamische Sternentwicklung hervorbringen kann.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 14./15./16./17.06.2023
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 10 h 28 min
- Belichtungsangaben
- 10h 28minR: 148 x 90s = 3h 42min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSOG: 145 x 90s = 3h 37min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSOB: 126 x 90s = 3h 09min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia R; Antlia G; Antlia B
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; SPCC; GHS
