Abell 1656 – Coma-Galaxienhaufen

Dieses Bild entstand aus einer ganz konkreten Frage: Wie viele Galaxien lassen sich mit einem 200/800-mm-Amateurteleskop in einer tiefen Aufnahme des Coma-Haufens sichtbar machen? Abell 1656 war dafür ein ideales Ziel, weil in diesem Feld nicht eine einzelne Galaxie, sondern eine ganze Population ferner Sternsysteme erscheint.

513 markiert – und damit war noch nicht Schluss

Mit dem PixInsight-Skript AnnotateImage wurden in meiner Aufnahme 513 Galaxien beschriftet. Beim genaueren Hineinzoomen fiel mir aber auf, dass daneben zahlreiche weitere kleine Galaxien sichtbar waren. Ich habe sie anschließend selbst gezählt und kam auf etwa 245 zusätzliche Objekte. Damit sind für mich in dieser Aufnahme ungefähr 750 Galaxien erkennbar. Sagenhaft!

Ein Haufen in mehr als 300 Millionen Lichtjahren Entfernung

Der Coma-Galaxienhaufen liegt ungefähr 320 bis 330 Millionen Lichtjahre entfernt und enthält mehr als tausend Galaxien; der gesamte Haufen erstreckt sich über mehr als 20 Millionen Lichtjahre. Im Zentrum dominieren große elliptische Galaxien wie NGC 4874 und NGC 4889.

Mit IC 3998 konnte ich im Feld außerdem eine noch weiter entfernte Galaxie identifizieren. Mir geht es bei dieser Aufnahme deshalb weniger um eine besonders spektakuläre Einzelgalaxie als um die Tiefe des Bildes – und darum, was mit Amateurtechnik überhaupt sichtbar wird.

NGC 4874 und NGC 4889 markieren das Haufenzentrum

Im Zentrum von Abell 1656 stehen mit NGC 4874 und NGC 4889 zwei riesige elliptische Galaxien. Sie wirken in meinem Bild nur wenig größer als viele andere Flecken, sind aber massereiche Schwerpunkte eines Haufens mit mehr als tausend Mitgliedern. Zwischen den Galaxien befindet sich heißes, röntgenleuchtendes Gas; der größte Teil der gravitativen Masse steckt ohnehin nicht in den sichtbaren Sternen, sondern im gemeinsamen Dunkle-Materie-Halo des Haufens.

Diese Information verändert für mich den Blick auf die Aufnahme: Die 750 gezählten Galaxien sind nicht einfach zufällig über den Hintergrund verteilt. Im Zentrum nimmt die Dichte sichtbar zu, und die beiden großen elliptischen Systeme stehen in einer Umgebung, in der Galaxien über lange Zeit durch Begegnungen und das Haufengas verändert werden.

Jeder kleine Fleck braucht eine andere Größenordnung

Bei ungefähr 320 bis 330 Millionen Lichtjahren Entfernung ist selbst eine große Galaxie in meinem 800-mm-Bild nur wenige Pixel bis einige Dutzend Pixel groß. IC 3998 und andere Hintergrundobjekte liegen noch weiter entfernt. Deshalb ist die Annotation für mich mehr als eine Beschriftungshilfe: Sie verhindert, dass ich schwache Sterne, Artefakte und echte Galaxien beim Zählen miteinander verwechsle.

Dass AnnotateImage 513 Galaxien markierte und ich anschließend noch etwa 245 zusätzliche Kandidaten visuell identifizieren konnte, macht die Aufnahme zu einer Art persönlichem Tiefentest. Die Zahl ist keine wissenschaftliche Vollständigkeitszählung des Haufens, sondern eine Aussage darüber, was in genau meinen Daten sichtbar ist. Diese Unterscheidung möchte ich bewusst beibehalten.

Der Haufen selbst erstreckt sich über viele Millionen Lichtjahre Tiefe

Der Coma-Haufen ist kein flaches „Galaxienfeld“, sondern eine gewaltige dreidimensionale Ansammlung mit mehr als tausend Mitgliedern und einer Ausdehnung von über 20 Millionen Lichtjahren. In meiner Aufnahme liegen deshalb selbst Galaxien, die scheinbar dicht nebeneinanderstehen, nicht zwingend räumlich nahe beieinander. Die beiden großen elliptischen Systeme NGC 4874 und NGC 4889 markieren den zentralen Bereich, aber auch dort ist die Projektion auf eine zweidimensionale Bildfläche eine starke Vereinfachung des realen Haufens.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Rund 330 Mio. Lichtjahre, mehr als 1.000 Mitglieder, NGC 4874/4889Abruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Über 300 Mio. Lichtjahre, tausende Galaxien und >20 Mio. Lichtjahre ClustergrößeAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: IC 3998 als deutlich weiter entfernte Feld-/HintergrundgalaxieAbruf: 23.08.2026Nicht als repräsentative Distanz des Coma-Haufens verwenden.
  4. Verwendet für: Abell 1656: Katalogisierung im ursprünglichen Abell-Katalog von 1958Abruf: 23.08.2026Für den Coma-Galaxienhaufen ist die Katalogisierung sachgerechter als die Angabe eines einzelnen klassischen „Entdeckers“.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
08./09./23./25./27.03.2022
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
23 h 20 min
Belichtungsangaben
280 x 300s RGB,
Teleskop / Optik
Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
Kamera
QHY268C
Filter
UV/IR-Cut
Korrektor / Reducer
GPU 2″ Komakorrektor
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight

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