NGC 4559 – Koi-Fisch-Galaxie
NGC 4559 habe ich nicht nur als LRGB-Galaxie aufgenommen. Weil in ihrer Scheibe zahlreiche H-II-Regionen liegen, investierte ich zusätzlich gut acht Stunden in Hα-Daten. Das Ergebnis war für mich etwas ernüchternd: Die Hα-Gebiete sind zwar vorhanden, treten aber deutlich schwächer hervor, als ich es nach dieser zusätzlichen Belichtungszeit erwartet hatte.
Junge Sternhaufen weit draußen in der Scheibe
NGC 4559 liegt im Sternbild Haar der Berenike und ist nach NASA-Angaben ungefähr 30 Millionen Lichtjahre entfernt. Die Galaxie wird nahezu von vorn gesehen, sodass sich ihre lockeren Spiralarme und die unregelmäßig verteilten Sternentstehungsgebiete gut verfolgen lassen. Ihre scheinbare Helligkeit liegt bei etwa 10 mag; entdeckt wurde sie 1785 von William Herschel.
Hubble-Aufnahmen zeigen einen deutlichen Altersunterschied innerhalb der Galaxie: In Richtung Zentrum überwiegen ältere Sternpopulationen, während weiter außen junge, blaue Sternhaufen und große Sternentstehungskomplexe auffallen. In einer dieser Außenregionen ist außerdem eine kleine rötliche Zwerggalaxie zu sehen, die möglicherweise ein Begleiter von NGC 4559 ist.
Warum Hα hier schwieriger war als erwartet
Hα-Aufnahmen reagieren gezielt auf ionisierten Wasserstoff und können deshalb H-II-Regionen in Galaxien gegenüber dem normalen Kontinuum deutlicher machen. Bei NGC 4559 war genau das mein Ziel. Dass die Gebiete trotz 98 Aufnahmen zu je 300 Sekunden nur relativ schwach zur Geltung kamen, gehört für mich zur Aufnahme: Nicht jedes zusätzliche Schmalbandprojekt liefert den erhofften Kontrast, selbst wenn die astronomischen Strukturen tatsächlich vorhanden sind.
Die auffälligen Außenregionen sind kein Zufall
NGC 4559 besitzt eine lockere, asymmetrische Scheibe, in der einige besonders große Komplexe junger Sterne weit außerhalb des Zentrums liegen. Hubble-Aufnahmen lösen dort zahlreiche blaue Sternhaufen und H-II-Gebiete auf. Eine häufig untersuchte Außenregion fällt durch eine bogenförmige Verteilung junger Sterne auf; als möglicher Auslöser wurde unter anderem die Wechselwirkung mit einem kleinen Begleiter diskutiert. Für meine Aufnahme ist dabei vor allem die ungleichmäßige Verteilung wichtig: Hα sollte nicht die ganze Galaxie gleichmäßig rot einfärben, sondern nur jene Bereiche verstärken, in denen tatsächlich viel ionisiertes Wasserstoffgas vorhanden ist.
Genau das sehe ich nach der Bearbeitung. Die zusätzlichen Hα-Daten erzeugen keine spektakuläre zweite Galaxienstruktur, sondern setzen eher einzelne kleine Akzente entlang der Spiralarme. Nach gut acht Stunden Schmalband hatte ich mir mehr erhofft. Im Nachhinein ist das Ergebnis aber physikalisch plausibler als eine künstlich stark angehobene Hα-Schicht.
Ein Bild, bei dem Zurückhaltung sinnvoller war
Bei vielen Nebeln kann man schwaches Liniensignal sehr weit strecken. In einer LRGB-Galaxie muss die Hα-Zugabe dagegen in die stellare Kontinuumstruktur passen. Wenn ich die wenigen hellen H-II-Regionen zu aggressiv betont hätte, wäre zwar sofort sichtbar gewesen, dass zusätzliche Schmalbanddaten vorhanden sind – die Galaxie hätte aber ihre natürliche Gewichtung verloren. Deshalb blieb das Hα in meiner Fassung relativ dezent. Gerade dieser Versuch gehört für mich zur Geschichte des Bildes: Nicht jede zusätzlich investierte Belichtungsstunde muss im Endergebnis laut sichtbar sein.
Eine ungewöhnliche Außenregion beherbergt einen ULX
Besonders interessant ist ein großer Sternentstehungskomplex weit außen in der Scheibe, in dessen Nähe die ultraleuchtkräftige Röntgenquelle NGC 4559 X7 liegt. Hubble- und Hα-Daten zeigen dort eine ringartige Struktur mit einer jungen Sternpopulation von höchstens einigen zehn Millionen Jahren und vergleichsweise geringer Metallizität. Als möglicher Auslöser wurde sogar der Durchgang einer kleinen Begleitgalaxie durch die gasreiche Außenscheibe diskutiert. Das bleibt ein Szenario, erklärt aber, warum einzelne Hα-Knoten so weit außerhalb des optisch ruhiger wirkenden Zentrums konzentriert auftreten.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 27.03. bis 12.05.2025 (9 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 30 h 56 min
- Belichtungsangaben
- RGB: 350 × 120 s = 11 h 40 min;L: 333 × 120 s = 11 h 06 min;Hα: 98 × 300 s = 8 h 10 min
- Teleskop / Optik
- C925 EdgeHD, 2.350 mm Brennweite
- Kamera
- QHY268m PH
- Filter
- Antlia LRGB; Antlia Hα 3 nm
- Montierung
- Skywatcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight mit BXT, NXT
