Schmetterlingsnebel IC 1318 und Mondsichelnebel NGC 6888 (Region Sadr)

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Welches Objekt soll beim Öffnen im Zentrum stehen?

An diesen Anblick musste ich mich zunächst gewöhnen. Den Mondsichelnebel NGC 6888 kannte ich aus meiner früheren Aufnahme mit deutlich längerer Brennweite als dominantes Einzelobjekt. Im 200-mm-Weitfeld wird er plötzlich nur noch zu einem Bestandteil der riesigen Sadr-Region mit IC 1318, LDN 889, NGC 6910 und weiteren schwachen Emissionsstrukturen.

Der dunkle Körper des Schmetterlings liegt mitten im Weitfeld

IC 1318 ist keine kleine kompakte Nebelblase, sondern eine weit ausgedehnte Emissionsregion. Die dunkle Wolke LDN 889 trennt die helleren Bereiche B und C und bildet auf meiner Aufnahme den dunklen „Körper“ zwischen den beiden leuchtenden Flügeln. Der historisch als IC 1318 katalogisierte Bereich wurde im August 1893 von Edward E. Barnard entdeckt und umfasst ungefähr 50 × 30 Bogenminuten.

In der SHO-Bearbeitung treten die hellen Emissionsflächen und das breite dunkle Band deutlich gegeneinander hervor. Gerade die Dunkelwolke darf dabei nicht einfach durch aggressive Hintergrundkorrektur geglättet werden: Ihre Absorption ist ein reales Strukturelement des Bildes.

Sadr ist der auffälligste Stern – aber kein sicherer „Motor“ des ganzen IC-1318-Komplexes

γ Cygni, Sadr, dominiert die Bildmitte so stark, dass man ihn intuitiv als Zentralstern des Schmetterlingsnebels ansehen könnte. Diese Zuordnung ist jedoch nicht belastbar. Seine Astrometrie setzt den Stern in eine andere Entfernung als die häufig für die Emissionswolken der Region angesetzten Werte; Sadr liegt daher als auffällige Projektion in derselben Blickrichtung.

Eine frühere Textfassung nannte HD 194093 als alternative Ionisationsquelle. Das war ein Identifikationsfehler: HD 194093 ist eine Bezeichnung für Sadr selbst. Diesen scheinbaren „zweiten Stern“ gibt es hier also nicht. Mit den hier verwendeten belastbaren Fachquellen lässt sich für den gesamten ausgedehnten IC-1318-Komplex keine einzelne alternative Ionisationsquelle sicher benennen. Deshalb bleibe ich an dieser Stelle bewusst vorsichtig, statt einen Stern nur wegen seiner Lage im Bild zuzuweisen.

NGC 6910 ist ein echter junger Haufen im selben Bildfeld

Etwas links oberhalb von Sadr ist der offene Sternhaufen NGC 6910 zu erkennen. Gaia-basierte Arbeiten ordnen ihn der jungen Cygnus-OB-Umgebung zu. Im 200-mm-Feld wirkt er gegenüber Sadr unscheinbar, liefert aber einen wichtigen Hinweis darauf, wie viele unterschiedliche Populationen sich in dieser Himmelsregion überlagern.

Rechts im Feld folgt NGC 6888 einer ganz anderen, konkret bekannten Energiequelle

Beim Mondsichelnebel ist die Zuordnung viel eindeutiger: Im Zentrum steht WR 136. Sein schneller Wolf-Rayet-Wind prägt die faserige Hülle von NGC 6888. In meiner SHO-Fassung erscheint die Sichel auffällig blau, weil das [O III]-Signal in meiner Farbzuordnung stark hervortritt. Diese Farbe ist keine natürliche Augenfarbe, die Lage der sauerstoffreichen Filamente ist jedoch im Schmalbandsignal real.

Der Größenwechsel gegenüber meiner früheren Detailaufnahme ist für mich besonders anschaulich. Was bei langer Brennweite ein bildfüllender Mondsichelnebel war, liegt jetzt als relativ kleines, klar abgegrenztes Objekt neben den viel ausgedehnteren IC-1318-Flächen. Gerade dadurch lässt sich die physikalische Verschiedenheit von Windblase, H-II-Region, Dunkelwolke und Vordergrundprojektion besser erfassen.

Ein Bildfeld, mehrere räumlich verschiedene Systeme

Das Weitfeld ist deshalb keine Aufnahme eines einzigen riesigen Nebels um Sadr. Es zeigt mehrere Strukturen, die nur aus unserer Blickrichtung eng zusammenstehen. Für mich ist genau das der Reiz dieser Aufnahme: Der helle Stern in der Mitte ist nicht automatisch die Ursache des größten Nebels, während der wesentlich unauffälligere WR 136 bei NGC 6888 sehr wohl eine konkrete physikalische Zuordnung besitzt. Die große Brennweitenänderung hat damit nicht nur die Komposition verändert, sondern auch meinen Blick auf die Region.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: IC 1318 als H-II-Region und ObjektidentifikationAbruf: 23.08.2026
  2. Verwendet für: NGC 6910: Gaia-basierte Entfernung und AlterAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 515, 687
  3. Verwendet für: WR 136 / NGC 6888: Gaia-DR3-DistanzAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 543, 1158
  4. Verwendet für: Sadr-Identität und Gaia-Astrometrie; VordergrundkontextAbruf: 23.08.2026
  5. Verwendet für: IC 1318: Entdeckung durch Edward E. Barnard im August 1893 und katalogisierte Winkel-ausdehnung 50 × 30 BogenminutenAbruf: 23.08.2026Historischer/Katalogabgleich; Distanz von IC 1318 aus NASA/JPL, WR-/physikalische Werte aus Fachliteratur.
  6. Verwendet für: NGC 6888: WR 136 als Zentralstern sowie William Herschel und 1792 als EntdeckungsgeschichteAbruf: 23.08.2026NASA nennt eine ältere Distanz; für den Referenzwert wird die im Datensatz vorhandene aktuelle Gaia-DR3-Arbeit genutzt.
  7. Verwendet für: IC 1318: Entfernung ≈ 4.900 Lj; Sadr als Vordergrundstern bei ≈ 1.800 LjAbruf: 23.08.2026Die Quelle trennt Sadr ausdrücklich räumlich von IC 1318; daraus wird keine pauschale Ionisation des gesamten IC-1318-Komplexes durch Sadr abgeleitet.
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
08.06.bis 15.06.2023, 7 Nächte
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
20 h 35 min
Belichtungsangaben
20 h 35 minHa: 77 × 300 s = 6 h 25 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 74 × 300 s = 6 h 10 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 60 × 300 s = 5h, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain RGB je 30 × 120 s = 3h, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO
Teleskop / Optik
Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS