Vollmond
Über den Mond selbst muss man auf einer Astrofotografie-Seite wahrscheinlich nicht viel erklären – für meine eigenen Anfänge war er trotzdem eines der wichtigsten Motive. Er ist sofort zu finden, und für eine kurze Mondaufnahme braucht man kein aktives Guiding. Meine ersten Versuche entstanden deshalb natürlich am Mond. Weil ich anfangs noch keine Kamera hatte, musste sogar das Handy herhalten; wirklich vorzeigbar waren diese Bilder allerdings nicht.
Von den Handyversuchen zur Canon
Sobald ich meine Canon hatte, musste der Mond erneut als Testobjekt herhalten. Mein damaliger Ansatz war unkompliziert: viele kurze Aufnahmen in schneller Folge machen und darauf hoffen, einen Moment mit ruhiger Luft zu erwischen. Aus dieser frühen Phase stammt auch der Vollmond vom 16.07.2019. Die auf der heutigen Seite hinterlegten Metadaten weisen für das Hauptbild eine Canon EOS 700Da am 1200-mm-Newton und eine sehr kurze Einzelbelichtung aus.
Warum der Vollmond trotz fehlender Schatten Struktur zeigt
Nahe Vollmond steht die Sonne aus unserer Sicht fast frontal über der sichtbaren Mondhälfte. Dadurch fehlen die langen Schatten, die Krater und Gebirge am Terminator besonders plastisch erscheinen lassen. Die großräumige Zeichnung der Vollmondscheibe entsteht deshalb vor allem durch unterschiedliche Albedo: Die dunklen Maria bestehen überwiegend aus basaltischen Lavaebenen und reflektieren weniger Licht, während die älteren Hochländer mit anorthositreichem Gestein heller erscheinen.
Gerade diese flächigen Helligkeitsunterschiede prägen meine Aufnahme. Es handelt sich dabei nicht um eine künstliche RGB-Farbzuordnung, sondern um eine normale fotografische Aufnahme des reflektierten Sonnenlichts. Für mich ist das Bild heute vor allem deshalb interessant, weil es zeigt, wie unmittelbar meine Astrofotografie mit sehr einfachen Mondversuchen begonnen hat.
Der Vollmond zeigt Relief anders als der Terminator
Bei nahezu vollem Mond kommt das Sonnenlicht fast aus der Richtung der Erde. Berge und Kraterränder werfen deshalb nur kurze Schatten; die plastische Reliefwirkung, die man an der Tag-Nacht-Grenze so gut sieht, tritt zurück. Dafür werden großräumige Helligkeits- und Farbunterschiede der Oberfläche besonders deutlich. In meiner Aufnahme dominieren die dunklen Basaltflächen der Maria und die helleren Hochländer, während die Strahlensysteme junger Krater weit über ihre unmittelbare Umgebung hinausreichen.
Das erklärt auch, warum ich Vollmondbilder nicht als „schlechtere“ Mondphase empfinde. Sie zeigen einfach andere Informationen. An der Terminatorlinie suche ich nach Schatten und Höhenprofilen; beim Vollmond interessieren mich Albedostrukturen und die großräumige Geologie.
Vom Smartphone zur systematischen Serienaufnahme
Meine ersten Mondversuche mit dem Handy waren qualitativ enttäuschend. Mit der Canon begann ich deshalb, nicht nur ein einzelnes Bild aufzunehmen, sondern Serien von ungefähr 50 bis 100 Aufnahmen. Der Gedanke dahinter ist ähnlich wie beim Lucky Imaging der Planeten: Luftunruhe verändert die Schärfe von Moment zu Moment. Aus mehreren Bildern lässt sich ein deutlich besserer Zeitpunkt auswählen beziehungsweise ein Stack aus den ruhigeren Einzelbildern erzeugen.
In der fertigen Aufnahme sind die großen Maria und markanten Krater sofort erkennbar; feinere Strukturen hängen dagegen stark vom Seeing ab. Für mich dokumentiert diese Aufnahme vor allem, wie viel zusätzliche Detailzeichnung sich aus einem scheinbar einfachen, sehr hellen Ziel mit sorgfältiger Aufnahmetechnik herausholen lässt.
Über mehrere Monate verschiebt die Libration den sichtbaren Mondrand
Auch meine frühen Vollmondserien zeigen nie exakt dieselbe geometrische Mondscheibe. Durch die Libration sehen wir im Verlauf eines Monats etwas über die östlichen, westlichen, nördlichen und südlichen Ränder hinaus; insgesamt werden von der Erde aus etwa 59 Prozent der Mondoberfläche zumindest zeitweise sichtbar. Bei meinen damaligen Aufnahmen war das kein geplantes Beobachtungsziel. Rückblickend erklärt es aber, warum randnahe Formationen zwischen verschiedenen Serien ihre scheinbare Lage und Verkürzung leicht ändern können.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 16.07.2019
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Belichtungsangaben
- Einzelbild , 1/200s
- Teleskop / Optik
- 8'', f6 Newton Skywatcher, 1200mm
- Kamera
- Canon EOS 700Da
- Filter
- Kein Filter
- Montierung
- Sky-Watcher HEQ5
- Bildbearbeitung
- nicht mehr bekannt
