M16 – Adlernebel mit den Säulen der Schöpfung

Die Säulen der Schöpfung kannte ich lange vor meiner eigenen Aufnahme aus den berühmten Bildern des Hubble-Weltraumteleskops. Inspiriert von diesen Aufnahmen und von vielen Amateurbildern wollte ich mich selbst an M16 versuchen. Einfach war das von meinem Standort aus nicht: Der Adlernebel steigt hier nur auf etwa 27° Höhe, und ausgerechnet seine beste Sichtbarkeit fällt in die Zeit der kürzesten Nächte. Pro Nacht kamen deshalb meist nur zwei bis drei Stunden Aufnahmezeit zusammen. Aber es hat sich gelohnt.

Sternentstehung zwischen Gas und Staub

M16 liegt rund 7.000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schlange. Die Bezeichnung umfasst sowohl den offenen Sternhaufen NGC 6611 als auch den Emissionsnebel IC 4703. Die massereichen O- und B-Sterne von NGC 6611 – darunter der sehr frühe O-Stern HD 168076 – liefern das Strahlungs- und Windfeld, das die inneren Gasflächen und die beleuchteten Kanten der dichten Säulen prägt.

Die berühmten Säulen sind solche besonders dichten Reste einer größeren Molekülwolke. Die drei klassischen „Pillars of Creation“ ragen ungefähr vier bis fünf Lichtjahre hoch; in ihren verdichteten Bereichen entstehen neue Sterne. Der gesamte Adlernebel ist mit etwa 70 × 55 Lichtjahren wesentlich größer als dieser bekannte Ausschnitt.

Mein SHO-Bild und der unvermeidliche Hubble-Vergleich

Meine Aufnahme entstand mit separaten Hα-, OIII- und SII-Daten und wurde als SHO-Falschfarbbild nach der Hubble-Palette entwickelt. Dadurch treten die Säulen und die umgebenden Ionisationsstrukturen besonders deutlich hervor. Ein Ausschnitt meiner Aufnahme lässt sich direkt mit dem berühmten Hubble-Motiv vergleichen.

Natürlich kann mein Bild mit der räumlichen Auflösung eines Weltraumteleskops nicht mithalten. Mein komplettes Equipment hat allerdings ungefähr 10.000 Euro gekostet und die Aufnahme entstand vom Boden aus. Dafür gefällt mir das Ergebnis ausgesprochen gut – gerade weil die geringe Höhe des Objekts und die kurzen Sommernächte die Aufnahme so mühsam gemacht haben.

NGC 6611 liefert die Energie für den Nebel

Im Zentrum von M16 sitzt der junge offene Sternhaufen NGC 6611. Seine massereichen O- und B-Sterne liefern die Strahlung und die Sternwinde, die große Teile von IC 4703 prägen. Einer der frühesten und energiereichsten Sterne des Haufens ist HD 168076. In der Region der Säulen trifft die Strahlung dieser jungen Sterne auf deutlich dichteres Molekülmaterial. Die berühmten Kanten sind deshalb keine zufällig dunklen Wolken, sondern Oberflächen, an denen das dichte Material von außen bestrahlt und erodiert wird.

Auf meiner SHO-Aufnahme lassen sich die Säulen im hellen inneren Nebel als dunklere, strukturierte Formen erkennen. Gerade weil M16 von meinem Standort nur etwa 27° hoch steigt, war für mich jede brauchbare Stunde wichtig. Die 24 h 20 min Gesamtbelichtung verteilen sich auf zehn Nächte; pro Nacht blieb wegen der kurzen Sommerdunkelheit oft nur ein kleines Zeitfenster.

Was Hubble und meine Aufnahme sinnvollerweise vergleichen

Der Hubble-Ausschnitt löst die Säulen mit einer ganz anderen räumlichen Auflösung auf und arbeitet mit wesentlich engeren Filtern und einer Optik oberhalb der Atmosphäre. Mein Vergleich soll deshalb keine Gleichsetzung der Detailtiefe sein. Spannend finde ich vielmehr, dass die charakteristische Geometrie der drei Hauptsäulen auch mit Amateurtechnik eindeutig wiederzuerkennen ist. Bei rund 7.000 Lichtjahren Entfernung entsprechen die klassischen Säulen mehreren Lichtjahren Länge; sie sind also trotz ihrer filigranen Erscheinung riesige Wolkenstrukturen.

Mein ursprünglicher Text nannte noch bis zu 9,5 Lichtjahre für einzelne Staubstrukturen. Für die bekannten drei „Pillars of Creation“ ist die Größenordnung von etwa vier bis fünf Lichtjahren die besser passende Referenz. Die ältere Größenangabe habe ich deshalb korrigiert; meine persönliche Motivation für das Motiv bleibt davon unberührt.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Entfernung, Helligkeit, Gesamtgröße, M16=IC4703+NGC6611, Sternentstehung, klassische Säulen und EntdeckungAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Größe und physikalische Deutung der klassischen SäulenAbruf: 23.08.2026
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
18.06. bis 07.07.2022 (10 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
24 h 20 min
Belichtungsangaben
24 h 20minHa: 110 x 300s = 9 h 10min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 84 x 300s = 7 h, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 98 x 300s = 8 h 10min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
Teleskop / Optik
Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Korrektor / Reducer
GPU 2″ Komakorrektor
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS