IC 1848 – Seelennebel
Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme wartete ich noch immer auf meinen bestellten APO. Statt weiter zu warten, entschied ich mich für ein weiteres Mosaik mit dem 8-Zoll-Newton bei 800 mm Brennweite. Für den Seelennebel wurden daraus zwei Bildfelder – und genau diese größere Fläche gab dem Motiv für mich deutlich mehr Tiefe.
W5 besitzt mehrere lokale Energiezentren
IC 1848 bildet den optisch bekannten Seelenbereich innerhalb des W5-Sternentstehungskomplexes in Kassiopeia. Moderne Untersuchungen setzen die jungen Clusterkomponenten grob auf 2,1 bis 2,2 kpc Entfernung und in ein Alter von nur wenigen Millionen Jahren. Im westlichen Bereich liefert insbesondere das Mehrfachsystem HD 17505 einen erheblichen Teil der ionisierenden Strahlung; weitere O-Sterne prägen andere Teilregionen.
Auf meiner Mosaikaufnahme ist deshalb kein einzelner „Zentralstern“ zu sehen, der die gesamte Form erklärt. Die großen Hohlräume, hellen Ränder und dunklen Einschnitte gehören zu mehreren lokalen H-II-Zonen innerhalb des größeren W5-Komplexes.
800 mm Brennweite machen die Grenzflächen zum Hauptmotiv
Bei dieser Brennweite passt der gesamte Seelennebel nicht bequem in ein einzelnes Feld, deshalb musste ich zwei Panels zusammensetzen. Der Aufwand lohnt sich für mich vor allem an den hellen Wolkenrändern: Dort lassen sich kleine Globulen, Finger und dunkle Säulen deutlich besser verfolgen als in meinen späteren 200-mm-Übersichten.
Gerade diese feinen Strukturen waren beim Mosaik technisch empfindlich. Kleine Unterschiede in Hintergrund oder Signal zwischen den Panels würden sich im schwachen Außenbereich als Naht bemerkbar machen. Ich habe deshalb besonders auf einen gleichmäßigen Übergang geachtet, damit keine künstliche Struktur quer durch den Nebel entsteht.
Die Hubble-Palette trennt die Emissionszonen deutlich
Ich entwickelte das Mosaik in einer Hubble-Farbpalette, um Hα-, [O III]- und [S II]-Strukturen stärker voneinander zu trennen. Die Farben sind damit keine natürliche Farbwiedergabe. Die räumliche Verteilung der Emissionslinien ist jedoch real und lässt die unterschiedlichen Grenzflächen besonders plastisch erscheinen.
IC 1871 markiert nur einen Teil der größeren W5-Struktur
Innerhalb des weiten Seelenfeldes liegt mit IC 1871 eine katalogisierte hellere Nebelzone. In meinem zweipaneligen Mosaik wirkt sie nicht wie ein isoliertes Objekt, sondern als Verdichtung innerhalb der viel größeren W5-Emission. Genau dieser Zusammenhang wäre in einer engeren Aufnahme leicht zu verlieren. Die helleren Kanten um IC 1871 und die weiter auslaufenden schwachen Flächen zeigen für mich besonders gut, warum sich das Mosaik trotz des zusätzlichen Aufwands gelohnt hat.
Diese Kombination aus höherer Brennweite, zweifachem Mosaik und SHO-Darstellung machte die Aufnahme damals neben meiner Andromedagalaxie zu einem meiner Lieblingsbilder. Im Vergleich zu meinen Weitfeldern erzählt sie weniger die Gesamtlandschaft und stärker die fein gegliederten Wolkenränder innerhalb des Seelennebels.
Der junge Haufen im westlichen W5-Teil liegt bei rund 2,2 kpc
Photometrische Untersuchungen des IC-1848-West-Haufens ergeben etwa 2,2 ± 0,2 kpc Entfernung und bestätigen eine sehr junge Population. Diese Einordnung hilft mir, die vielen hellen Sterne im Nebel nicht als zufälliges Vordergrundfeld zu betrachten. Ein Teil gehört tatsächlich zur jungen Population, die die lokale Gasstruktur prägt. Bei 800 mm Brennweite lässt sich der Haufen nicht von der umgebenden Emission „isolieren“ – und genau das ist sinnvoll, weil Sternpopulation und Nebel hier physisch zusammengehören.
Am hellen Rand von W5 wurden photoverdampfende Wolken untersucht
Für drei Bright-Rimmed Clouds im Bereich IC 1848 zeigen Submillimeter- und optische Daten photoverdampfende Oberflächen und junge Kerne in den dichten Köpfen. Als wichtigste Quelle für die Bestrahlung dieser untersuchten Wolken wird der O6-V-Stern HD 17505 genannt. Die Autoren bewerten eine durch die Strahlungsfront unterstützte Kompression als plausibel, nicht als endgültig bewiesen. Für meine Mosaikaufnahme ist das genau die richtige Ebene der Aussage: Die hellen Ränder markieren konkrete bestrahlte Wolkengrenzen, ohne jede Säule automatisch als „getriggerte Sternentstehung“ zu etikettieren.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 10./21.12.2021
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 15 h 15 min
- Belichtungsangaben
- Ins gesamt 183 × 300 s RGB
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- Optolong L-eXtreme; UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; GHS

