M81 – Bodes-Galaxie und M82 – Zigarrengalaxie
M81 und M82 teilen sich in meinem Bild dasselbe Feld und könnten dabei kaum unterschiedlicher wirken: M81 erscheint groß, regelmäßig und klar spiralig aufgebaut, während M82 rechts oben schmal und deutlich unruhiger wirkt. Gerade diese direkte Nachbarschaft macht sichtbar, wie verschieden zwei Galaxien aussehen können, obwohl sie zum selben nahen Galaxiensystem gehören.
Eine Begegnung mit sichtbaren Folgen
M81 und M82 liegen ungefähr zwölf Millionen Lichtjahre entfernt und gehören zusammen mit NGC 3077 zur M81-Gruppe. Gravitative Begegnungen haben große Mengen neutralen Wasserstoffs zwischen den Galaxien herausgezogen. Besonders M82 wurde dabei stark verändert: In ihrem Zentrum läuft eine ausgeprägte Starburst-Phase, in der Sterne mit sehr hoher Rate entstehen.
In meiner Aufnahme ist dieser Unterschied sofort sichtbar. M81 besitzt eine geordnete große Scheibe mit Spiralarmsystem und hellem Kern. M82 wirkt dagegen schmal, unregelmäßig und deutlich stärker strukturiert. Das ist keine zufällige Gegenüberstellung zweier Galaxien im selben Bildfeld, sondern ein Paar mit gemeinsamer dynamischer Geschichte.
M82 treibt einen galaktischen Wind senkrecht zur Scheibe
Die vielen jungen massereichen Sterne und Supernovae im Zentrum von M82 treiben heißes Gas aus der Galaxie heraus. Besonders in Hα sind filamentartige Ausströmungen ober- und unterhalb der Scheibe sichtbar. In meinem Bild liegt M82 rechts oben; gegenüber der ruhigen Form von M81 wirkt sie dadurch fast zerrissen.
Mit dem auf 1.660 mm reduzierten Celestron EdgeHD 9,25″ passen beide Galaxien noch gemeinsam ins Feld. Für mich ist genau das die Stärke der Komposition: Der Wind von M82 und die große Spiralstruktur von M81 lassen sich unmittelbar nebeneinander beurteilen, ohne dass eine der beiden Galaxien aus dem Zusammenhang herausgelöst wird.
M81 bleibt der geordnetere Gegenpol
M81 zeigt ausgeprägte Staubbänder, junge blaue Sterne und H-II-Gebiete in den Spiralarmen. Der Kern ist sehr hell und enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch in der Größenordnung mehrerer zehn Millionen Sonnenmassen. Im Amateurbild ist die unmittelbare Umgebung des Schwarzen Lochs selbstverständlich nicht aufgelöst; sichtbar ist nur der stark konzentrierte Zentralbereich.
Neutraler Wasserstoff verbindet die Gruppe weit über die sichtbaren Scheiben hinaus
Die gravitative Begegnung von M81, M82 und NGC 3077 zeigt sich besonders eindrucksvoll in 21-cm-Karten des neutralen Wasserstoffs. Große H-I-Brücken und -Filamente liegen zwischen den Galaxien und reichen weit außerhalb der optisch hellen Scheiben. Diese Gasstrukturen sehe ich in meiner Aufnahme selbst nicht direkt; sie erklären aber, warum die beiden sichtbaren Galaxien trotz ihrer sehr unterschiedlichen Erscheinung dynamisch zusammengehören. Das gemeinsame Bildfeld bekommt dadurch eine zusätzliche Ebene, die erst Radiodaten sichtbar machen.
Bei der Bearbeitung musste ich deshalb zwei sehr unterschiedliche Helligkeitsverteilungen gleichzeitig erhalten: die glattere, großflächige Scheibe von M81 und die kontrastreichere, kompaktere M82. Gerade dieser fotografische Gegensatz spiegelt die physikalische Verschiedenheit der beiden Galaxien besonders schön wider.
Radio-H-I zeigt die Verbindung dort, wo mein RGB-Bild scheinbar leeren Raum zeigt
Zwischen M81, M82 und weiteren Mitgliedern der Gruppe wurden lange Ströme aus neutralem Wasserstoff kartiert. Im sichtbaren Licht bleibt ein großer Teil dieses Materials unsichtbar, sodass die Galaxien in meiner Aufnahme voneinander getrennt im schwarzen Hintergrund stehen. Die Radiodaten zeigen dagegen, dass die Wechselwirkung weit über die hellen Sternscheiben hinausreicht. Gerade dieser Kontrast zeigt mir, dass der optisch schwarze Raum zwischen zwei Galaxien physikalisch keineswegs leer sein muss.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 24.02.2024 bis 10.04.2024 (insgesamt 7 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 29 h 40 min
- Belichtungsangaben
- 29 h 40 minR: 175 × 120 s = 5 h 50 min, Gain 56 , Offset 30, Kameramodus HGG: 177 × 120 s = 5 h 54 min, Gain 56 , Offset 30, Kameramodus HGB: 176 × 120 s = 5 h 52 min, Gain 56 , Offset 30, Kameramodus HG
- Teleskop / Optik
- Celestron EdgeHD 9,25″, reduziert auf 1.660 mm
- Kamera
- QHY268M
- Filter
- Antlia R; Antlia G; Antlia B
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; GHS

