M 1 – Krebsnebel
Der Krebsnebel war das First Light meines Celestron C925 EdgeHD, damals auf 1.660 mm reduziert. Das Bild ist praktisch ungecroppt; nur der Autocrop in PixInsight hat den Rand geringfügig verkleinert. Besonders überrascht hat mich der Vergleich mit meiner früheren Aufnahme am 800-mm-f/4-Newton: Bei nahezu ähnlicher Gesamtbelichtungszeit waren in der höher aufgelösten Aufnahme deutlich mehr Details erkennbar.
Die Bedingungen waren dabei keineswegs ideal. Etwa die Hälfte der OIII-Daten entstand bei nahezu Vollmond, und in anderen Nächten störten Dunst oder Schleierwolken. Gerade deshalb war ich mit dem First Light sehr zufrieden – und entsprechend gespannt auf weitere Aufnahmen mit dem C925.
Ein Pulsar treibt den Nebel von innen an
M1 entstand aus der Supernova, die im Jahr 1054 als heller „Gaststern“ beobachtet wurde. Der heute rund 6.500 Lichtjahre entfernte Nebel ist aber kein einfacher, nur nach außen laufender Explosionsring. Im Zentrum sitzt der Crab-Pulsar, der ungefähr 30-mal pro Sekunde rotiert. Sein relativistischer Teilchenwind und sein starkes Magnetfeld erzeugen die leuchtende Synchrotronregion im Inneren und wechselwirkten mit dem bei der Supernova ausgeworfenen Material.
Die auffälligen optischen Filamente sind überwiegend zerfetzte Überreste der äußeren Sternschichten. Sie enthalten unter anderem Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel. In meiner Aufnahme wurden Hα und OIII separat aufgenommen; ein eigener SII-Kanal gehört zu diesem Datensatz nicht. Die unterschiedlichen Strukturen im Bild entstehen daher nicht aus einer klassischen SHO-Zuordnung, sondern aus der Kombination dieser beiden Schmalbandkanäle.
Zwei Brennweiten, zwei Blickwinkel
Zum Vergleich habe ich weiterhin meine frühere, stark gecroppte Aufnahme mit dem 800-mm-Newton und der QHY268C im direkten Vergleich. Für mich zeigt dieses Paar sehr anschaulich, was die längere Brennweite bei einem kompakten Objekt wie M1 an Struktur erschließen kann – ohne daraus eine einfache Regel über Öffnungsverhältnis und Detailauflösung abzuleiten.
Der Pulsar ist der Motor im Zentrum
Im Krebsnebel steckt mit PSR B0531+21 ein Neutronenstern, der sich ungefähr 30-mal pro Sekunde dreht. Seine Rotationsenergie treibt den Pulsarwind an, der im Inneren des Nebels relativistische Teilchen und Magnetfelder speist. Röntgen- und optische Zeitreihen zeigen dort einen dynamischen Bereich aus Ring-, Knoten- und Jetstrukturen. Im Amateurbild löse ich diese innere Hochenergiezone natürlich nicht wie Hubble oder Chandra auf, aber sie erklärt, weshalb der zentrale Bereich eine ganz andere physikalische Komponente besitzt als die filamentartige äußere Hülle.
Auf meiner C9.25-Aufnahme sind gerade die feinen Gasfilamente der wichtigste Gewinn gegenüber der älteren 800-mm-Version. Die längere Brennweite von 1.660 mm bringt bei brauchbarem Seeing sichtbar mehr Struktur, obwohl das System lichtschwächer ist und die Bedingungen während einiger Nächte keineswegs ideal waren.
Die Filamente tragen das Material der Explosion von 1054
Die historischen Berichte über den „Gaststern“ von 1054 geben M1 eine ungewöhnlich direkte Zeitmarke. Spektroskopisch lassen sich in den Filamenten verschiedene Elemente des ausgeworfenen Materials nachweisen; ihre Expansionsbewegung kann bis heute gemessen werden. Das macht M1 zu einem Objekt, bei dem sich historische Beobachtung, heutige Bildstruktur und moderne Physik besonders eng verbinden.
Ich finde außerdem den langfristigen Farbvergleich spannend. Hubble-Zeitreihen zeigen, dass sich Strukturen im Nebel messbar verschieben und verändern. Meine eigenen Aufnahmen liegen zwar nicht über Jahrzehnte mit identischer Instrumentierung vor, dennoch bekommt das Objekt dadurch für mich etwas Dynamisches: Die scheinbar statischen Filamente sind tatsächlich ein sich weiter entwickelnder Überrest.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 29.02.2024 bis 22.03.2024 (6 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 11 h 20 min
- Belichtungsangaben
- 11 h 20 minHa: 68 × 300 s = 5 h 40 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII : 68 × 300 s = 5 h 40 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
- Teleskop / Optik
- Celestron EdgeHD 9,25″, reduziert auf 1.660 mm
- Kamera
- QHY268M
- Filter
- Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; GHS

