NGC 4536 – Balken-Spiralgalaxie

NGC 4536 ist für mich vor allem wegen ihres deutlichen Farb- und Strukturkontrasts interessant. In der LRGB-Aufnahme wirkt der Zentralbereich warm gelblich bis rötlich, während sich in den Spiralarmen zahlreiche bläuliche Knoten abzeichnen. Dazwischen schneiden dunkle Staubstrukturen in die Scheibe. Gerade diese Kombination macht sichtbar, dass in verschiedenen Teilen der Galaxie sehr unterschiedliche Sternpopulationen und Gasbedingungen dominieren.

Eine Balkenspirale zwischen Ring und offenen Armen

NGC 4536 wird morphologisch als SAB(rs)bc klassifiziert. Der nur mäßig ausgeprägte Balken geht in eine innere Übergangsstruktur zwischen Ring und Spiralarmen über; weiter außen öffnen sich die Arme deutlich. Die Galaxie liegt nach modernen Messungen in einer Entfernung von etwa 14,95 ± 1,73 Mpc, also rund 49 ± 6 Millionen Lichtjahren. SIMBAD führt für ihre optisch helle Scheibe eine Winkelausdehnung von 6,50 × 2,56 Bogenminuten und eine visuelle Helligkeit von V = 10,55 ± 0,08 mag.

Diese Winkelgröße ist für die Aufnahme aussagekräftiger als ein einzelner physischer Durchmesser: Je nachdem, welche Isophote oder äußere Sternpopulation als Grenze gewählt wird, ergeben sich unterschiedliche Größenwerte. Im Bild ist gut zu erkennen, wie die hellen inneren Arme nach außen in wesentlich schwächere Bereiche übergehen.

Sternentstehung konzentriert sich nicht nur in den Armen

NASA beschreibt NGC 4536 ausdrücklich als Starburst-Galaxie. Junge, heiße Sterne und ionisierte Gasregionen treten in Hubble-Aufnahmen besonders markant hervor. In meiner Aufnahme entsprechen ihnen vor allem die bläulichen, knotigen Bereiche entlang der Spiralarme. Sie sind nicht gleichmäßig verteilt, sondern bilden einzelne Verdichtungen und kurze Armsegmente.

Auch der innere Bereich ist aktiv. Infrarotspektroskopische Untersuchungen mit VLT/SINFONI lösen einen zirkumnuklearen Ring mit einem Radius von ungefähr 270 pc auf. Die dort untersuchten Emissionslinien und Sternpopulationen weisen auf intensive Sternentstehung vor ungefähr 6,5 Millionen Jahren hin. Damit liegt ein wichtiger Teil der jüngeren Aktivität viel näher am Zentrum, als es die auffälligen blauen Knoten in den äußeren Armen zunächst vermuten lassen.

Staub und junge Sterne bestimmen den Bildeindruck

Die Spiralstruktur wirkt auf meiner Aufnahme bewusst nicht glatt. Helle Knoten, dunkle Bänder und unregelmäßige Verzweigungen wechseln sich ab. Die Staubbänder absorbieren Licht der dahinterliegenden Sterne und zeichnen dadurch Teile der inneren Struktur nach; die jungen massereichen Sterne heben sich dagegen durch ihre bläulichere Farbe ab. Der warme Zentralbereich wird stärker vom Licht älterer Sternpopulationen geprägt.

Das größere Bildfeld zeigt außerdem, dass NGC 4536 nicht allein vor leerem Hintergrund steht. Oberhalb der Hauptgalaxie ist die deutlich kleinere, nahezu kantenorientierte Galaxie NGC 4533 zu erkennen. Für mich gehört dieser Maßstabsvergleich zur Aufnahme: Die Hauptgalaxie dominiert zwar klar, doch erst die schwächeren Hintergrundsysteme vermitteln, wie dicht dieses extragalaktische Feld tatsächlich besetzt ist.

SN 1981B verbindet NGC 4536 mit der kosmischen Entfernungsskala

NGC 4536 spielt auch in der Geschichte präziser Entfernungsmessungen eine besondere Rolle. In ihr erschien 1981 die Typ-Ia-Supernova SN 1981B. Später wurden Cepheiden in derselben Galaxie mit dem Hubble-Weltraumteleskop vermessen. Damit ließ sich die Supernova-Helligkeit über eine unabhängige Entfernungsskala kalibrieren.

Genau diese Verbindung war für die astronomische Entfernungsleiter wichtig: Cepheiden liefern Entfernungen zu relativ nahen Galaxien, Typ-Ia-Supernovae reichen wegen ihrer großen Helligkeit wesentlich weiter. NGC 4536 war damit nicht nur Ziel einer Supernova-Beobachtung, sondern ein Bindeglied zwischen zwei Messmethoden, die für die Bestimmung kosmischer Distanzen und der Hubble-Konstanten entscheidend wurden.

Warum die Aufnahme mehr zeigt als nur eine schöne Spirale

Auf den ersten Blick zieht die Form der Galaxie die Aufmerksamkeit auf sich. Bei längerer Betrachtung finde ich aber gerade die Unterschiede innerhalb der Scheibe interessanter: das warme Zentrum, der zirkumnukleare Aktivitätsbereich, die blauen Sternentstehungsknoten, dunkle Staubbänder und die schwächer werdenden äußeren Armsegmente. Sie machen NGC 4536 zu einem guten Beispiel dafür, wie sich aktuelle Sternentstehung und ältere Sternpopulationen in einer einzigen LRGB-Aufnahme räumlich voneinander unterscheiden lassen.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Starburst-Charakter, junge Sternhaufen, ionisiertes Gas und BildmorphologieAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: Gerundete Distanz und Starburst-EinordnungAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: Morphologischer Typ SAB(rs)bc und Distanz 14,95 ± 1,73 MpcAbruf: 23.08.2026MNRAS 512, 3284
  4. Verwendet für: Zirkumnuklearer Ring von etwa 270 pc und junge Sternentstehung im ZentralbereichAbruf: 23.08.2026MNRAS 428, 2389
  5. Verwendet für: Optische Winkel-Ausdehnung 6,50055′ × 2,56187′ und V = 10,55 ± 0,08 magAbruf: 23.08.2026
  6. Verwendet für: SN 1981B, HST-Cepheiden und Rolle von NGC 4536 in der extragalaktischen EntfernungsleiterAbruf: 23.08.2026The Astrophysical Journal 466, 55
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
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StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

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Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
19.04. - 26.04.2026
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
20 h 18 min
Belichtungsangaben
R: 3h34min, 107x120s, Gain 56, Offset 30, High Gain ModusG: 3h30min, 110x120s, Gain 56, Offset 30, High Gain ModusB: 3h46min, 113 x 120s, Gain 56, Offset 30, High Gain ModusL: 9h28min, 290 x120s, Gain 56, Offset 30, High Gain Modus
Teleskop / Optik
Celestron 925 Ede HD
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia LRGB
Montierung
Skywatcher AZ-EQ6
Bildbearbeitung
PixInsight