M106 – Balkenspiralgalaxie (2026)
Dieses Bild von M106 habe ich mit meinem C925 bei voller Brennweite von 2.350 mm aufgenommen. Genau dieser Bildmaßstab war der Grund für die Aufnahme: Nach meiner älteren Weitfeldversion wollte ich die Galaxie selbst deutlich größer und strukturreicher darstellen. Ganz ohne Ärger ging das Projekt nicht. Über mehrere Nächte gab es Probleme mit dem Rotator, sodass die Bildfelder nicht so sauber zueinander passten wie geplant und ich das fertige Bild stärker croppen musste.
Zwei zusätzliche Arme aus heißem Gas
M106, auch NGC 4258, ist eine aktive Spiralgalaxie in rund 24 Millionen Lichtjahren Entfernung. Neben den normalen, von Sternen geprägten Spiralarmen besitzt sie ein zweites auffälliges Armpaar aus heißem Gas. Diese sogenannten anomalen Arme hängen mit der Aktivität des galaktischen Kerns zusammen: Ausströmungen aus der Kernregion treffen auf Gas in und oberhalb der Scheibe und erzeugen Stoß- und Aufheizungszonen. In optischen Aufnahmen kann davon vor allem Hα-Emission nahe der inneren Galaxie sichtbar werden.
In meiner Aufnahme bleibt der helle Kern gegenüber den schwächeren Spiralstrukturen sehr dominant. Bei der Bearbeitung musste ich deshalb aufpassen, den Zentralbereich nicht zu stark zu komprimieren, weil sonst gerade die feineren Strukturen in der inneren Scheibe ihre Wirkung verlieren.
Wassermaser machen das Schwarze Loch außergewöhnlich gut messbar
Im Kern von M106 befinden sich starke Wassermaser. Ihre Positionen und Dopplerverschiebungen lassen sich mit Radiointerferometrie so genau bestimmen, dass die nahezu keplersche Rotation einer sehr kleinen Gasscheibe verfolgt werden kann. Daraus ergibt sich für die zentrale Masse eine Größenordnung von rund 3,8 × 107 Sonnenmassen. Für mich ist das eine der interessantesten Eigenschaften von M106: Die Masse des Schwarzen Lochs wird hier nicht nur aus einer groben Skalierungsbeziehung abgeleitet, sondern direkt aus der Dynamik der kernnahen Scheibe.
Diese Maser-Scheibe ist in meinem optischen Bild natürlich völlig unaufgelöst. Sichtbar ist nur der helle Kernbereich. Trotzdem erklärt die Radiomessung, warum M106 sowohl für die Physik aktiver Galaxienkerne als auch für präzise Entfernungsbestimmungen eine besondere Rolle spielt.
Detailaufnahme und Weitfeld erzählen unterschiedliche Geschichten
Meine ältere Aufnahme von 2023 mit dem 800-mm-Newton zeige ich bewusst separat. Dort steht die Umgebung mit NGC 4217 und vielen schwachen Hintergrundgalaxien stärker im Vordergrund. Bei 2.350 mm Brennweite verschiebt sich der Schwerpunkt auf M106 selbst: auf die asymmetrischen Spiralstrukturen, den hellen Kern und die Bereiche, in denen sich die anomalen Arme bemerkbar machen.
Der notwendige Crop wegen der Rotatorprobleme war fotografisch ärgerlich, verändert aber zugleich die Wirkung des Bildes: M106 füllt den Ausschnitt deutlich stärker. Damit dokumentieren beide Aufnahmen nicht nur unterschiedliche Ausrüstung, sondern auch zwei sinnvolle Maßstäbe für dieselbe Galaxie.
Die Wassermaser vermessen eine rotierende Scheibe direkt um das Schwarze Loch
Bei M106 sind die starken Wassermaser besonders wertvoll, weil ihre Geschwindigkeiten und Positionen eine nahezu keplersche Rotation in der innersten Scheibe nachzeichnen. Daraus lässt sich die zentrale Masse dynamisch bestimmen, ohne sich nur auf die Leuchtkraft des Kerns zu stützen. In meiner Detailaufnahme ist diese Maserscheibe nicht auflösbar; der helle Kern ist viele Größenordnungen größer. Trotzdem gehört die Messung genau zu diesem Objekt, weil M106 dadurch zu einem der saubersten Beispiele für eine geometrisch und dynamisch vermessene aktive Galaxienmitte geworden ist.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 17.03. bis 07.04.2026 (7 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 29 h 34 min
- Belichtungsangaben
- R: 158 × 120 s = 5 h 16 min;G: 151 × 120 s = 5 h 02 min;B: 144 × 120 s = 4 h 48 min;L: 434 × 120 s = 14 h 28 min
- Teleskop / Optik
- C925 EdgeHD, 2.350 mm Brennweite, f/10
- Kamera
- QHY268m PH
- Filter
- Antlia LRGB
- Montierung
- Skywatcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight
