NGC 4725 – Balkenspiralgalaxie
NGC 4725 ist das dominante Objekt des Feldes, doch beim genaueren Hinsehen wird für mich besonders NGC 4747 interessant. Links von dieser kleineren Galaxie sind in meiner Aufnahme schwache Ausläufer sichtbar; gerade dort liegt das Gezeitenmaterial, das die Wechselwirkung mit NGC 4725 verrät. Rechts im Bild kommt mit NGC 4712 außerdem noch eine Galaxie hinzu, die nur scheinbar zum selben System gehört.
NGC 4725 besitzt nur einen dominanten Spiralarm
NGC 4725 ist eine ungewöhnliche Spiralgalaxie mit zentralem Balken und einer ringartigen Struktur, aus der ein großer Spiralarm dominiert. Sie liegt rund 41 Millionen Lichtjahre entfernt und ist mehr als 100.000 Lichtjahre groß. In meiner Aufnahme lässt sich der einzelne Hauptarm weit um den hellen Zentralbereich verfolgen. Dadurch wirkt die Galaxie fast asymmetrisch „unvollständig“ – gerade das unterscheidet sie deutlich von einer klassischen Zweiarmspirale wie M51.
NGC 4747 zeigt echte Gezeitenspuren
NGC 4747 liegt in derselben Entfernungsgrößenordnung und ist der physische Begleiter von NGC 4725. H-I- und optische Untersuchungen zeigen ausgeprägtes Gezeitenmaterial und junge Sternentstehungsknoten im Schweif. Die schwachen Ausläufer in meinem Bild sind deshalb nicht nur eine subjektive Formdeutung, sondern passen zu einer unabhängig gemessenen gravitativen Wechselwirkung.
Der Gezeitenschweif ist wesentlich schwieriger herauszuarbeiten als der Hauptkörper der kleinen Galaxie. Ich behandle schwache Verlängerungen deshalb vorsichtig und gleiche sie mit tiefen Referenzaufnahmen ab, statt jeden Hintergrundrest als Teil des Schweifs zu interpretieren.
NGC 4712 steht fast fünfmal weiter hinten
NGC 4712 erscheint im selben Bildfeld, gehört aber nicht zum nahen Paar. Ihre redshiftbasierte Distanz liegt grob bei 195 bis 200 Millionen Lichtjahren. Damit sehen wir in einem einzigen Ausschnitt zwei wechselwirkende Galaxien bei etwa 41 Millionen Lichtjahren und eine weit dahinter liegende Hintergrundgalaxie.
Zwei H-I-Knoten sitzen im Gezeitenschweif von NGC 4747
Radioaufnahmen lösen im nordöstlichen H-I-Schweif zwei besonders interessante Verdichtungen auf, NE-1 und NE-2. Beide enthalten jeweils Gasmassen in der Größenordnung von 108 Sonnenmassen und werden als junge Gezeitenknoten diskutiert, aus denen sich unter günstigen Bedingungen langlebige Gezeitenzwerggalaxien entwickeln könnten. In meiner Aufnahme sind diese Einzelknoten nicht sicher getrennt, wohl aber die Richtung des schwachen Schweifs links von NGC 4747. Dadurch bekommt gerade die unscheinbarere kleine Galaxie eine wissenschaftlich sehr konkrete Rolle im Feld.
Dieser Tiefenunterschied ist dem zweidimensionalen Bild nicht anzusehen. Gerade deshalb gefällt mir die Komposition: NGC 4725 und NGC 4747 erzählen eine echte gemeinsame dynamische Geschichte, während NGC 4712 nur durch die Projektion scheinbar dazugehört.
Der einzelne Arm von NGC 4725 enthält selbst eine deutliche Farbstruktur
Tiefe Farbaufnahmen und APOD-Daten zeigen entlang des dominanten Arms blaue junge Sternhaufen und rötliche Sternentstehungsgebiete, während der zentrale Balken stärker vom gelblichen Licht älterer Sterne geprägt ist. Damit ist der scheinbar einzelne Arm keine einheitliche Lichtbahn, sondern enthält unterschiedliche Sternpopulationen und Staubzonen. In meiner Aufnahme versuche ich diese Differenzierung zu erhalten, ohne die Sättigung so weit zu treiben, dass aus kleinen H-II-Gebieten künstlich rote Flecken werden.
Dieser innere Aufbau ist für mich ein schöner Gegenpol zum sehr schwachen Gezeitenschweif von NGC 4747. Im selben Bild reichen die relevanten Strukturen damit von hellen Sternentstehungsgebieten innerhalb der großen Galaxie bis zu extrem lichtschwachem Material, das durch die Wechselwirkung aus einer kleineren Begleitgalaxie herausgezogen wurde.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 08.05.2021, 09.05.2021
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 6 h 50 min
- Belichtungsangaben
- 82 × 300 s RGB
- Teleskop / Optik
- Omegon Newton Astrograph 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268C
- Filter
- Baader UHC-S / L-Booster; UV/IR-Cut
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; SPCC; GHS

