SH 2-155 – Höhlennebel

Sh 2-155 ist eine H-II- und Sternentstehungsregion im Kepheus. In meiner 2021er Aufnahme mit 800 mm Brennweite fällt vor allem die helle gekrümmte Emissionskante auf, die den Eindruck eines Höhleneingangs erzeugt.

Eine aktive Grenze zur Molekülwolke

Der Höhlennebel liegt rund 3.000 Lichtjahre entfernt und erreicht eine Größenordnung von ungefähr 40 Lichtjahren. An der hellen Bogenstruktur wird Gas durch junge massereiche Sterne ionisiert; zugleich liegt die Region am Rand der größeren Cepheus-B-Molekülwolke, in der weiterhin Sterne entstehen.

Ein enger Blick auf den namensgebenden Bereich

Mit 800 mm Brennweite steht in diesem Bild nicht der gesamte großräumige Wolkenkomplex im Vordergrund, sondern die Struktur, die dem Objekt seinen Namen gegeben hat. Persönliche Entstehungsmotive, die im ursprünglichen Text nicht dokumentiert sind, ergänze ich bewusst nicht nachträglich.

HD 217086 beleuchtet den Rand der Molekülwolke

Im Höhlennebel Sh 2-155 liegt eine der wichtigsten ionisierenden Quellen mit HD 217086, einem frühen O-Stern im Cepheus-OB3-Gebiet. Seine Strahlung trifft auf die Oberfläche einer dichten Molekülwolke. Deshalb besitzt der Nebel eine ausgeprägte helle Grenzzone neben sehr dunklen Staubbereichen. Die „Höhle“ ist fotografisch gerade der Kontrast zwischen dieser leuchtenden Front und dem absorbierenden Material.

In meiner Aufnahme lässt sich die helle Kante gut gegen den dunklen Innenbereich verfolgen. Die Schmalbanddaten reagieren stark auf das ionisierte Gas, während die dichtesten Staubwolken als ausgesparte Formen stehen bleiben. Gerade die unmittelbare Nachbarschaft aus heller Ionisationsfront und dunklem Molekülmaterial bestimmt die Bildwirkung des Höhlennebels.

Cep OB3b liegt hinter der strukturierten Front

Die Region enthält eine sehr große junge Sternpopulation. Neuere Gaia-, Spitzer- und Chandra-Auswertungen schätzen Cep OB3b auf rund dreitausend Mitglieder; die Population gliedert sich in zwei Teilhaufen und einen diffuseren Halo. Die räumliche Verteilung deutet darauf hin, dass Sternentstehung über längere Zeit an unterschiedlichen Stellen der Wolke stattgefunden hat. Helle Ränder und eingebettete Quellen zeigen, dass der Komplex noch keineswegs ausgeräumt ist.

NASA führt Sh 2-155 als Caldwell 9. Die populäre Bezeichnung „Cave Nebula“ beschreibt die Form gut, aber für mich ist die wissenschaftliche Zuordnung zur Grenzfläche der Molekülwolke interessanter: Genau dort, wo das Bild am dramatischsten wirkt, treffen heiße Sterne und kaltes dichtes Material aufeinander.

Im dunklen Bereich hinter der hellen Front sinkt die Sternzahl in meiner Aufnahme sichtbar ab. Das ist nicht nur eine Frage des Hα-Signals: dichter Staub der Molekülwolke schluckt auch das Licht dahinterliegender Sterne. Der Übergang von hellem ionisiertem Rand zu dunkler absorbierender Wolke lässt sich dadurch auf demselben Bild in zwei völlig unterschiedlichen Beobachtungseffekten verfolgen.

Der helle Sternbereich und die dunkle „Höhle“ liegen im Bild so nah beieinander, dass die Dynamik der Region intuitiv wirkt. Trotzdem ist die Form nur eine zweidimensionale Projektion. Tiefeninformation kommt erst aus Spektroskopie, Sternparallaxen und Molekülmessungen – ein Punkt, der mir bei allen bildhaften Nebelnamen wichtig ist.

Die helle Kante markiert die Grenze zwischen Cep OB3b und der dichten Cepheus-B-Wolke

Beim Höhlennebel liegt der auffällige helle Rand genau dort, wo die junge OB-Population auf dichteres Molekülmaterial trifft. Hinter dieser Front sitzen weitere junge Sterne im Cepheus-B-Komplex. In meiner engeren Aufnahme wirkt die Kante fast wie eine Wand; wissenschaftlich ist sie eher eine Übergangszone, an der Strahlung, Gasdichte und junge Sternpopulation räumlich zusammenkommen. Das erklärt besser als die bloße „Höhlen“-Silhouette, warum gerade dieser Rand so strukturiert und hell erscheint.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Entfernung, Helligkeit, Ausdehnung, Sternentstehung, Cepheus-B-Kontext und Sharpless-KatalogisierungAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Sh 2-155/Cepheus B: HD 217086 (O7n) als wichtigste Ionisationsquelle sowie junge prä-hauptreihen Sternpopulation in Cep B/Cep OB3bAbruf: 23.08.2026Peer-reviewed Astrophysical Journal Supplement Series 163, 306–334.
  3. Verwendet für: Cep OB3b: rund 3.000 Gesamtmitglieder, zwei Teilhaufen plus Halo und junge ClusterstrukturAbruf: 23.08.2026Peer-reviewed The Astrophysical Journal 871, 46; für Populations-/Strukturkontext, nicht zur Übernahme der dortigen Distanz in die Caldwell-Kachel.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
04.bis 06.09.2021
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
9 h 25 min
Belichtungsangaben
113 × 300 s RGB
Teleskop / Optik
Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
Kamera
QHY268C
Filter
Optolong L-eXtreme; UV/IR-Cut
Korrektor / Reducer
GPU 2″ Komakorrektor
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight