M45 – Plejaden
Eigentlich hatte ich gehofft, die Plejaden bereits mit meinem neuen APO aufnehmen zu können. Nach mehr als vier Monaten seit der Bestellung stand der Liefertermin aber immer noch nicht fest. Also entschied ich mich „notgedrungen“ noch einmal für meinen 8-Zoll-Lacerta-Newton bei 800 mm Brennweite – und wegen des großen Bildfelds für ein Mosaik aus zwei Feldern.
60 Sekunden reichen bei den hellen Plejadensternen weit
Mit etwa 1,6 mag sind die Plejaden sehr hell. Deshalb begrenzte ich die einzelnen RGB-Belichtungen auf 60 Sekunden. Der offene Haufen liegt ungefähr 136 pc beziehungsweise rund 443 Lichtjahre entfernt und ist etwa 120 Millionen Jahre alt. Die hellsten Mitglieder überstrahlen sehr schnell, während der schwache Staub wesentlich mehr Sorgfalt beim Stretch verlangt.
Genau dieser Dynamikunterschied prägt mein Mosaik: Die Sterne sollen ihre Farbe und einen kontrollierten Halo behalten, gleichzeitig möchte ich die schwachen Reflexionsstrukturen um Merope und die anderen hellen Mitglieder nicht verlieren.
Der blaue Staub ist nicht die ursprüngliche Geburtswolke
Der auffällige blaue Reflexionsnebel entsteht, weil das Licht der heißen Plejadensterne an interstellarem Staub gestreut wird. Nach heutigem Stand ist diese Wolke nicht einfach der Rest des Materials, aus dem der Haufen entstand. Die Plejaden bewegen sich vielmehr durch unabhängigen interstellaren Staub. Das erklärt, warum ein rund 120 Millionen Jahre alter Haufen noch von so auffälligen Reflexionsnebeln umgeben erscheint.
In meiner Aufnahme sind die feinen Staubfäden deutlich empfindlicher gegenüber Gradienten und Sternhalos als die Sterne selbst. Ich gleiche ihre Form deshalb mit tiefen Referenzaufnahmen ab und achte darauf, dass die Strukturen über mehrere Bearbeitungsschritte stabil bleiben. So lassen sich echte Reflexionsnebel besser von optischen Halos oder Resten einer Hintergrundkorrektur unterscheiden.
Gaia zeigt eine viel größere Sternpopulation als das „Siebengestirn“
Mit Gaia lassen sich Mitglieder der Plejaden über einen viel größeren Raum verfolgen als der kompakte bekannte Haufen am Himmel vermuten lässt. Untersuchungen finden lange Gezeitenschweife aus Sternen, die durch interne Dynamik und das galaktische Gravitationsfeld allmählich vom Haufen getrennt werden. Das bekannte „Siebengestirn“ ist daher nur der hellste und dichteste Teil einer sehr viel größeren gemeinsamen Population.
Für mein Bild bleiben diese Schweife natürlich außerhalb des eigentlichen Motivs. Sie verändern aber die Vorstellung vom Objekt: Das Mosaik zeigt den hellen Kern und den Staub, während Gaia die räumliche Ausdehnung des Haufens weit darüber hinaus sichtbar macht.
Die Staubfäden liegen nicht symmetrisch um die hellen Sterne
Ein echter Reflexionsnebel verhält sich im Bild anders als ein rein optischer Sternhalo. Die Staubstrukturen um Merope und die anderen hellen Plejadensterne besitzen gerichtete, faserige Formen und folgen nicht einfach einem kreisförmigen Profil um den jeweiligen Stern. Gerade im Mosaik kann ich diese Geometrie über ein größeres Feld verfolgen. Das hilft mir bei der Bearbeitung, schwache reale Nebelanteile von Streulicht, Gradienten oder überzogenen Halos zu unterscheiden.
Dass der Staub nicht die ursprüngliche Geburtswolke des rund 120 Millionen Jahre alten Haufens ist, macht diese Formen zusätzlich interessant: Wir sehen den hellen Kern eines offenen Sternhaufens bei der Passage durch fremdes interstellares Material. Mein Bild verbindet damit zwei Strukturen, die am Himmel zusammengehören, aber nicht gemeinsam entstanden sein müssen.
Auch die Plejaden verlieren Sterne in langen Gezeitenschweifen
Gaia EDR3 erweitert das vertraute Siebengestirn ebenfalls weit über den fotografisch auffälligen Kern hinaus. Für die Plejaden wurden ein führender Schweif von rund 41 pc und ein nachlaufender von etwa 35 pc identifiziert. Diese Sterne sind in meiner kurzen Aufnahme nicht als eigene Struktur sichtbar; dort dominieren die hellen B-Sterne und der Reflexionsstaub. Für die Einordnung ist der Befund trotzdem wichtig: Der junge Haufen ist dynamisch bereits dabei, Mitglieder an seine galaktische Umgebung zu verlieren.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 24./25.01.2022
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 5 h 09 min
- Belichtungsangaben
- 5 h 9 minFeld 1: 155 × 60 s RGBFeld 2: 154 × 60x RGB
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; SPCC; GHS
