Beim kleinen Rosettennebel hat mich vor allem das OIII-Signal im Inneren interessiert. Deshalb habe ich die Aufnahme als HOO-Bild entwickelt: Hα liefert dabei den Wasserstoffanteil, [O III] das Signal des zweifach ionisierten Sauerstoffs. Eine belastbare Angabe zur visuellen Gesamthelligkeit des Nebels hatte ich damals nicht gefunden – und ich wollte lieber keine Zahl erfinden. Auch dieser kleine Recherchepunkt gehört für mich zur Geschichte der Aufnahme.
Mein Update vom 22.11.2023 ist inzwischen fast noch interessanter: Mit dem später angeschafften Askar 200 mm konnte ich den gesamten größeren Nebelkomplex als SHO-Bild aufnehmen. Sh 2-170 bildet dabei den auffälligen „Punkt“ des Fragezeichenförmigen Feldes. Die ältere 800-mm-Aufnahme und die spätere Weitfeldversion zeigen damit sehr direkt, was eine andere Brennweite für die Bildidee bedeutet.
Stock 18 sitzt im Zentrum der kompakten Region
Sh 2-170 liegt nach einer aktuellen Gaia-DR3-Analyse des Sternhaufens Stock 18 bei 2,91 ± 0,10 kpc, also ungefähr 9.490 ± 330 Lichtjahren. Der Haufen ist etwa eine Million Jahre jung. Seine massereichste Hauptkomponente GLS 13 370 Aa wird als O9-V-Stern klassifiziert und liefert einen wesentlichen Anteil des energiereichen Strahlungsfeldes der H-II-Region.
Auf meiner 800-mm-Aufnahme liegt Stock 18 im hellen inneren Bereich. Gerade dort fällt [O III] stärker auf als in den weiter außen liegenden Hα-Strukturen. Dieser Unterschied war einer der Gründe, die Aufnahme als HOO-Bild zu entwickeln: Die beiden Linien sollten nicht zu einer einheitlichen Nebelfläche verschmelzen.
18 Bogenminuten wirken bei 800 mm deutlich größer als im Weitfeld
Für Sh 2-170 wird ein Winkeldurchmesser von ungefähr 18 Bogenminuten angegeben. Mit meinem Lacerta-Newton füllt die Region deshalb einen deutlich größeren Teil des Bildes als in der späteren 200-mm-Aufnahme des Fragezeichenfeldes. Im engeren Ausschnitt kann ich die Helligkeitsstaffelung im Inneren und die weicheren Außenbereiche wesentlich besser verfolgen.
Die aktuelle Entfernung ist dabei deutlich größer als ältere Literaturwerte um etwa 2 kpc. Für Sh 2-170 verwende ich deshalb den neueren Gaia-DR3-Wert von Stock 18; die ältere Distanz ist nur noch für die Einordnung früherer Arbeiten methodisch relevant.
Der „Kleine Rosettennebel“ ist später zum Punkt meines Fragezeichens geworden
Eine zweite Aufnahme mit 200 mm Brennweite zeigt Sh 2-170 gemeinsam mit NGC 7822 beziehungsweise Sh 2-171. Dort erscheint der kompakte Nebel wie der Punkt eines großen Fragezeichens. Die räumliche Situation ist überraschend: Berkeley 59 im großen Bogen liegt bei rund 3.290 Lichtjahren, Stock 18 bei Sh 2-170 dagegen fast 9.500 Lichtjahre entfernt.
Für mich ergänzen sich deshalb beide Bilder. Die 800-mm-Version zeigt die innere Struktur und das OIII-Signal von Sh 2-170, das spätere Weitfeld erklärt seine scheinbare Rolle in einer Gesamtform, die in Wirklichkeit nur durch Projektion am Himmel entsteht.
Stock 18 expandiert messbar – der Haufen ist also dynamisch noch sehr jung
Eine aktuelle Gaia-basierte Analyse von Stock 18 findet eine differenzielle Expansion des jungen Sternhaufens. Die Mitglieder bewegen sich demnach nicht einfach als starrer Verband gemeinsam durch den Raum, sondern zeigen eine interne, räumlich strukturierte Dynamik. In meinem Bild ist davon natürlich keine Eigenbewegung sichtbar; trotzdem hilft der Befund, die kompakte Sternkonzentration im Zentrum von Sh 2-170 einzuordnen. Das scheinbar ruhige Sternfeld ist ein sehr junges System, dessen heutige räumliche Struktur sich noch messbar verändert.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 29.08.2022 bis 23.09.2022 (8 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 13 h 55 min
- Belichtungsangaben
- 13 h 55 minHa: 77 × 300 s = 6 h 25 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 73 × 300 s = 6 h 5 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainRGB: 5/ 6 /6 × 300 s = 1 h 25 min, Gain 0, Offset 30, Kameramodus DSO
- Teleskop / Optik
- Lacerta Newton 8″ f/4, 800 mm
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia R; Antlia G; Antlia B; Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm
- Korrektor / Reducer
- GPU 2″ Komakorrektor
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight