NGC 7380 – Wizardnebel

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Der Wizard- beziehungsweise Zaubernebel wirkt im Bild wie eine einzige leuchtende Figur. Katalogisch sind jedoch zwei Dinge zu trennen: NGC 7380 ist der junge offene Sternhaufen, die umgebende H-II- und Sternentstehungsregion wird als Sh 2-142 geführt. Mein alter Satz, wir verdankten dem Sternhaufen die „zauberhaft leuchtenden Nebelbestandteile“, trifft den visuellen Eindruck gut – wissenschaftlich lässt sich diese Aussage heute wesentlich genauer fassen.

DH Cep ist die wichtigste konkrete Energiequelle

Innerhalb von NGC 7380 sitzt DH Cep beziehungsweise HD 215835, ein enges massereiches O-Doppelsternsystem. Seine intensive Strahlung und die Sternwinde prägen Sh 2-142 wesentlich. In meiner Aufnahme liegen die hellsten Nebelbereiche in der Umgebung des Haufens; von dort ziehen sich strukturierte Ränder und dunkle Säulen in die größere Emissionsfläche.

Damit lässt sich die auffällige Helligkeitsverteilung direkt mit einem konkreten stellaren System verbinden. Die namensgebende „Zauberer“-Silhouette bleibt natürlich eine menschliche Formdeutung, die leuchtenden Kanten selbst folgen aber realem dichtem Wolkenmaterial im Strahlungsfeld des jungen Haufens.

Rund 8.500 Lichtjahre und nur wenige Millionen Jahre

Photometrische und spektroskopische Untersuchungen setzen NGC 7380 auf ungefähr 2,6 ± 0,4 kpc, also rund 8.500 ± 1.300 Lichtjahre. Für den Haufen wird ein Alter in der Größenordnung von etwa vier Millionen Jahren angegeben; zahlreiche prä-Hauptreihen-Sterne in der Region sind ungefähr ein bis fünf Millionen Jahre alt.

Diese Werte sind für mich aussagekräftiger als eine vermeintlich exakte Gesamthelligkeit oder eine starre physische Nebelgröße. Die diffuse Grenze von Sh 2-142 hängt davon ab, welche Emissionsschwelle und welche Wellenlänge man betrachtet. Deshalb nenne ich dort keine scheinpräzise Gesamtgröße, wo bereits die wissenschaftliche Abgrenzung des diffusen Nebels von Wellenlänge und Messschwelle abhängt.

Der dunkle Kopf ist Teil der Struktur, nicht einfach leerer Himmel

Im Bild fällt innerhalb der hellen „Zauberer“-Form ein dunklerer Bereich auf. Dort liegt dichtes Staub- und Molekülmaterial vor beziehungsweise innerhalb der leuchtenden Region. Beim Stretch ist dieser Kontrast heikel: Wird der Hintergrund zu stark abgesenkt, sieht die Dunkelstruktur wie ein schwarzes Loch aus; bleibt die Bearbeitung zu flach, verliert der Wizard seine charakteristische Gliederung.

Die Schmalbanddaten helfen, die hellen Grenzflächen getrennt von den Sternen des Haufens herauszuarbeiten. Gleichzeitig achte ich darauf, dass die SHO-Farben nicht als physische „Eigenfarben“ einzelner Wolken missverstanden werden. Entscheidend ist die reale Lage der Emissionszonen und der absorbierenden Strukturen.

Caroline Herschel fand NGC 7380 bereits 1787

Die historische Geschichte reicht deutlich weiter zurück als der moderne Spitzname: Caroline Herschel entdeckte NGC 7380 am 7. August 1787. Heute lässt sich der Haufen mit Gaia-Astrometrie, Spektroskopie und Infrarotdaten als sehr junge Population untersuchen. Für mich verbindet die Aufnahme damit zwei Ebenen besonders schön: eine seit dem 18. Jahrhundert katalogisierte Sternverdichtung und eine moderne physikalische Zuordnung der leuchtenden Nebelstruktur zu konkreten massereichen Sternen wie DH Cep.

Die jungen Quellen konzentrieren sich an den vom Haufen bearbeiteten Wolkenrändern

Untersuchungen von Sh 2-142 finden eine räumliche Beziehung zwischen den massereichen Sternen um NGC 7380, verdichtetem Molekülgas und jüngeren Sternentstehungsgebieten an den Grenzflächen. In meiner Aufnahme sitzt der dunkle „Zaubererkopf“ genau in diesem strukturierten Übergang. Dadurch ist die Silhouette nicht nur Namensgeber, sondern Teil einer physikalisch aktiven Wolkenkante, an der die Umgebung des jungen Haufens die Gasverteilung sichtbar beeinflusst.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: NGC7380: 2,6±0,4 kpc, Alter ~4 Myr, PMS-Alter und DH CepAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 456, 2505
  2. Verwendet für: Sh2-142 = H-II-Region um NGC7380, Gaia-EDR3-/Molekülgas-Kontext und Feedback-getriebene SternentstehungAbruf: 23.08.2026The Astrophysical Journal 928, 17
  3. Verwendet für: Caroline Herschel, 07.08.1787Abruf: 23.08.2026Historische Entdeckung; physikalische Werte aus moderner Fachliteratur.
  4. Verwendet für: Katalogisierung des/der Sh-2-Objekts/Objekte auf dieser AufnahmeAbruf: 23.08.2026Originalkatalog: Sharpless 1959, ApJS 4, 257; Bibcode 1959ApJS....4..257S.
  5. Verwendet für: NGC 7380: katalogisierter Haufendurchmesser ≈ 20′; historische Entdeckung am 07.08.1787Abruf: 23.08.2026Der Wert bezieht sich auf den offenen Sternhaufen NGC 7380 und ausdrücklich nicht auf eine starre Gesamtgrenze der diffusen H-II-Region Sh 2-142.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
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OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
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StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
15./20./22./25.08.2021, 24.10.2021
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
9 h 30 min
Belichtungsangaben
114 × 300 s RGB
Teleskop / Optik
Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
Kamera
QHY268C
Filter
Optolong L-eXtreme; UV/IR-Cut
Korrektor / Reducer
GPU 2″ Komakorrektor
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; StarXTerminator; SPCC; GHS