CTB 1 (ehemals Abell 85) – ein lichtschwacher Supernova-Überrest
Gerade weil CTB 1 so lichtschwach ist und deshalb deutlich seltener aufgenommen wird als viele bekannte Emissionsnebel, wollte ich dieses Objekt unbedingt versuchen. Daraus wurde sprichwörtlich ein Aufnahmemarathon: Zwischen dem 11. Juli und 1. August 2022 sammelte ich in 16 Nächten insgesamt 45 Stunden 55 Minuten Belichtungszeit. Zum Glück gab es in diesem Zeitraum verhältnismäßig viele klare Nächte; trotzdem waren häufig nur zwei bis drei Stunden Aufnahmezeit pro Nacht möglich.
Die offene Schale zeigt eine stark ungleichmäßige Umgebung
CTB 1, im Radiokatalog als G116.9+0.2 geführt und früher auch als Abell 85 bezeichnet, besitzt eine Radioausdehnung von ungefähr 34 Bogenminuten. Auf meiner Hα/OIII/SII-Aufnahme ist die Hülle keine gleichmäßige Kreislinie: Einige Bögen sind deutlich heller, andere Bereiche wirken ausgefranst oder offen.
Diese sogenannte Breakout-Morphologie passt zu einer Stoßfront, die aus dichterem Material in eine wesentlich dünnere Umgebung läuft. Dort kann sie weiter expandieren und optisch schwächer werden. Die Form erzählt damit konkret etwas über das interstellare Medium, durch das sich CTB 1 heute bewegt und erklärt unmittelbar, warum die sichtbare Schale so ungleichmäßig ist.
Der „Cannonball“-Pulsar weist zurück zu CTB 1
Besonders spannend ist PSR J0002+6216 außerhalb der hellsten Schale. Der Pulsar besitzt einen langen, schmalen Pulsarwind-Schweif, dessen Orientierung zurück in Richtung CTB 1 weist. Neuere VLBI-Messungen von Eigenbewegung und Parallaxe haben die zuvor extrem hoch geschätzte Geschwindigkeit korrigiert; für die Rückrechnung vom Explosionszentrum ergibt sich eine kinematische Zeit von 47,60 ± 0,80 Tausend Jahren.
Damit ist die früher oft genannte einfache Altersangabe von rund 10.000 Jahren nicht mehr die einzige plausible Einordnung. Für das Alter nenne ich deshalb keine scheinbar eindeutige Standardzahl, sondern ordne die deutlich längere kinematische Zeitskala der neueren Messung ein.
Mehr als acht Stunden SII waren keine reine Farbentscheidung
Viele tiefe Aufnahmen von CTB 1 konzentrieren sich auf Hα und [O III]. Ich wollte zusätzlich sehen, welche schwachen Strukturen im [S II]-Signal stabil nachweisbar sind, und sammelte dafür mehr als acht Stunden. Dazu kamen fast 13 Stunden [O III]. In der Bearbeitung habe ich Hα und [S II] kombiniert und so versucht, die sehr schwache Schale über einen möglichst großen Winkel glaubwürdig zu verfolgen.
Gerade bei fast 46 Stunden Gesamtbelichtungszeit war für mich nicht eine einzelne spektakuläre Stelle entscheidend, sondern der Übergang von den helleren Bögen in die schwachen offenen Bereiche. Das Bild soll die reale Unregelmäßigkeit der Schockstruktur zeigen und nicht nur die kontrastreichsten Filamente.
Die Entfernung bleibt tatsächlich unsicher
Der Green-Katalog nennt widersprüchliche Distanzindikatoren: etwa 1,6 kpc aus H-I-Untersuchungen und rund 4,3 kpc aus Extinktionsargumenten. Eine einzelne Zahl würde hier Genauigkeit vortäuschen. Deshalb bleibt die Entfernung als Bereich angegeben; entsprechend lässt sich auch die physische Größe nicht seriös auf einen einzigen exakten Wert reduzieren. Die robuste direkt beobachtbare Größe ist zunächst die Winkelausdehnung von ungefähr 34 Bogenminuten.
Auch im Röntgenlicht besitzt CTB 1 eine Breakout-Struktur
CTB 1 wird als sogenannter Mixed-Morphology-Überrest beschrieben: Im Radio und optisch ist eine Schale erkennbar, während das Röntgenlicht das Innere stärker füllt. Besonders interessant ist, dass sich die Röntgenemission ebenfalls in den nordöstlichen Breakout-Bereich fortsetzt. Die in meinem Schmalbandbild offene, ausgefranste Seite ist damit nicht nur eine zufällige optische Lücke. Mehrere Wellenlängen zeigen dort tatsächlich einen Bereich, in dem sich der Überrest anders in seine Umgebung ausbreitet als entlang der geschlosseneren Schalenabschnitte.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 11.07. bis 01.08.2022 (16 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 45 h 55 min
- Belichtungsangaben
- 45 h 55 minHa: 248 × 300 s = 20 h 40 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 152 × 300 s = 12 h 40 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 99 × 300 s = 8 h 15 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainRGB: 52 × 300 s = 4 h 20 min (1 8 xR, 18 x B, 16xG), Gain 0 , Offset 30, Kameramodus DSO
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator
