JnEr 1 – Kopfhörernebel
JnEr 1 gehört zu den Objekten, bei denen nicht ein heller Kern, sondern die extrem geringe Flächenhelligkeit die Aufnahme schwierig macht. Im April 2023 sammelte ich 65 Aufnahmen zu je 300 Sekunden in Hα und 84 Aufnahmen zu je 300 Sekunden in [O III]. Damit kamen 12 h 25 min zusammen. Erst mit dieser Tiefe ließen sich die beiden auffälligeren Bereiche und die sehr zarten Bögen dazwischen gemeinsam darstellen.
Gaia setzt JnEr 1 weiter entfernt als ältere Bildbeschreibungen
Ältere NASA-Bildtexte nennen für Jones-Emberson 1 ungefähr 1.600 Lichtjahre. Eine Gaia-basierte Facharbeit von 2022 führt PN G164.8+31.1 dagegen mit 0,943 ± 0,071 kpc, also rund 3.080 ± 230 Lichtjahren. Diesen neueren Wert verwende ich deshalb auch als aktuellen Abstand für JnEr 1. Zusammen mit einem optischen Winkeldurchmesser von ungefähr 6 bis 7 Bogenminuten ergibt sich eine physische Größenordnung von rund 5,7 Lichtjahren.
Dieser große Durchmesser passt zur auffallend diffusen Erscheinung. In meinem Bild ist JnEr 1 nicht als kompakter Ring zu sehen; zwei gegenüberliegende Zonen treten deutlich stärker hervor, während der Rest der Hülle nur flach über dem Hintergrund liegt. Gerade die Verbindung zwischen diesen helleren Abschnitten darf beim Stretch nicht verloren gehen.
Die beiden helleren Bögen gehören zu einer gemeinsamen Hülle
Tiefe Aufnahmen zeigen eine große, sehr dünne Gesamtstruktur mit zwei dominierenden Bereichen. Auch in meinen Hα- und [O III]-Daten reagieren diese Zonen unterschiedlich stark. Ich habe deshalb die Kanäle nicht nur auf maximale Helligkeit normiert, sondern darauf geachtet, dass die schwächeren Übergänge zwischen den Bögen erhalten bleiben.
Die Bearbeitung unterscheidet sich damit deutlich von kleinen planetarischen Nebeln mit extrem hellem Zentrum. Hier entscheidet die Stabilität des großflächigen Hintergrunds: Schon geringe Gradienten oder zu starke Rauschminderung können reale Nebelanteile auslöschen. An den schwächsten Stellen wirkt die Hülle in meinem Bild fast wie eine großräumige Hintergrundschwankung; erst ihre geometrische Fortsetzung zu den helleren Bögen macht sie plausibel.
Eine Entdeckung mit ungewöhnlicher Kataloggeschichte
Rebecca B. Jones und Richard M. Emberson veröffentlichten den Nebel 1939. In ihrer Arbeit wurde die ringförmige Struktur zunächst irrtümlich mit NGC 2474 und NGC 2475 in Verbindung gebracht. Später stellte sich heraus, dass diese NGC-Nummern zu einem Galaxienpaar weiter südlich gehören und die fotografierte Nebelstruktur ein eigenständiges Objekt ist. Der heute gebräuchliche Name Jones-Emberson 1 erinnert an die beiden Autoren dieser Aufnahme.
Diese Geschichte ist bei meinem Bild mehr als eine historische Randnotiz: Die große, oberflächenlichtschwache Hülle ist genau die Art von Objekt, die auf fotografischen Platten auffallen kann, während ihre eindeutige Identifikation am Himmel schwierig bleibt. Auch mit moderner Kamera ist JnEr 1 kein Motiv, das sich durch einen kurzen Blick auf ein Einzelbild sicher beurteilen lässt.
Der Zentralstern ist fotografisch nicht der Blickfang
Nahe der Mitte liegt der optisch schwache, sehr heiße Zentralstern. Im fertigen Bild dominiert er den Nebel jedoch nicht. Mein Blick wandert vielmehr zu den beiden helleren Randzonen und den zarten Verbindungen dazwischen. Genau diese ungewöhnliche Helligkeitsverteilung macht den „Kopfhörer“-Eindruck aus und bestimmt auch die Bearbeitung: Die schwache Gesamtform soll sichtbar werden, ohne den Himmelshintergrund künstlich glatt oder die Bögen übermäßig hart erscheinen zu lassen.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 03./04./05./09.04.2023
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 12 h 25 min
- Belichtungsangaben
- Hα: 65 × 300 s = 5 h 25 min;OIII: 84 × 300 s = 7 h 00 min
- Teleskop / Optik
- 8'', f/4 Lacerta Newton, 800 mm
- Kamera
- QHY268m
- Filter
- Antlia Hα/OIII 3 nm
- Korrektor / Reducer
- GPU 2'' Komakorrektor
- Montierung
- Skywatcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight
