M44 – Offener Sternhaufen
Praesepe wirkt völlig anders als ein Kugelsternhaufen: Statt eines stark verdichteten Zentrums verteilt sich ein großes Sternfeld locker über den Bildausschnitt. Diese offene Struktur ist das eigentliche Merkmal von M44 und bestimmt auch meine Aufnahme.
Ein naher offener Sternhaufen
M44 liegt nach modernen Gaia-Auswertungen ungefähr 186 bis 187 pc beziehungsweise rund 607 bis 610 Lichtjahre entfernt. Der Haufen enthält ungefähr tausend Sterne und ist etwa 600 bis 700 Millionen Jahre alt.
Schon das bloße Auge sieht den Bienenkorb
Mit einer Gesamthelligkeit um 3,7 mag ist M44 unter brauchbarem Himmel leicht ohne Teleskop auffindbar. Eine einzelne physische Durchmesserzahl ist dagegen weniger sinnvoll, weil bei offenen Haufen Kern-, Grenz- und Gezeitenradius unterschiedlich definiert werden können. Deshalb bleibt der Schwerpunkt hier auf dem tatsächlich sichtbaren lockeren Sternfeld.
Der Bienenkorb ist räumlich viel näher als die meisten Deep-Sky-Ziele
M44 liegt nur ungefähr 186 bis 187 pc entfernt. Dadurch lassen sich viele seiner Mitglieder mit bloßem Auge beziehungsweise Fernglas erkennen. Gaia-Daten haben die Mitgliedschaft heute sehr viel sauberer getrennt: Sterne mit gemeinsamer Parallaxe und Eigenbewegung können vom zufälligen Vorder- und Hintergrund unterschieden werden.
In meiner Aufnahme wirkt der Haufen deshalb nicht wie ein kompakter Nebelfleck, sondern als lockere Verteilung heller Sterne über ein großes Feld. Die Bildidee ist eher eine Komposition aus Sternfarben und Abständen als das Herausarbeiten schwacher Flächenhelligkeit.
Ein Haufen im mittleren Alter
Altersbestimmungen liegen je nach Modell grob zwischen etwa 600 und 800 Millionen Jahren. M44 ist damit viel älter als junge eingebettete Haufen wie NGC 2244, aber wesentlich jünger als Kugelsternhaufen. Einige massereichere Mitglieder haben die Hauptreihe bereits verlassen und erscheinen als Riesen.
Der Haufen ist seit der Antike bekannt und wurde nicht von einem einzelnen neuzeitlichen Astronomen „entdeckt“. Eine einzelne Person als „Entdecker“ anzugeben wäre bei einem seit der Antike bekannten Sternhaufen historisch irreführend. Bei historischen Objekten ersetze ich sie lieber durch einen sachlich passenderen Wert als eine künstlich präzise Namenszuordnung.
Die Sternfarben im Bienenkorb sind subtiler als bei einem Nebel, aber fotografisch nicht weniger interessant. Einige entwickelte Riesen fallen deutlich wärmer aus als die vielen weißlich-blauen Hauptreihensterne. Ich versuche deshalb, die Sterne nicht bis in die Sättigung zu treiben; sonst geht gerade dieser Farbunterschied verloren und der Haufen wirkt wie eine Ansammlung identischer weißer Punkte.
Im weiten Feld liegen natürlich zahlreiche Sterne, die nicht zum Haufen gehören. Ohne Gaia-Daten lässt sich das fotografisch nicht allein aus der Nähe zum Haufenzentrum entscheiden. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie Astrometrie einem scheinbar einfachen Sternhaufenbild eine dritte Dimension gibt: gemeinsame Bewegung ersetzt die bloße Nachbarschaft am Himmel.
Gaia erweitert den Bienenkorb weit über die auffällige Kernzone hinaus
Moderne Mitgliedschaftsanalysen mit Gaia finden deutlich mehr Haufensterne als die wenigen Dutzend, die in einer klassischen Teleskopansicht sofort auffallen. Die gemeinsame Eigenbewegung und Parallaxe machen Mitglieder auch in den lockereren Außenbereichen erkennbar. Für mein Bild ist das interessant, weil die sichtbare „Bienenkorb“-Form nur den kontrastreichsten Teil einer räumlich größeren Population zeigt. Anders als bei einem Nebel gibt es keine scharfe optische Kante, an der der Haufen plötzlich endet.
Praesepe besitzt zwei überraschend lange Gezeitenschweife
Gaia DR2 hat gezeigt, dass der Bienenkorb weit über die auffällige Sternverdichtung hinausreicht. Eine gezielte Suche fand zwei Gezeitenschweife, die sich jeweils bis ungefähr 165 pc vom Haufenzentrum erstrecken; 389 der ausgewählten Sterne liegen außerhalb von zwei Gezeitenradien. Meine Aufnahme zeigt natürlich nur den hellen Kernbereich. Wissenschaftlich ist M44 damit aber kein kompakt abgeschlossenes Sternhäufchen, sondern ein mehrere hundert Parsec langes System, aus dem Sterne durch die galaktische Gezeitenwirkung allmählich herausgelöst werden.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 24.01.2022
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 3 h 24 min
- Belichtungsangaben
- 3 h 24 min
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight
