M104 – Sombrerogalaxie

Die Sombrerogalaxie gehört für mich zu den Galaxien, deren Form man sofort wiedererkennt: der helle, fast kugelig wirkende Zentralbereich und davor das messerscharfe dunkle Staubband. Eine kleine persönliche Besonderheit liegt weit abseits des Hauptobjekts. Rechts unten im Bild befindet sich eine unscheinbare Hintergrundgalaxie, die ich damals mit rund 1,4 Milliarden Lichtjahren Entfernung identifiziert hatte. Die konkrete Katalogidentifikation ist im alten Seitentext allerdings nicht erhalten geblieben; deshalb gebe ich diese Zahl nicht als verifizierten Referenzwert aus, solange die Galaxie nicht erneut per Platesolving eindeutig zugeordnet ist.

Die dünne Staubscheibe erzeugt die berühmte Sombrero-Silhouette

M104 sehen wir nahezu von der Seite. Neuere Webb-Seiten führen sie als lentikuläre Galaxie, während ältere Kataloge und Hubble-Texte sie häufig als Spiralgalaxie klassifizieren. Die ungewöhnliche Erscheinung erklärt diese unterschiedliche Einordnung: Eine flache Scheibe mit markantem Staubring liegt vor einer großen, glatten sphäroidalen Sternpopulation.

In meiner Aufnahme trennt das dunkle Band den hellen Zentralbereich sehr scharf. Fotografisch ist der Helligkeitsunterschied zwischen Kern, Staubkante und schwachem Außenhalo entscheidend. Wird der Kern zu stark gestreckt, verliert das Staubband Kontrast; bleibt die Bearbeitung zu vorsichtig, verschwinden die äußeren Bereiche.

Beim Schwarzen Loch zählt die direkte dynamische Messung

Für die Masse des zentralen Schwarzen Lochs kursieren deutlich unterschiedliche Zahlen. Eine orbitbasierte dynamische Modellierung der Sternbewegungen ergibt ungefähr 6,6 × 108 Sonnenmassen. Ältere populäre Texte nennen teils erheblich höhere Werte. Ich verwende deshalb den nachvollziehbaren dynamischen Fachwert und dokumentiere abweichende populäre Angaben nur als Quellenkontext.

Das Schwarze Loch selbst ist in meinem Bild natürlich nicht auflösbar. Sichtbar ist nur der sehr helle Zentralbereich. Die Messung ist trotzdem ein gutes Beispiel dafür, dass ein Referenzwert nicht danach ausgewählt werden sollte, welche Zahl am spektakulärsten klingt, sondern danach, wie sie bestimmt wurde.

Rund 2.000 Kugelsternhaufen umgeben M104

Die Sombrerogalaxie besitzt außerdem ein außergewöhnlich reiches Kugelsternhaufensystem in der Größenordnung von etwa 2.000 Haufen – deutlich mehr als die Milchstraße. Einzelne Kandidaten bleiben auf meiner Aufnahme punktförmig und lassen sich ohne Astrometrie kaum sicher von Vordergrundsternen unterscheiden. Als Gesamteigenschaft passt die große Haufenpopulation jedoch gut zum massereichen Halo von M104.

Gerade die Kombination aus dünner Staubscheibe, großem sphäroidalem Anteil und reichem Kugelsternhaufensystem macht den Sombrero für mich interessanter als die bloße bekannte Silhouette. Die Aufnahme zeigt davon vor allem den ersten Punkt unmittelbar; die anderen beiden geben dem sichtbaren Aufbau seinen astrophysikalischen Kontext.

Webb trennt Staubabsorption und Staubemission voneinander

Die neueren Webb-Aufnahmen zeigen sehr anschaulich, warum M104 je nach Wellenlänge so unterschiedlich wirkt. Im nahen Infrarot kann mehr Sternlicht den Staub durchdringen, sodass das dunkle Band weniger dominant erscheint; im mittleren Infrarot leuchtet der Staubring selbst deutlich auf. Die Struktur, die in meinem RGB-Bild als dunkle Schneise vor dem hellen Bulge erscheint, ist also zugleich ein eigenes strahlendes Bauteil der Galaxie – nur nicht im sichtbaren Licht.

Für mich ist das ein guter Vergleich zur eigenen Aufnahme: Ich sehe vor allem die Absorptionsseite des Staubrings. Webb macht sichtbar, dass hinter derselben Silhouette eine komplexe Verteilung aus Sternen und erwärmtem Staub steckt. Dadurch lässt sich das markante dunkle Band physikalisch konkreter einordnen, ohne ihm im RGB-Bild Strukturen anzudichten, die dort gar nicht aufgelöst sind.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Aktuelle Webb-Klassifikation, Entfernung und KugelsternhaufenAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Direkte dynamische Schwarze-Loch-MasseAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: Dokumentation der abweichenden populären NASA-Angabe von 9 Milliarden SonnenmassenAbruf: 23.08.2026
  4. Verwendet für: Entdeckung durch Pierre Méchain 1781 sowie aktuelle NASA-BasisdatenAbruf: 23.08.2026
  5. Verwendet für: M 104 (Sombrerogalaxie): optische/katalogisierte Winkel-ausdehnungAbruf: 23.08.2026Katalogausdehnungen hängen von Wellenlänge und Messdefinition ab; für die kompakte Referenzkachel wird der angegebene SIMBAD-Katalogwert verwendet.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
02.03. bis 20.03.2025 (7 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
22 h 48 min
Belichtungsangaben
R: 110 × 120 s = 3 h 40 min;G: 113 × 120 s = 3 h 46 min;B: 107 × 120 s = 3 h 34 min; RGB gesamt: 11 h 00 min;L: 354 × 120 s = 11 h 48 min
Teleskop / Optik
C925 EdgeHD, 2.350 mm Brennweite
Kamera
QHY268m PH
Filter
Antlia LRGB
Montierung
Skywatcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight mit BXT, SPCC, NXT, GHS