Vollmond

Ich konnte mich nicht entscheiden, welches meiner beiden „Vollmondbilder“ mir besser gefällt. Deshalb habe ich auch diese Aufnahme mit nahezu vollem Mond auf die Homepage gesetzt. Entscheidet selbst, welche der beiden Fassungen euch besser gefällt.

Fast vollständig beleuchtet

Bei nahezu vollem Mond sehen wir fast die gesamte erdzugewandte Hemisphäre beleuchtet. Die Phase entsteht durch die Geometrie von der Stellung von Sonne, Erde und Mond; der Erdschatten ist dabei nicht beteiligt. Eine exakte Beleuchtungszahl oder die Frage, ob die Aufnahme unmittelbar vor oder nach Vollmond entstand, leite ich aus dem alten Bild allein nicht nachträglich ab.

Strahlensysteme werden bei Vollmond besonders auffällig

Wenn die Sonne fast senkrecht auf die sichtbare Mondhälfte fällt, verschwinden viele lange Reliefschatten. Dafür treten helle Strahlensysteme um junge Einschlagkrater stark hervor. In meiner Vollmondaufnahme sind insbesondere die weiten hellen Auswurfdecken gut zu verfolgen, die sich über ältere Maria und Hochländer legen. Sie erzählen von vergleichsweise jungen Einschlägen, ohne dass man für ihre Sichtbarkeit tiefe Schatten benötigt.

Die dunklen Maria sind basaltgefüllte Einschlagbecken und reflektieren weniger Licht als die anorthositreichen Hochländer. Diese großräumigen Albedounterschiede sind beim Vollmond sehr viel unmittelbarer als am schmalen Terminator.

Ein sehr helles Ziel hat trotzdem Bearbeitungsgrenzen

Belichtungszeit ist beim Vollmond kein Problem. Schwieriger ist, feine Kontraste zu verstärken, ohne Kraterränder zu überschärfen oder helle Flächen ausbrennen zu lassen. In meiner Bearbeitung versuche ich deshalb, großräumige Helligkeitsunterschiede und feine Detailzeichnung gleichzeitig zu erhalten.

Im Unterschied zu meinen Terminator- und Farbmond-Aufnahmen steht hier die globale Albedostruktur im Mittelpunkt: dunkle Maria, helle Hochländer und die Strahlensysteme großer Einschlagskrater bestimmen den Gesamteindruck.

Tycho und Copernicus fallen mit ihren hellen Strahlensystemen besonders auf, während die dunklen Maria große ruhige Flächen bilden. In meinem Bild lässt sich verfolgen, wie einzelne Strahlen Grenzen zwischen Maria und Hochland überschneiden. Dadurch wird sichtbar, dass die Auswurfdecken jünger als die darunterliegenden Landschaften sind.

Am Rand der Mondscheibe wirkt die Geometrie stark verkürzt. Krater erscheinen dort oval, obwohl sie nicht entsprechend elliptisch sein müssen. Diese perspektivische Verzerrung ist bei Vollmond besonders anschaulich und erinnert daran, dass wir auf eine Kugel und nicht auf eine flache Karte blicken.

Weil bei Vollmond fast keine Terminatorschatten helfen, fällt auch die Orientierung zunächst schwerer. Ich nutze deshalb markante Strahlkrater, die großen Maria und die Position von Tycho als Bezugspunkte. Erst von dort aus erschließen sich die kleineren Landschaften. In dieser Phase ist der Mond für mich eher eine globale geologische Karte als eine plastische Reliefaufnahme.

Gerade dieser Unterschied macht Vollmond für mich fotografisch eigenständig und nicht zu einer bloßen Ersatzphase.

Die Strahlensysteme sind keine topografischen Höhenzüge

Bei fast vollem Mond fallen die hellen Strahlen um junge Einschlagskrater besonders stark auf. Sie bestehen aus ausgeworfenem Material mit anderen Reflexionseigenschaften als die ältere Umgebung und können sich über Hunderte Kilometer ziehen. In meiner Aufnahme wirken diese Muster deshalb sehr kontrastreich, obwohl sie kaum Relief besitzen. Das ist ein guter Gegenpol zum Halbmond: Dort erzählen lange Schatten die Topografie, hier dominiert bei hohem Sonnenstand vor allem die unterschiedliche Helligkeit des Oberflächenmaterials.

Auch ein fast voller Mond zeigt nicht jeden Monat exakt dieselbe Scheibe

Die gebundene Rotation des Mondes bedeutet nicht, dass von der Erde immer exakt dieselbe Hälfte sichtbar ist. Durch die Libration kippt die Ansicht im Monatsverlauf leicht in Länge und Breite; über längere Zeit werden dadurch etwa 59 Prozent der Oberfläche zugänglich. Bei nahezu voller Beleuchtung fällt dieser Effekt besonders an randnahen Strukturen auf. Zwei meiner Vollmond- beziehungsweise Fast-Vollmondbilder können deshalb selbst bei sehr ähnlicher Phase kleine geometrische Unterschiede am Mondrand zeigen, die nicht aus der Bildbearbeitung stammen.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Größe, mittlere Entfernung und GrunddatenAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Physikalische Erklärung der MondphasenAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: Libration in Länge/Breite und insgesamt etwa 59 % von der Erde aus sichtbare MondoberflächeAbruf: 23.08.2026

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
15.09.2019
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Belichtungsangaben
Einzelbild , 1/125 s
Teleskop / Optik
Sky-Watcher Newton 8″ f/6, 1.200 mm
Kamera
Canon EOS 700Da
Filter
Kein Filter
Montierung
Sky-Watcher HEQ5
Bildbearbeitung
Adobe Photoshop Elements; Elements XXL