Hummerscherennebel (SH 2-157) – Blasennebel (NGC 7635) – Höhlennebel (SH 2-155) – Wizardnebel (NGC 7380)

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Welches Objekt soll beim Öffnen im Zentrum stehen?

Die auffälligen Objekte dieses Weitfeldes hatte ich zuvor bereits einzeln oder in anderen Kombinationen aufgenommen. Mit dem 200-mm-Feld wollte ich diesmal ihre räumliche Nachbarschaft am Himmel zeigen: Hummerscherennebel, Blasennebel, Höhlennebel und Wizardregion erscheinen gemeinsam, obwohl sie physikalisch keineswegs eine einzige Nebelwolke bilden.

Vier Hauptmotive in einem Bild

Sh 2-157 bildet einen großen Teil des Feldes, NGC 7635 erscheint als kleine Blase, Sh 2-155 liegt weiter unten und NGC 7380 mit der zugehörigen H-II-Region Sh 2-142 bildet den Wizard-Komplex. Zusätzlich ist NGC 7538 im Feld sichtbar.

Nur im Bild liegen sie scheinbar nebeneinander

Die Objekte haben sehr unterschiedliche Entfernungen: NGC 7635 liegt etwa 7.100 Lichtjahre entfernt, Sh 2-155 rund 3.000 Lichtjahre, der NGC-7380-Komplex rund 8.500 Lichtjahre. Für Sh 2-157 ist die Distanz deutlich unsicherer und liegt größenordnungsmäßig bei etwa 3,7 kpc. Gerade dieser Tiefenunterschied ist für mich ein wichtiger Teil der Weitfeldwirkung.

Die SHO-Darstellung trennt die verschiedenen Emissionsbereiche stärker voneinander und hilft dabei, in diesem sehr vollen Feld die einzelnen Strukturen zu verfolgen.

Mehrere unabhängige Energiequellen im selben Bildfeld

Die sichtbaren Nebel werden nicht alle von demselben Sternhaufen angeregt. Beim Blasennebel treibt BD +60° 2522 die kompakte Windblase. Im Höhlennebel ist HD 217086 eine zentrale ionisierende Quelle. Der Wizardnebel Sh 2-142 wird wesentlich vom massereichen O-Doppelstern DH Cep im Haufen NGC 7380 geprägt. Sh 2-157 wiederum gehört zum Umfeld von WR 157 und dem Haufen Markarian 50. NGC 7538 enthält mehrere eingebettete massive junge Sterne und ultrakompakte H-II-Regionen.

Auf meiner 200-mm-Aufnahme liegt die kleine runde Bubble deutlich kompakter zwischen den großflächigen Emissionszonen, während Sh 2-157 und Sh 2-155 wesentlich mehr Fläche einnehmen und der Wizard-Komplex als eigene strukturierte Region auffällt. NGC 7538 ergänzt das Feld als weiterer heller Knoten. Diese Objekte stehen scheinbar wie Teile einer einzigen großen Emissionswolke nebeneinander. Tatsächlich unterscheiden sie sich in Entfernung, Alter und physikalischer Situation. Die nebeneinander sichtbaren Objekte gehören daher nicht einfach zu einem einzigen physikalischen Nebelkomplex.

NGC 7538 liegt präzise vermessen im Perseusarm

Für NGC 7538 gibt es VLBI-Parallaxen von Maserquellen, die eine Entfernung um 2,65 kpc ergeben. Solche Messungen sind besonders wertvoll, weil sie nicht auf einer angenommenen Sternhelligkeit beruhen. Der Komplex ist ein aktives Gebiet massereicher Sternentstehung und enthält Quellen, die im optischen Bild hinter Staub weitgehend verborgen bleiben.

Im sichtbaren Schmalbandbild tritt daher vor allem das ionisierte Umfeld hervor, nicht die gesamte eingebettete Aktivität. Das Weitfeld macht für mich die unterschiedliche Erscheinung der Regionen anschaulich: eine kleine fast runde Bubble, helle Bögen, große diffuse Flächen und dunkle Molekülwolken teilen sich denselben Himmelsausschnitt.

Der Weitwinkel trennt mehrere Sternentstehungsregionen, die im Detail leicht zu einer einzigen Landschaft verschmelzen

Die präzise VLBI-Distanz von NGC 7538, die Wolf-Rayet-Umgebung von Sh 2-157, der von BD +60°2522 geprägte Blasennebel und die junge Population um NGC 7380 besitzen jeweils eigene physikalische Zentren. Im 200-mm-Bild liegen sie jedoch so dicht zusammen, dass die Emissionsflächen scheinbar ineinanderlaufen. Genau hier ist der große Bildwinkel wissenschaftlich nützlich: Er zeigt die Projektion mehrerer eigenständiger Regionen gleichzeitig und zwingt dazu, sichtbare Nebelbrücken nicht automatisch als ein einziges zusammenhängendes Objekt zu interpretieren.

Sh 2-157: Der Wolf-Rayet-Stern prägt nur einen Teil des großen Feldes

Bei Sh 2-157 ist besonders wichtig, die großflächige Emission nicht wie eine einzige, gleichmäßig ionisierte Blase zu lesen. Die Region SG 13 wird in der Fachliteratur als komplexes System aus ionisiertem Gas, neutralem Material und stellaren Windstrukturen beschrieben. WR 157 und der junge Haufen Markarian 50 liefern dabei eine wesentliche energetische Prägung, doch die sichtbaren Bögen und Helligkeitsunterschiede entstehen in einem inhomogenen Medium. Dichte Gasbereiche reagieren anders auf das Strahlungsfeld als dünnere Zonen; außerdem verändert der starke Wind des Wolf-Rayet-Sterns die Umgebung mechanisch. Im Weitfeld wird dadurch sichtbar, dass Sh 2-157 nicht nur „der große Nebel links“ ist, sondern eine eigene physikalische Region mit einer anderen Entfernung und Entwicklungsgeschichte als die benachbarten Sharpless- und NGC-Objekte.

Blasennebel und Höhlennebel zeigen zwei sehr unterschiedliche Grenzflächen

NGC 7635 ist im Vergleich dazu ein wesentlich kompakteres Beispiel dafür, wie ein massereicher Stern seine Umgebung formt. Der Wind von BD +60° 2522 räumt eine Blase in das umgebende Material; ihre auffällige Form hängt deshalb nicht nur vom Wind selbst, sondern auch von Dichteunterschieden im umgebenden Gas ab. Sh 2-155 zeigt eine andere Geometrie: Dort trifft die ionisierende Strahlung unter anderem von HD 217086 auf den Rand einer Molekülwolke. Der helle Rand und die dahinterliegenden dunkleren Strukturen markieren damit eine Übergangszone zwischen ionisiertem Gas und dichterem, weitgehend neutralem Material. Gerade weil beide Objekte im 200-mm-Feld gleichzeitig erscheinen, lässt sich die unterschiedliche Wirkung von Sternwind und Photoionisation unmittelbar vergleichen.

Warum dieselbe SHO-Palette hier mehrere unterschiedliche Prozesse nebeneinander zeigt

Die drei Schmalbandkanäle liefern in diesem Feld keine einfache „Landkarte der Elemente“, sondern reagieren auf unterschiedliche Ionisationsbedingungen. Hα verfolgt das weit verbreitete ionisierte Wasserstoffgas, [O III] wird dort relativ stärker, wo ein genügend hartes Strahlungsfeld O+ weiter zu O++ ionisieren kann, und [S II] kann in schwächer ionisierten Übergangszonen beziehungsweise in durch dynamische Prozesse beeinflussten Bereichen stärker hervortreten. Deshalb darf ein farblicher Unterschied zwischen Sh 2-157, NGC 7635, Sh 2-155, Sh 2-142 und NGC 7538 nicht automatisch als unterschiedliche chemische Zusammensetzung interpretiert werden. Für mich liegt der Reiz dieser Aufnahme gerade darin, dass eine einzige Farbpalette mehrere voneinander unabhängige Sternentstehungs- und Windregionen im selben Bildfeld vergleichbar macht, ohne ihre physikalische Eigenständigkeit zu verwischen.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Sh 2-157/SG13: Morphologie, WR157/Mrk50-Zusammenhang und DistanzdiskussionAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 395, 2045
  2. Verwendet für: NGC 7635: Entfernung und ZentralsternAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: Sh 2-155: Entfernung und AusdehnungAbruf: 23.08.2026
  4. Verwendet für: NGC 7380: Entfernung 2,6±0,4 kpc, Alter um 4 Myr und DH CepAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 456, 2505
  5. Verwendet für: NGC 7538: trigonometrische Parallaxendistanz 2,65 +0,12/−0,11 kpcAbruf: 23.08.2026Veröffentlichte VLBI-Parallaxenarbeit; arXiv-Fassung zur frei zugänglichen Dokumentation
  6. Verwendet für: Unabhängige Übernahme der VLBI-Distanz von 2,65 kpc; NGC 7538: 2,65-kpc-VLBI-Parallaxendistanz und massereiche SternentstehungAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 467, 2943
  7. Verwendet für: Katalogisierung des/der Sh-2-Objekts/Objekte auf dieser AufnahmeAbruf: 23.08.2026Originalkatalog: Sharpless 1959, ApJS 4, 257; Bibcode 1959ApJS....4..257S.
  8. Verwendet für: NGC 7538: katalogisierte Winkel-ausdehnung 9 × 6′ sowie Entdeckung durch William Herschel am 03.11.1787Abruf: 23.08.2026Die Winkelgröße ist ein katalogisierter NGC/IC-Wert; die diffuse Emissionsregion kann je nach Tracer darüber hinausreichen.
  9. Verwendet für: NGC 7380: katalogisierter Haufendurchmesser ≈ 20′; historische Entdeckung am 07.08.1787Abruf: 23.08.2026Der Wert bezieht sich auf den offenen Sternhaufen NGC 7380 und ausdrücklich nicht auf eine starre Gesamtgrenze der diffusen H-II-Region Sh 2-142.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
01.10. bis 11.11.2025 (11 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
41 h 40 min
Belichtungsangaben
41 h 40 minHa: 113 × 300 s = 9 h 25 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 207 × 300 s = 17 h 15 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 180 × 300 s = 15 h 00 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
Teleskop / Optik
Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS