Sh 2-119 – Muschelschalennebel

Der Muschelschalennebel gehört zu den eher selten fotografierten Nebeln. Für mich ist das bis heute schwer nachvollziehbar, weil ich ihn wunderschön finde. Als ich auf Facebook eine Aufnahme von Sh 2-119 gesehen hatte, war für mich sofort klar: Diesen Nebel möchte ich selbst ablichten.

Knapp 40 Stunden für die schwachen Schalen

Um die feinen und großflächigen Strukturen sichtbar zu bekommen, habe ich knapp 40 Stunden Belichtungszeit investiert. Das war für ein Objekt, das im Vergleich zu bekannteren Schwan-Nebeln kaum Aufmerksamkeit bekommt, ein erheblicher Aufwand. Es hat sich gelohnt – so zumindest meine Meinung.

68 Cygni statt HD 199579

Sh 2-119 ist eine große H-II-Region in ungefähr 700 pc beziehungsweise rund 2.280 Lichtjahren Entfernung. Der markante heiße Stern in der Region ist 68 Cygni, auch HD 203064, ein massereicher O-Stern. Die frühere Seite nannte hier fälschlich HD 199579. Bei einer Winkelausdehnung von grob zwei bis zweieinhalb Grad erreicht der Nebel eine physische Größenordnung um 100 Lichtjahre.

68 Cygni ist die entscheidende heiße Quelle

Sh 2-119 liegt im Schwan und wird mit dem heißen O-Stern 68 Cygni (HD 203064) in Verbindung gebracht. Gaia ordnet den Stern in die Größenordnung von rund 690 pc ein. Seine energiereiche Strahlung erklärt die große H-II-Struktur wesentlich konkreter als ein pauschaler Hinweis auf „junge Sterne“. Die exakte räumliche Zuordnung einzelner schwacher Bögen bleibt bei einem so ausgedehnten Gebiet allerdings schwieriger als bei kompakten Nebeln.

Auf meiner Aufnahme zieht sich der Nebel als große, unregelmäßige Schale durch das Feld. Einige Randbereiche sind viel heller, während andere erst bei starkem Stretch erkennbar werden. Gerade diese schwachen Übergänge kosteten einen großen Teil der fast 40 Stunden Belichtungszeit.

Eine Aufnahme, die durch ein fremdes Bild ausgelöst wurde

Ich hatte Sh 2-119 vorher kaum auf dem Radar. Erst eine Aufnahme auf Facebook hat mich so angesprochen, dass ich das Objekt selbst versuchen wollte. Aus dem spontanen „Das muss ich aufnehmen“ wurde eines meiner längeren Projekte. Dass der Nebel trotz dieser Zeit nicht überall spektakulär hell wird, gehört für mich zum Charakter des Motivs.

Im fertigen Bild gefallen mir gerade die großflächigen weichen Strukturen. Ich wollte sie nicht durch aggressive lokale Kontraste in harte Kanten verwandeln. Die Zuordnung zu 68 Cygni verbindet sich in dieser Aufnahme unmittelbar mit der unsymmetrischen Lage der hellen Randbögen und meiner fast 40-stündigen Suche nach den schwächsten Schalenanteilen.

Die hellen Randbögen liegen in meinem Bild nicht symmetrisch um 68 Cygni. Bei einer so großen Region ist das kein Widerspruch: Dichteverteilung, räumliche Tiefe und die Bewegung des Sterns spielen zusammen. Ich behandle deshalb die gesamte sichtbare Form nicht als ideale Kugelschale, sondern als projizierte Struktur eines sehr ungleichmäßigen Gasfeldes.

68 Cygni steht nicht im geometrischen Zentrum der Muschelschalen

Der heiße O7.5-Riesenstern 68 Cygni liegt im Gebiet von Sh 2-119, aber die sichtbaren Bögen bilden keine symmetrische Blase um ihn. Das macht die Aufnahme für mich gerade interessant: Die schwachen Schalen folgen der Dichteverteilung des umgebenden Materials und nicht einer idealisierten Kreisgeometrie. Die Gaia-Astrometrie des Sterns hilft, seine Entfernung separat zu beurteilen; bei der Nebeldistanz bleibe ich dagegen vorsichtig, weil ältere H-II-Katalogwerte und moderne Sternmessungen nicht einfach gleichgesetzt werden dürfen.

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

Quellen & Recherche

Zuletzt recherchiert: 23.08.2026

  1. Verwendet für: Klassische H-II-Regionsdistanz und molekularer/H-II-KatalogkontextAbruf: 23.08.2026Astrophysical Journal Supplement Series 49, 183
  2. Verwendet für: 68 Cygni / HD 203064 als O7.5 III n((f))-SternAbruf: 23.08.2026Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 456, 2
  3. Verwendet für: Parallax-/Distanzgrößenordnung um 690 pcAbruf: 23.08.2026
Astrofotografie

Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg

Filderstadt
Beste MonateWird berechnet …
OptimalWird berechnet …
Maximale Höhe
Kulmination
StandortFilderstadt · 48,66° N · 9,22° E

Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.

Im Astro Night Planner planen ↗Wird nach Auflösung der Objektkoordinaten aktiviert.

Aufnahme und Technik

Aufnahmedatum / Zeitraum
16. bis 26.08.2022 (8 Nächte)
Aufnahmeort
Filderstadt, Bortle 5
Gesamtbelichtungszeit
38 h 05 min
Belichtungsangaben
38 h 05 minHa: 134 × 300 s = 11 h 10 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 193 × 300 s = 16 h 05 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 130 × 300 s = 10 h 50 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
Teleskop / Optik
William Optics Gran Turismo GT71, 71/420 mm, reduziert auf 336 mm
Kamera
QHY268M PH
Filter
Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
Montierung
Sky-Watcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung
PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS