NGC 7000 – Nordamerikanebel

Diese Aufnahme zeigt denselben Nordamerika-/Pelikan-Komplex wie meine spätere 200-mm-Version, hat für mich aber eine andere Geschichte. Sie entstand 2022 mit meinem William Optics GT71 bei reduzierten 336 mm Brennweite und war mein erstes Bild mit der QHY268M-Monokamera. Das Feld ist enger, dafür bekommen die inneren Strukturen von NGC 7000 und IC 5070 mehr Gewicht.

336 mm rücken die Grenzflächen in den Vordergrund

Links liegt NGC 7000, rechts IC 5070. Dazwischen zieht sich die dunkle Wolke LDN 935 durch den Bereich des „Golf von Mexiko“. Im Vergleich zu meiner späteren Askar-Aufnahme fällt hier weniger von der großräumigen Umgebung ins Feld; dafür lassen sich die hellen Ränder, dunklen Säulen und schmalen Einschnitte innerhalb der beiden bekannten Nebelformen besser verfolgen. Besonders im Pelikan wirken einige Grenzflächen bei diesem Bildmaßstab deutlich plastischer.

NGC 7000 und IC 5070 gehören physikalisch zu einer gemeinsamen Region. Gaia-Astrometrie setzt sie auf 785 ± 16 pc, ungefähr 2.560 Lichtjahre. Für dieses ältere Bild ist die Entfernung aber weniger die Hauptgeschichte als der Wechsel des Maßstabs: Was im 200-mm-Weitfeld als große zusammenhängende Wolkenlandschaft erscheint, zerfällt hier stärker in einzelne Fronten und Dunkelstrukturen.

Der Bajamar Star erklärt eine auffällige Leerstelle

Die wichtigste Ionisationsquelle des Komplexes ist der stark gerötete Bajamar Star (2MASS J20555125+4352246). Er liegt aus unserer Sicht hinter erheblicher Extinktion im Bereich der dunklen Wolken und fällt optisch deshalb viel weniger auf, als man von einem dominierenden frühen O-Stern erwarten würde. Für mich passt diese Information besonders gut zu dem engeren Bild: Gerade dort, wo LDN 935 eine der markantesten dunklen Konturen erzeugt, verbirgt sich die physikalisch wichtigste stellare Quelle.

Das macht den Nebel interessanter als die populäre Kontinent- und Vogel-Silhouette. Im fertigen Schmalbandbild springt die leuchtende Gasstruktur ins Auge; der entscheidende Stern bleibt dagegen beinahe nebensächlich. Die dunkle Wolke ist damit nicht nur eine grafische Trennung zwischen „Nordamerika“ und „Pelikan“, sondern Teil der Sichtlinie, die unseren Blick auf die Quelle erschwert.

First Light der QHY268M in SHO

Für dieses Bild sammelte ich an fünf Juninächten 89 Hα-, 54 [O III]- und 50 Einzelbilder in [S II] mit jeweils 300 Sekunden, insgesamt gut 16 Stunden. Hα diente zusätzlich als Luminanz. Für meine erste Aufnahme mit der Monokamera war das ein sinnvoller Test: Die drei getrennten Linien ließen sich unabhängig bearbeiten und anschließend in der SHO-Palette zusammenführen.

Die spätere 200-mm-Aufnahme ersetzt diese Fassung deshalb nicht. Dort ist der räumliche Kontext überzeugender; hier sehe ich mehr Struktur innerhalb der bekannten Formen. Beide Bilder dokumentieren für mich gleichzeitig die Entwicklung meiner Ausrüstung: 2022 das First Light der QHY268M mit 336 mm, 2023 das erste Bild mit dem Askar 200 mm und einem deutlich größeren Feld.

Der wichtigste Ionisationsstern sitzt ausgerechnet hinter dem dunklen L935-Komplex

Der sogenannte Bajamar Star ist die dominante bekannte Ionisationsquelle des Nordamerika-/Pelikan-Komplexes, erscheint optisch aber nicht als der offensichtliche Mittelpunkt des Nebels. Er liegt stark von Staub in der Region des „Golfs von Mexiko“ beziehungsweise L935 verdeckt. In meiner Aufnahme ist das ein hilfreicher Hinweis: Die dunkle Trennzone zwischen Nordamerika und Pelikan ist nicht einfach ein leerer Spalt zwischen zwei unabhängigen Nebeln. Sie ist ein Vordergrund aus dichtem Staub innerhalb desselben großen Komplexes.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Gaia-EDR3-Distanz und Bajamar Star als Haupt-IonisationsquelleAbruf: 23.08.2026Research Notes of the AAS 4, 224; DOI: 10.3847/2515-5172/abd18a
  2. Verwendet für: NGC 7000: Entdeckung durch William Herschel am 24.10.1786; historischer KontextAbruf: 23.08.2026ESO-Quelle ersetzt die zuvor verwendete Wikipedia-Historienquelle; physikalische Referenzwerte weiterhin aus Fachliteratur.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
11./12./14./16./17.06.2022
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
16 h 05 min
Belichtungsangaben
Hα: 89 × 300 s = 7 h 25 min;OIII: 54 × 300 s = 4 h 30 min;SII: 50 × 300 s = 4 h 10 min
Teleskop / Optik
William Optics Gran Turismo GT71, 71/420 mm, reduziert auf 336 mm
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight