M100 – Haarföhngalaxie

Objekt in Aladin Lite öffnen

Welches Objekt soll beim Öffnen im Zentrum stehen?

Ende April 2025 ergaben sich noch einmal einige klare Nächte. Für mich war das vermutlich die letzte gute Gelegenheit der Saison, M100 aufzunehmen – und das Ziel stand deshalb schnell fest. Mit dem C925 bei voller 2.350-mm-Brennweite passte die große Spiralgalaxie zusammen mit NGC 4312 sehr schön ins Gesichtsfeld. Genau diese Zweierkomposition war für mich ein lohnender Ausflug in die Tiefen des Frühlingshimmels.

Zwei große Arme prägen das nahezu frontale Spiralbild

M100, auch NGC 4321, ist eine nahezu frontal gesehene Grand-Design-Spiralgalaxie im Virgo-Galaxienhaufen. Sie liegt rund 56 Millionen Lichtjahre entfernt und erscheint mit etwa 10,1 mag. Die klar ausgeprägten Spiralarme enthalten zahlreiche Sternentstehungsregionen; Hubble konnte dort unter anderem einzelne Cepheiden untersuchen.

NGC 4312 gehört als eigene Galaxie zur Bildkomposition

NGC 4312 ist keine bloße Katalogbezeichnung von M100, sondern die separate, kantenständig gesehene Spiralgalaxie im selben Bildfeld. Die frühere Bezeichnung als Zwerggalaxie verwende ich nicht weiter. Für mich bleibt sie vor allem deshalb wichtig, weil erst ihr gemeinsamer Platz mit M100 die Komposition des Bildes vollständig macht.

Die nahezu frontale Sicht macht Dichtewellen und Staubbahnen sichtbar

Bei M100 lassen sich zwei große Hauptspiralarme über weite Winkel verfolgen. In meiner Aufnahme ist besonders auffällig, wie die Arme aus einem hellen inneren Ringbereich herauslaufen und sich weiter außen in schwächere Segmente und Sternentstehungsgebiete aufteilen. Die fast frontale Perspektive macht diese Geometrie deutlich leichter lesbar als bei schräg orientierten Galaxien.

M100 gehört zum Virgo-Galaxienhaufen. Hubble beobachtete dort Cepheiden und nutzte die Galaxie in den 1990er-Jahren als einen wichtigen Baustein der extragalaktischen Entfernungsskala. Damit verbindet sich das hübsche Spiralbild direkt mit einer grundlegenden Messaufgabe der Kosmologie.

NGC 4312 ist ein zweites, ganz anders orientiertes System

Im selben Feld liegt NGC 4312 nahezu kantenständig. In meinem Bild ergibt sich dadurch ein starker Vergleich: M100 zeigt ihre Spiralstruktur flächig, NGC 4312 reduziert sich auf eine schmale Scheibe. Beide gehören zur Virgo-Umgebung, aber ihre scheinbare Form wird stark durch die Orientierung bestimmt.

Bei der Bearbeitung war mir wichtig, die schwachen Außenarme von M100 nicht so weit anzuheben, dass der Hintergrund um NGC 4312 unnatürlich wird. Gerade Mehrfachgalaxien-Felder profitieren davon, wenn nicht jedes Objekt isoliert auf maximalen Kontrast optimiert wird.

Bei tieferem Hineinzoomen werden in den Spiralarmen von M100 zahlreiche kleine blaue Knoten sichtbar. Sie markieren junge Sternpopulationen und liegen bevorzugt entlang der Armstruktur, nicht zufällig über die Scheibe verteilt. In meinem Bild bleibt jeder einzelne Knoten winzig, zusammen geben sie den Armen aber einen deutlich anderen Farbeindruck als dem gelblicheren inneren Bereich.

Cepheiden in M100 halfen, die extragalaktische Entfernungsskala zu kalibrieren

M100 war eines der wichtigen frühen Hubble-Ziele für Cepheidenmessungen. Solche veränderlichen Sterne besitzen eine Beziehung zwischen Pulsationsperiode und Leuchtkraft und erlauben deshalb eine unabhängige Distanzbestimmung zu ihrer Wirtsgalaxie. Für meine Aufnahme ist das unsichtbare Hintergrundwissen bemerkenswert: Die Galaxie, deren Spiralarme ich als feine Struktur strecke, war zugleich ein Baustein bei der Kalibrierung kosmischer Entfernungen. Der Wert in der Entfernungskachel ist damit nicht bloß aus einer Rotverschiebung abgeleitet.

Im Zentrum steckt zusätzlich eine kleine Balkenstruktur

Hubble zeigt in M100 nicht nur die beiden großen äußeren Spiralarme. Eng um den Kern liegen zwei stärker aufgewickelte innere Arme und eine kleine stellare Balkenstruktur. Bei meiner Brennweite verschmilzt dieser Bereich weitgehend mit dem hellen Zentrum, während die äußeren Arme viel deutlicher hervortreten. Der Vergleich hilft mir, den Kern nicht als strukturlosen gelben Bulge zu behandeln: Die Grand-Design-Galaxie besitzt auch innerhalb der dominierenden äußeren Spirale eine eigene, wesentlich kompaktere Dynamik.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Entfernung, Helligkeit, Grand-Design-Struktur, Sternentstehung, Virgo-Cluster und Cepheiden; zusätzlich eng gewundene innere Spiralarme und kleine stellare Balkenstruktur von M100Abruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: M100 = NGC4321 und NGC4312 als separate kantenständige Spiralgalaxie im selben FeldAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: NGC4312-Klassifikation und Tully-Fisher-DistanzmessungAbruf: 23.08.2026
  4. Verwendet für: M 100: optische/katalogisierte Winkel-ausdehnungAbruf: 23.08.2026Katalogausdehnungen hängen von Wellenlänge und Messdefinition ab; für die kompakte Referenzkachel wird der angegebene SIMBAD-Katalogwert verwendet.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
28.04. bis 18.05.2025 (7 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
18 h 38 min
Belichtungsangaben
RGB: 287 × 120 s = 9 h 34 min;L: 272 × 120 s = 9 h 04 min
Teleskop / Optik
Celestron EdgeHD 9,25″, 2.350 mm f/10
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia L; Antlia R; Antlia G; Antlia B
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator