Arp 286 – NGC 5560, NGC 5566 und NGC 5569
Die ungewöhnlichen und teils stark verzerrten Formen von Arp 286 waren für mich der eigentliche Grund, dieses Galaxientrio aufzunehmen. Mit 2.350 mm Brennweite wollte ich NGC 5560, NGC 5566 und NGC 5569 nicht nur gemeinsam im Feld zeigen, sondern ihre sehr unterschiedlichen Formen möglichst deutlich herausarbeiten.
Drei Galaxien reagieren sichtbar unterschiedlich auf dieselbe Gruppe
NGC 5566 dominiert das Zentrum meiner Aufnahme. Sie ist mit einer Größenordnung von etwa 150.000 Lichtjahren das größte Mitglied und wirkt trotz der Wechselwirkung vergleichsweise geordnet. NGC 5560 ist dagegen langgezogen und asymmetrisch; NGC 5569 erscheint als deutlich kleineres drittes Mitglied. Gerade dieser direkte Vergleich macht Arp 286 für mich interessanter als eine einzelne isolierte Spiralgalaxie.
NASA/APOD ordnet das Trio in einer Entfernung knapp unter 90 Millionen Lichtjahren ein. Auf meinem Bild liegen die drei Kerne deshalb scheinbar dicht zusammen, obwohl schon die sichtbaren Scheiben enorme physische Dimensionen besitzen. Die lange Brennweite lässt zugleich kleine Hintergrundgalaxien und schwache Außenbereiche erkennen, die bei einem stärkeren Stretch schnell mit dem Himmelshintergrund konkurrieren.
NGC 5560 trägt die auffälligsten Verzerrungen
Die gravitative Wechselwirkung zeigt sich besonders deutlich an NGC 5560. Ihre äußeren Strukturen sind aus der Symmetrie gezogen, während NGC 5566 wesentlich regelmäßiger erscheint. NGC 5569 ergänzt die Dynamik als kleineres Gruppenmitglied. Arp nahm das System gerade wegen solcher ungewöhnlichen Morphologien in seinen Atlas peculiärer Galaxien auf.
Bei der RGB-Bearbeitung wollte ich deshalb nicht nur die drei hellen Kerne zeigen. Entscheidend waren für mich die schwächeren Scheiben- und Außenbereiche, denn dort wird die Störung am besten sichtbar. Zu starkes Schärfen oder Sättigen würde aus den feinen asymmetrischen Strukturen schnell künstliche Kanten machen.
Die Entdeckungsgeschichte spiegelt das Helligkeitsgefälle
William Herschel entdeckte NGC 5560 und NGC 5566 am 30. April 1786. Das deutlich schwächere NGC 5569 wurde erst am 26. April 1849 von George Stoney bei Lord Rosse beobachtet. Diese zeitliche Staffelung passt anschaulich zum heutigen Bild: Die beiden größeren Mitglieder fallen wesentlich schneller ins Auge, während das kleine dritte System leicht übersehen werden kann.
Für meine Aufnahme ist das Trio damit auf zwei Ebenen spannend. Wissenschaftlich zeigen drei nahe Galaxien sehr unterschiedliche sichtbare Reaktionen auf ihre gemeinsame Umgebung; fotografisch verlangt das Feld gleichzeitig genug Dynamikumfang für helle Kerne und sehr schwache Außenstrukturen. Genau diese Kombination war der Grund, Arp 286 mit dem C925 bei voller Brennweite aufzunehmen.
Die Verzerrung von NGC 5560 ist auch in tiefen Referenzbildern das auffälligste Wechselwirkungssignal
NASA/APOD beschreibt NGC 5560 ausdrücklich als durch die Wechselwirkung mit der massereicheren NGC 5566 gestreckt und verzerrt. Das ist für meine Aufnahme wichtig, weil gerade schwache asymmetrische Außenbereiche bei der Bearbeitung leicht wie Gradienten oder Schärfungsartefakte wirken können. Hier stimmt die Richtung der sichtbaren Verformung jedoch mit tiefen Vergleichsaufnahmen des Systems überein.
NGC 5566 liefert mit ihren weit ausgreifenden Spiralarmen und Staubbändern den großen, relativ geordneten Bezugspunkt; unmittelbar daneben wirkt NGC 5560 deutlich unruhiger. Dass beide nahezu in derselben Distanz liegen, macht diesen Formkontrast physisch aussagekräftig. Ich versuche deshalb, die schwachen Enden von NGC 5560 nicht zu glätten, aber ebenso wenig durch aggressives Stretching künstlich zu verlängern.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 09.05. bis 07.06.2024 (insgesamt 8 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 30 h 44 min
- Belichtungsangaben
- 30 h 44 minR: 237 x 120s = 7 h 54 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus HGG: 205 x 120s = 6 h 50 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus HGB: 183 x 120s = 6 h 06min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus HGL: 297 x 120s = 9 h 54 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus HG
- Teleskop / Optik
- Celestron EdgeHD 9,25″, 2.350 mm f/10
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia L; Antlia R; Antlia G; Antlia B
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; SPCC; GHS
