Diese Aufnahme zeigt den Blasennebel noch relativ eng mit 800 mm Brennweite. Die helle, fast kugelförmig wirkende Hülle ist dadurch wesentlich deutlicher zu erkennen als in meinen späteren 200-mm-Weitfeldern, in denen NGC 7635 nur ein Teil einer viel größeren Nebelregion ist.
BD +60°2522 bläst die Blase auf
NGC 7635 liegt rund 7.100 Lichtjahre entfernt und hat einen Durchmesser von ungefähr sieben Lichtjahren. Die Struktur wird durch den schnellen Sternwind des massereichen O-Sterns BD +60°2522 geprägt. Der Sternwind trifft auf dichteres Material in der umgebenden Molekülwolke; dadurch entsteht die leuchtende, asymmetrisch wirkende Stoßfront der Blase.
Vom Detail zur Umgebung
Später habe ich NGC 7635 auch in mehreren Übersichtsaufnahmen mit meinem Askar bei 200 mm Brennweite aufgenommen. Für mich ergänzen sich diese Bilder gut: Hier lassen sich Form und innere Struktur der Blase verfolgen, während die Weitfelder zeigen, wie klein sie im Vergleich zu den großflächigen Emissionsgebieten der Region tatsächlich ist.
Der Stern sitzt nicht im geometrischen Mittelpunkt
BD +60° 2522 steht im Bild deutlich außerhalb des scheinbaren Zentrums der Blase. Das ist physikalisch wichtig: NGC 7635 ist keine perfekte Kugel, die symmetrisch um den Stern entstanden ist. Der schnelle Wind des massereichen O-Sterns trifft auf eine Molekülwolke mit stark wechselnder Dichte. Auf der dichteren Seite wird die Front gebremst und leuchtet heller; in dünnerem Material kann sie weiter laufen. Die bekannte runde Kontur ist deshalb nur die hellste Projektion einer asymmetrischen dreidimensionalen Struktur.
Bei 800 mm Brennweite ist diese Verschiebung in meiner Aufnahme gut zu erkennen. Der helle Stern liegt nahe einer besonders strukturierten Randzone, während die gegenüberliegende Seite diffuser ausläuft. In meinen 200-mm-Weitfeldern wird die Blase so klein, dass genau diese Geometrie viel schwerer zu lesen ist.
Eine kleine Blase in einer großen Sternentstehungslandschaft
Mit ungefähr sieben Lichtjahren Durchmesser ist die eigentliche Bubble im Vergleich zu den umliegenden Emissionsgebieten kompakt. Die enge Aufnahme vermittelt deshalb leicht den Eindruck eines isolierten Nebels. Erst die späteren Übersichten mit Sh 2-157, NGC 7538 und weiteren Regionen zeigen, dass NGC 7635 nur ein markanter Knoten in einer sehr reichen Himmelsgegend ist. Für mich ergänzen sich die Brennweiten dadurch: Das Detailbild erklärt die Form, das Weitfeld ihre Umgebung.
William Herschel entdeckte den Nebel 1787. Die heutige physikalische Zuordnung zu BD +60° 2522 und seinem Wind kam natürlich erst mit Spektroskopie und moderner Multiwellenlängenastronomie hinzu. Historische Entdeckung und heutige physikalische Interpretation beschreiben damit zwei sehr verschiedene Ebenen desselben auffälligen Objekts.
Hubble zeigt kleine „kometare“ Knoten nahe BD +60°2522
Hochaufgelöste Hubble-Beobachtungen lösen in NGC 7635 zusätzlich einen Komplex heller, kometar wirkender Knoten nahe dem massereichen Stern auf. Sie sitzen in dem Bereich, in dem Sternwind und Strahlung auf besonders dichtes Material treffen. Bei 800 mm Brennweite kann ich diese Einzelstrukturen nicht wie Hubble auflösen, doch gerade die unruhige helle Zone in der Nähe von BD +60°2522 wirkt in meinem Bild deutlich strukturierter als die glattere gegenüberliegende Blasenkante.
Das unterstützt auch die Interpretation der scheinbar versetzten Blase: Nicht ein perfekt homogener Raum wird aufgeblasen, sondern ein stark strukturiertes Umfeld. Für meine Nahaufnahme ist deshalb die lokale Helligkeitsverteilung um den Stern mindestens so interessant wie die nahezu kreisförmige Außenkontur, die dem Objekt seinen Namen gegeben hat.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 31.08.2021, 02.09.2021, 03.09.2021
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 14 h 40 min
- Belichtungsangaben
- 152 × 300 s RGB
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- Optolong L-eXtreme; UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight