Emissionsnebel SH 2-112 mit umliegender Region
Eigentlich hätte ich Sh 2-112 lieber mit deutlich mehr Brennweite aufgenommen. Mein Askar mit 200 mm war aber wegen eines anderen Ziels bereits auf der Montierung, deshalb blieb der helle Nebel selbst relativ klein. Ich habe daraus bewusst eine Weitfeldaufnahme gemacht und versucht, die große umliegende Nebelregion zum Teil der Bildidee zu machen.
BD +45° 3216 prägt die kleine helle H-II-Region
Sh 2-112 liegt rund 2,1 kpc beziehungsweise etwa 6.850 Lichtjahre entfernt. Die kompaktere H-II-Zone wird im Wesentlichen vom O8-V-Stern BD +45° 3216 ionisiert. Eine detaillierte Multiwellenlängenstudie findet für die ionisierte Region einen Radius von ungefähr 3 pc, während die zugehörige Molekülwolke etwa 73 × 30 pc groß ist.
In meinem 200-mm-Bild sitzt der helle Nebel relativ klein am Rand der viel größeren Wolkenlandschaft. Genau dieser Maßstab gefällt mir inzwischen: Das sichtbare H-II-Gebiet ist nur ein ionisierter Ausschnitt eines wesentlich größeren kalten Gasreservoirs.
Rund 500 junge Sterne konzentrieren sich in den dichteren Bereichen
Die Studie identifiziert ungefähr 500 Kandidaten junger stellarer Objekte sowie mehrere hundert Hα-Emitter. Ihr mittleres Alter liegt in der Größenordnung von etwa einer Million Jahren. Die jungen Quellen konzentrieren sich in dichteren Teilen der Wolke und entlang der Grenzzonen der H-II-Region.
Auf meiner Aufnahme entsprechen diese Zonen den strukturierten hellen Rändern und dunkleren Wolkenbereichen rund um Sh 2-112. Die 200-mm-Brennweite ist deshalb kein reiner Kompromiss: Sie zeigt gerade den räumlichen Zusammenhang zwischen der kompakten ionisierten Region und ihrem großflächigen Umfeld.
SHO trennt die Grenzflächen im Weitfeld
In der SHO-Fassung treten Unterschiede zwischen Hα-, [O III]- und [S II]-Emission deutlicher hervor. Die Farben sind keine natürliche Augenwahrnehmung, aber die Lage der Filamente und Grenzflächen stammt aus den realen Schmalbandsignalen. Für mich ist die Palette hier vor allem deshalb sinnvoll, weil sie die großräumigen Strukturen betont, die bei einer engen Detailaufnahme gar nicht ins Bildfeld gepasst hätten.
NGC 6884 ist im selben Bild praktisch nur ein Punkt
Im Feld liegt außerdem der planetarische Nebel NGC 6884. Bei 200 mm Brennweite bleibt er praktisch sternförmig und seine eigene Nebelstruktur ist nicht aufgelöst. Ich finde gerade diesen Größenkontrast interessant: Ein katalogisierter planetarischer Nebel kann im Weitfeld wie ein Stern aussehen, während Sh 2-112 zusammen mit seiner Molekülwolke einen großen Teil des Bildes strukturiert.
Die helle Region sitzt nur am Rand einer viel größeren Molekülwolke
Die Multiwellenlängenanalyse von Panja und Kollegen macht den Größenunterschied besonders deutlich. Die ionisierte Region um BD +45° 3216 besitzt nur ungefähr 3 pc Radius, die zugehörige Molekülwolke erstreckt sich dagegen über etwa 73 × 30 pc. Der O8-V-Stern liegt nahe am Wolkenrand; dort erzeugt seine Strahlung eine bogenförmige, „blister“-artige H-II-Struktur. In der kalten Filamentwolke wurden außerdem drei räumlich getrennte Gruppen junger Sterne identifiziert.
Damit bekommt mein 200-mm-Bild genau den Maßstab, der bei einer Nahaufnahme fehlen würde: Der helle Sh-2-112-Bogen ist nur eine kleine aktive Stelle innerhalb eines langen, überwiegend kalten Wolkenkomplexes. Die schwächeren Strukturen im Umfeld sind deshalb wissenschaftlich Teil der Geschichte und nicht nur Hintergrund um das Hauptmotiv.
Entlang des 80-pc-Filaments fließt Gas zu den dichteren Zentren
Die CO-Daten der Sh-2-112-Studie zeigen entlang des Hauptfilaments einen systematischen Radialgeschwindigkeitsgradienten. Die Autoren deuten ihn als Massenfluss in Richtung der zentralen Verdichtungen, in denen sich massereichere Sterne und Gruppen bilden. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil des kalten, fast 80 pc langen Filaments frei von starker ionisierter Emission; diese konzentriert sich auf die dichteren Kerne. In meinem Weitfeld erklärt das, warum der kleine helle H-II-Nebel nur einen begrenzten Ausschnitt der viel größeren Wolkenstruktur markiert.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 07.09.bis 11.09.2023, 6 Nächte
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 27 h 33 min
- Belichtungsangaben
- 27 h 33 minHa: 81 × 300 s = 6 h 45 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 104 × 300 s = 8 h 40 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 108 × 300 s = 9 h, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain RGB 30/32/32 × 120 s = 3 h 08 min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO
- Teleskop / Optik
- Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS

