Leo-Triplett (M65, M66, NGC 3628)
Das Leo-Triplett besteht aus M65, M66 und NGC 3628. In meiner Aufnahme liegt M65 rechts oben, M66 unten rechts und NGC 3628 links. Gerade diese drei unterschiedlichen Ansichten machen das Feld interessant: zwei schräger beziehungsweise frontaler gesehene Spiralen und daneben die fast kantenständige Hamburger-Galaxie.
NGC 3628 fällt sofort aus dem Muster
NGC 3628 wird von einem kräftigen Staubband geteilt und besitzt einen sehr langen Gezeitenschweif. NASA beschreibt die Galaxienscheibe mit einer Größenordnung von rund 100.000 Lichtjahren; der Gezeitenschweif reicht dagegen ungefähr 300.000 Lichtjahre weit. Er ist eine sichtbare Folge früherer gravitativer Wechselwirkungen im Trio.
Darum gibt es von der Hamburger-Galaxie einen Extra-Ausschnitt
Im Gesamtbild ist das Zusammenspiel der drei Galaxien entscheidend. Für NGC 3628 habe ich zusätzlich einen vergrößerten Ausschnitt ergänzt, weil ihr dunkles Staubband und die feinen Außenstrukturen dort deutlich besser erkennbar werden. Der frühere Eintrag ‚NGC 6328‘ war lediglich ein Zahlendreher und gehört nicht zu diesem Bild.
NGC 3628 trägt den deutlichsten Gezeitenschweif
Das Leo-Triplett besteht aus M65, M66 und NGC 3628. Besonders NGC 3628 zeigt die Folgen der gravitativen Wechselwirkung eindrucksvoll: Radio- und tiefe optische Aufnahmen verfolgen einen sehr langen Gezeitenschweif, der sich über Hunderttausende Lichtjahre erstreckt. In meinem Bild ist davon nur der hellere Teil zugänglich, aber die asymmetrische, kantenständige Scheibe mit ihrem Staubband wirkt bereits deutlich gestörter als M65.
M66 wiederum besitzt verzogene Spiralarme und eine verschobene Gasverteilung. M65 erscheint im direkten Vergleich regelmäßiger. Dass drei Galaxien im selben Bildfeld unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Gruppendynamik zeigen, macht den besonderen Reiz dieses Motives für mich aus.
Drei Orientierungen machen den Vergleich besonders anschaulich
NGC 3628 sehen wir fast exakt von der Kante, M65 und M66 deutlich schräger. Dadurch lassen sich Staubband, Bulge und Spiralarme im selben Bild auf ganz unterschiedliche Weise betrachten. Bei der Bearbeitung muss ich deshalb vermeiden, alle drei Galaxien auf denselben Kontrast zu zwingen: Die flächenarme Kante von NGC 3628 verträgt andere lokale Verstärkung als die offenen Arme von M66.
M65 und M66 wurden 1780 von Charles Messier in den Katalog aufgenommen. NGC 3628 entdeckte William Herschel später. Die heutige Gruppengeschichte beruht dagegen auf tiefen H-I- und Sternstromdaten – ein schönes Beispiel dafür, wie viel mehr sich hinter drei schon lange bekannten Nebelflecken verbirgt.
Besonders gern vergleiche ich im Bild die Staubbänder von NGC 3628 mit den deutlich weniger stark kantenständig gesehenen Strukturen von M65 und M66. Schon ohne zusätzliche Daten wird dadurch klar, wie sehr die scheinbare Morphologie einer Galaxie von ihrer Orientierung abhängt. Derselbe Spiraltyp könnte aus einer anderen Blickrichtung völlig anders wirken.
M66 zeigt die Wechselwirkung schon innerhalb ihrer Spiralarme
M66 wirkt in meinem Bild deutlich weniger regelmäßig als M65. Ein Spiralarm ist verschoben und die Staubbänder verlaufen asymmetrisch – Merkmale, die mit den gravitativen Begegnungen innerhalb des Leo-Tripletts in Verbindung gebracht werden. NGC 3628 trägt zwar den spektakulärsten langen Gezeitenschweif, doch die Wechselwirkung steckt damit nicht nur im schwachen Außenmaterial. Sie ist auch in der inneren Form von M66 ablesbar. Das macht den direkten Vergleich der drei Galaxien bei derselben Aufnahme und Bearbeitung besonders aufschlussreich.
Neutraler Wasserstoff zeigt mehr Gezeitenmaterial als das optische Bild
Hochauflösende H-I-Karten des Leo-Tripletts finden außerhalb der drei Galaxien sechs größere Gasstrukturen. Der berühmte Schweif von NGC 3628 besteht darin sogar aus zwei Armen; zusätzlich wurde südöstlich von M66 ein weiterer Gasschweif identifiziert, der möglicherweise aus bei der Begegnung eingefangenem Material von NGC 3628 besteht. Mein optisches Bild zeigt davon nur den helleren stellaren Anteil. Die Radiodaten machen deutlich, dass die gravitative Wechselwirkung räumlich weit über die sichtbaren Scheiben hinausreicht.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 02.+03.03.2022
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 13 h 45 min
- Belichtungsangaben
- 165 × 300 s RGB
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight

