NGC 4565 – Nadelgalaxie
Bei NGC 4565 schauen wir fast genau auf die Kante der Galaxienscheibe. Dadurch verschwindet die typische Spiralform aus unserer Perspektive und die Galaxie wirkt wie eine lange, schmale Nadel. In meiner Aufnahme ist vor allem das dunkle Staubband auffällig, das sich durch die helle Scheibe zieht und Teile des Zentrums verdeckt.
Eine Spiralgalaxie von der Seite
Die Nadelgalaxie liegt nach aktuellen NASA-Angaben rund 40 Millionen Lichtjahre entfernt und ist etwa 9,6 mag hell. Ihre physische Größe liegt in der Größenordnung von ungefähr 100.000 Lichtjahren, wobei der genaue Durchmesser davon abhängt, wie weit die schwachen Außenbereiche mitgezählt werden.
Fast ein halber Vollmonddurchmesser – aber nur zwei Bogenminuten breit
Am Himmel misst NGC 4565 ungefähr 16 × 2 Bogenminuten. Die lange Achse entspricht damit etwa einem halben Vollmonddurchmesser, während die Scheibe durch die Kantenlage extrem schmal erscheint. Die frühere pauschale Aussage, sie sei ‚eines der schönsten astronomischen Objekte‘, behandle ich nicht als wissenschaftliche Eigenschaft; entscheidend ist hier die ungewöhnliche Geometrie, die im Bild unmittelbar sichtbar wird.
Das Staubband teilt die Galaxie fast wie mit einem Lineal
NGC 4565 sehen wir nahezu exakt von der Kante. Dadurch wird das dünne Staubband der Scheibe als dunkle Linie vor dem hellen zentralen Bulge sichtbar. In meiner Aufnahme ist diese Linie das prägendste Detail; schon kleine Fehler bei Schärfung oder Hintergrundbearbeitung würden sie verbreitern oder künstlich unterbrechen.
Die Galaxie wird häufig als Needle Galaxy bezeichnet. Anders als NGC 4244 besitzt sie einen wesentlich ausgeprägteren zentralen Bereich. Der direkte Vergleich meiner beiden kantenständigen Galaxien zeigt deshalb sehr schön, wie unterschiedlich ähnliche Blickwinkel wirken können.
Eine große Spiralgalaxie in rund 40 Millionen Lichtjahren Entfernung
NASA führt NGC 4565 im Caldwell-Katalog und beschreibt eine ausgedehnte Scheibengalaxie mit deutlich sichtbarem Staub. William Herschel entdeckte sie 1785. Die Spiralstruktur selbst bleibt aus dieser Perspektive weitgehend verborgen; Radio- und Infrarotdaten zeigen sie jedoch als normale große Spiralgalaxie, nicht als schmale lineare Struktur.
Für meine Aufnahme ist genau diese Projektion die wissenschaftliche Pointe. Was im Bild wie eine Nadel aussieht, ist eine flächige Scheibe mit zigtausenden Lichtjahren Durchmesser, die wir fast exakt entlang ihrer Ebene betrachten.
Ober- und unterhalb der dünnen Scheibe ist in tiefen Daten ein schwacher Halo zu erwarten. In meiner Aufnahme gehe ich dort bewusst konservativ vor, weil Hintergrundgradienten bei einer so schmalen Galaxie leicht wie ein künstlicher Halo wirken. Sicher erkennbar bleibt für mich vor allem die klare Scheibe mit ihrem zentralen Staubband und dem hellen Bulge.
Das Staubband ist die überlagerte Sicht durch eine ganze Galaxienscheibe
Bei der nahezu exakten Kantenlage blickt man nicht nur auf eine einzelne dunkle Wolke, sondern durch viele Staub- und Sternentstehungsgebiete entlang der Scheibenebene. Dadurch summiert sich die Absorption zu dem auffälligen dunklen Band, das vor dem hellen Bulge besonders kontrastreich erscheint. Hubble-Aufnahmen zeigen, dass die „Nadel“ in Wirklichkeit eine breite Spiralgalaxie ist, deren normale Scheibenstruktur durch die Projektion fast vollständig übereinandergelegt wird.
In meinem Bild ist diese Geometrie der Grund, warum die sehr dünne dunkle Linie so empfindlich auf Bearbeitung reagiert. Zu starke lokale Kontraste würden eine durchgehende schwarze Kante erzeugen; zu starke Glättung nimmt ihr dagegen die feinen Helligkeitsunterschiede. Ich versuche deshalb, das Staubband als reale, unregelmäßige Struktur innerhalb der dünnen Scheibe zu erhalten.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 27.03.2022
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 8 h 15 min
- Belichtungsangaben
- 99 × 300 s RGB
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; SPCC; GHS
