M33 – Dreiecksgalaxie
M33 zeigt ihre Spiralstruktur fast frontal. In meiner Aufnahme ziehen deshalb nicht nur die großen Arme den Blick an, sondern vor allem die vielen rötlichen H-II-Gebiete darin. Um diese Sternentstehungsregionen stärker herauszuarbeiten, habe ich zusätzlich Hα-Daten aufgenommen.
Eine nahe Galaxie mit ungewöhnlich niedriger Flächenhelligkeit
Die Dreiecksgalaxie liegt ungefähr 2,7 bis 3,0 Millionen Lichtjahre entfernt und gehört zur Lokalen Gruppe. Mit etwa 5,7 mag klingt sie auf dem Papier sehr hell. Ihr Licht verteilt sich jedoch über eine große Fläche, weshalb M33 visuell deutlich schwieriger ist, als diese Gesamthelligkeit vermuten lässt. Unter außergewöhnlich dunklem, klarem Himmel können geübte Beobachter sie dennoch ohne optische Hilfe erkennen.
Fotografisch ist die geringe zentrale Verdichtung angenehm und anspruchsvoll zugleich. Der Kern ist viel weniger dominant als bei M31, sodass sich die Scheibe weit strecken lässt. Gleichzeitig muss ich darauf achten, die schwachen Außenarme nicht mit Hintergrundstrukturen zu verwechseln.
NGC 604 ist im eigenen Bild ein riesiger Nebel als kleiner Knoten
Die auffälligste H-II-Region ist NGC 604. Sie lässt sich auf meiner Aufnahme als heller Knoten in einem Spiralarm gezielt wiederfinden. Physisch umfasst sie eine Größenordnung von mehr als tausend Lichtjahren und gehört damit zu den größten bekannten Sternentstehungsregionen in einer nahen Galaxie.
Für mich ist das einer der faszinierendsten Maßstabswechsel im Bild: Ein kleiner Fleck innerhalb von M33 wäre in unserer eigenen Milchstraße ein gewaltiges Deep-Sky-Einzelmotiv. Die zusätzlichen Hα-Daten helfen, genau solche Regionen gegenüber dem Kontinuum der Sternpopulation deutlicher herauszuarbeiten.
Die Spiralarme bleiben bis weit nach innen sichtbar
Weil M33 keinen so dominanten gelblichen Bulge wie M31 besitzt, bleibt die lockere Spiralstruktur bis weit zum Zentrum erkennbar. Die vielen bläulicheren jungen Populationen und rötlichen H-II-Gebiete erzeugen dadurch eine offene, fast flockige Wirkung. Das unterscheidet die Galaxie auf meiner Aufnahme deutlich von Andromeda.
NGC 604 zeigt, wie groß ein einzelner „roter Fleck“ wirklich ist
Hubble-Aufnahmen von NGC 604 lösen in dem auf meiner Aufnahme nur kleinen hellen Knoten zahlreiche heiße junge Sterne, Gasblasen und dichtes Wolkenmaterial auf. Dadurch wird der Maßstab von M33 für mich besonders anschaulich: Hα hebt im Amateurbild einen Fleck im Spiralarm hervor, während dieselbe Region in hoher Auflösung eine komplexe Sternentstehungslandschaft ist. Beim Kombinieren der Hα-Daten achte ich deshalb darauf, solche realen Regionen zu verstärken, ohne sämtliche rötlichen Strukturen im Arm auf denselben Kontrast zu zwingen.
M33 ist nach Milchstraße und Andromeda das dritte große Spiralmitglied der Lokalen Gruppe. Ihre genaue dynamische Geschichte mit M31 wird weiterhin aus Eigenbewegungen, Gasstrukturen und Simulationen untersucht. Für die Aufnahme ist vor allem die frontale Sicht entscheidend: Sie erlaubt es, die Verteilung der Sternentstehungsgebiete über die Scheibe viel direkter zu verfolgen als bei einer stark geneigten Galaxie.
NGC 604 ist innerhalb von M33 ein eigener Riesenkomplex
NGC 604 gehört zu den größten und hellsten Sternentstehungsgebieten der Lokalen Gruppe. In meiner Gesamtaufnahme von M33 ist es trotzdem nur ein kompakter heller Knoten in einem Spiralarm. Dieser Maßstab fasziniert mich besonders: Eine Region, die in unserer Milchstraße ein eigenes großes Deep-Sky-Motiv wäre, wird in 2,7 Millionen Lichtjahren Entfernung zu einem kleinen Fleck innerhalb einer ganzen Galaxie. Deshalb versuche ich, solche H-II-Knoten nicht durch zu starke Rauschminderung mit der glatteren Scheibe zu verschmelzen.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 30.09.2021, 17.10.2021, 08./09.11.2021 sowie 10./11.11.2021 für die Ha-Gebiete
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 15 h 35 min
- Belichtungsangaben
- In der Summe 15 h 35 min 131 × 300 s RGB (10 h 55 min) mit UHC-Filter und 56 × 300 s (4 h 40 min) mit Optolong L-eXtreme Schmalbandfilter für die Ha-Gebiete
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- Optolong L-eXtreme; Baader UHC-S / L-Booster; UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight

