M3 – Kugelsternhaufen
M3 gehört zu den großen klassischen Kugelsternhaufen des Nordhimmels. In meiner Aufnahme steht weniger ein einzelnes Detail als die enorme Verdichtung zum Zentrum im Vordergrund: vom hellen Kern lösen sich nach außen immer mehr Einzelsterne auf.
Ein alter Sternhaufen im Halo der Milchstraße
M3 liegt rund 34.000 Lichtjahre entfernt und gehört zum galaktischen Halo. Die Sterne sind überwiegend alt und metallarm; für den Haufen ergibt sich eine Altersgrößenordnung von etwa 12,5 Milliarden Jahren. Er liegt weit außerhalb der dünnen Milchstraßenscheibe, ist aber selbstverständlich gravitativ Teil unserer Galaxie.
Besonders viele veränderliche Sterne
M3 ist für seine große Zahl veränderlicher Sterne bekannt. Mindestens 274 sind katalogisiert, darunter zahlreiche RR-Lyrae-Sterne. Der Vergleich mit M13 und Omega Centauri hilft, die Größenordnung solcher Kugelsternhaufen einzuordnen; eine starre Rangliste als ‚zweitgrößter Haufen‘ vermeide ich jedoch, weil Sternzahl, Masse und Durchmesser unterschiedliche Vergleichsmaßstäbe sind.
M3 ist ein außergewöhnlich reicher Haufen veränderlicher Sterne
M3 enthält eine der größten bekannten Populationen veränderlicher Sterne unter den galaktischen Kugelsternhaufen, besonders viele RR-Lyrae-Sterne. Diese pulsierenden Sterne sind für Entfernungsbestimmungen und die Untersuchung alter Sternpopulationen wichtig. In einer einzelnen meiner Aufnahmen sind ihre Helligkeitsänderungen natürlich nicht als Bewegung sichtbar; eine Zeitserie über viele Nächte könnte sie dagegen nachweisen.
Fotografisch konzentriere ich mich deshalb auf etwas anderes: die Auflösung des dichten Kerns und die feinen Ausläufer aus Einzelsternen. M3 wirkt kompakter als manche lockeren Haufen, besitzt aber trotzdem einen weit auslaufenden Halo schwächerer Mitglieder.
Ein sehr alter Haufen mit einer komplexen Horizontalast-Population
Das Alter liegt in der Größenordnung von mehr als elf Milliarden Jahren. Im Farb-Helligkeits-Diagramm zeigt M3 eine ausgeprägte Horizontalastpopulation, zu der auch die vielen RR-Lyrae-Sterne gehören. Diese Entwicklungsphase erklärt, warum einzelne Sterne im Bild deutlich blauer oder heller erscheinen können als die dominierende alte Hauptpopulation.
Charles Messier entdeckte M3 1764. Für meine Seite ist die Variable-Sterne-Geschichte das besondere wissenschaftliche Merkmal; bei M13 steht dagegen die enorme Bekanntheit und Sterndichte im Vordergrund, bei M92 die sehr geringe Metallizität. Bei M 3 rückt dadurch besonders der Übergang vom dicht gepackten Kern zu den weit verteilten Außensternen in den Vordergrund.
Auch bei M3 achte ich deshalb auf den Übergang vom fast körnig wirkenden Kern zu den weit verteilten Außensternen. Die große Zahl veränderlicher Sterne ist in einem Einzelbild nicht direkt erkennbar, aber sie erinnert daran, dass viele scheinbar identische Lichtpunkte tatsächlich pulsierende Sterne mit messbar wechselnder Helligkeit sind.
Die hohe Zahl der RR-Lyrae-Sterne macht M3 außerdem zu einem klassischen Labor für die horizontale Astentwicklung alter Sterne. Auf meiner normalen Farbauflösung verschmelzen diese populationsphysikalischen Details zu Sternpunkten; die wissenschaftliche Einordnung gibt dem scheinbar statischen Haufen aber eine zeitliche Dimension.
Die vielen RR-Lyrae-Sterne machen M3 auch zu einem Labor für Entfernungs- und Sternentwicklungsfragen
M3 enthält ungewöhnlich viele veränderliche Sterne, darunter eine große Population von RR-Lyrae-Sternen. Ihre regelmäßigen Helligkeitsschwankungen lassen sich in einer einzelnen tiefen Aufnahme natürlich nicht erkennen, doch sie gehören zu den wissenschaftlich wichtigsten Mitgliedern des Haufens. In meinem Bild erscheinen sie wie ganz normale Punkte zwischen Tausenden anderen Sternen. Erst Zeitreihen zeigen, dass ein Teil dieses scheinbar statischen Sternmeers periodisch pulsiert und dadurch zusätzliche Informationen über Entfernung und Entwicklungszustand des Haufens liefert.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 05./07./09./23./26./27.02.2022
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 18 h 50 min
- Belichtungsangaben
- 18 h 50 min
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight
