NGC 7000 – Nordamerikanebel

Links liegt der Nordamerikanebel NGC 7000, rechts der Pelikannebel IC 5070. Für mich ist diese Aufnahme zugleich ein technischer Meilenstein: Sie war die erste Aufnahme, bei der mein Askar 200 mm zum Einsatz kam. Genau die kurze Brennweite macht hier den Unterschied, weil nicht nur die beiden bekannten Formen, sondern auch die dunkle Trennzone und wesentlich mehr von der umgebenden Wolkenlandschaft gemeinsam ins Feld passen.

Das Weitfeld zeigt einen zusammenhängenden Komplex

Nordamerika und Pelikan sind keine zwei unabhängig leuchtenden Nachbarn. Sie sind optisch benannte Teile derselben großen Sternentstehungsregion im Schwan. Eine Gaia-basierte Untersuchung kommt für den Komplex auf 785 ± 16 pc, also ungefähr 2.560 Lichtjahre. Im 200-mm-Feld wird diese gemeinsame Umgebung viel deutlicher als in meinem älteren 336-mm-Bild: Die Emission setzt sich weit über die katalogisierten Umrisse hinaus fort, während dunkle Molekülwolken scheinbare Grenzen in die helle Fläche schneiden.

Besonders auffällig ist die dunkle Zone zwischen beiden Nebeln, die den „Golf von Mexiko“ und die Kontur des Pelikans mitformt. Sie gehört zur dichten Wolkenregion LDN 935. In meiner Aufnahme erscheint sie nicht einfach als leeres schwarzes Loch, sondern als strukturierte Absorption vor einem sehr viel größeren Emissionsfeld.

Der wichtigste Stern ist ausgerechnet stark verdeckt

Die dominante Ionisationsquelle ist der sogenannte Bajamar Star, 2MASS J20555125+4352246. Der sehr frühe O-Stern liegt für uns hinter starkem Staub und wirkt im sichtbaren Bild daher erstaunlich unscheinbar. Gaia-Astrometrie und Spektralklassifikation verbinden ihn räumlich mit dem Nebelkomplex. Das ist für mich eine der spannendsten Informationen zu diesem Motiv: Der Stern, der einen großen Teil der sichtbaren Emission energetisch prägt, ist keineswegs der auffälligste Stern im fertigen Bild.

Die Lage hinter beziehungsweise in der Nähe der dunklen LDN-935-Struktur erklärt zugleich, warum die Suche nach der Hauptquelle lange schwierig war. Im Bild lässt sich dadurch unmittelbar ein Zusammenhang erzählen: Die markante dunkle Wolke prägt die bekannte „Kontinent“-Form und verdeckt gleichzeitig den Stern, der für die Region physikalisch besonders wichtig ist.

SHO und Hα-Luminanz für die großflächigen Grenzflächen

Ich habe 75 Hα-, 63 [O III]- und 55 [S II]-Belichtungen zu je 300 Sekunden aufgenommen und für die Sterne zusätzlich RGB-Daten gesammelt. In der Bearbeitung dient Hα außerdem als Luminanz. Dadurch lassen sich die feinen Helligkeitsabstufungen über das große Feld besser halten, während die SHO-Zuordnung Unterschiede zwischen den Emissionslinien sichtbar macht. Die Farbtöne sind bewusst Falschfarben; sie sollen nicht natürliche Farbe simulieren.

Gerade im Bereich des „Golfs“ und an den hellen Rändern des Pelikannebels zeigt sich, wie stark dichtes Staubmaterial und leuchtendes Gas ineinandergreifen. Mit 200 mm Brennweite sehe ich diese Strukturen nicht isoliert, sondern als Teile einer mehrere Grad großen Landschaft. Genau dafür war der Askar gedacht – und bei dieser ersten Aufnahme wurde für mich sofort klar, welchen zusätzlichen Kontext das größere Bildfeld liefert.

Die dunkle Trennlinie zwischen Nordamerika und Pelikan ist Vordergrundstaub, kein physischer Abstand

Der Bajamar Star und die Gaia-Distanz von ungefähr 785 pc stützen die Einordnung von NGC 7000 und IC 5070 als Teile desselben großen Komplexes. Die markante dunkle Zone L935 liegt aus unserer Sicht davor und schneidet die Emission optisch in zwei bekannte Figuren. In meinem 200-mm-Bild ist dieser Effekt besonders überzeugend, weil beide Nebel gleichzeitig im Feld stehen: Das Auge sieht zwei Formen, während die Astrophysik einen zusammenhängenden ionisierten Hintergrund hinter einer dichten Staubwolke beschreibt.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Bajamar Star als Ionisationsquelle, Gaia EDR3 und Komplexdistanz 785±16 pcAbruf: 23.08.2026Research Notes of the AAS 4, 224; DOI: 10.3847/2515-5172/abd18a
  2. Verwendet für: Bajamar Star hinter/bei L935 'Gulf of Mexico'-Staub und starke ExtinktionAbruf: 23.08.2026
  3. Verwendet für: NGC 7000: Entdeckung durch William Herschel am 24.10.1786; historischer KontextAbruf: 23.08.2026ESO-Quelle ersetzt die zuvor verwendete Wikipedia-Historienquelle; physikalische Referenzwerte weiterhin aus Fachliteratur.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
23.06. bis 10.07.2023 (7 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
16 h 15 min
Belichtungsangaben
Hα: 75 × 300 s = 6 h 15 min;OIII: 63 × 300 s = 5 h 15 min;SII: 55 × 300 s = 4 h 35 min;RGB: je 27 × 120 s = 2 h 42 min
Teleskop / Optik
Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS