Sh 2-216 und Sh 2-221
Diese Aufnahme bietet für mich eine seltene Kombination: rechts Sh 2-216, ein sehr alter planetarischer Nebel, und links Sh 2-221 beziehungsweise HB9, ein Supernovaüberrest. Mit nur 200 mm Brennweite erscheinen beide im selben Feld ungefähr gleich groß, obwohl sie völlig unterschiedliche physikalische Geschichten und Entfernungen besitzen.
84 Stunden 45 Minuten für zwei extrem schwache Schalen
Beide Hauptobjekte sind fotografisch ausgesprochen lichtschwach. Zum Glück stehen sie im Winter von meinem Standort aus fast die ganze Nacht günstig. So kamen insgesamt 84 Stunden und 45 Minuten zusammen. Besonders geholfen haben 33 Stunden Hα unter einem Bortle-4-Himmel, weil ich über Weihnachten bei meinen Eltern war.
Im fertigen Bild ist gerade der Vergleich spannend: Rechts liegt eine extrem diffuse, fast kreisförmige Hülle, links ein wesentlich unregelmäßigeres Filamentsystem. Ohne die lange Integration würden beide schnell im Hintergrund verschwinden.
Rechts wird Sh 2-216 bereits vom interstellaren Medium verformt
Sh 2-216 liegt nur ungefähr 129 pc beziehungsweise rund 420 Lichtjahre entfernt. Mit etwa 1,7° Winkelausdehnung erreicht seine sichtbare Hülle rund zwölf Lichtjahre Durchmesser. Studien zeigen eine deutliche Wechselwirkung mit dem umgebenden interstellaren Medium; eine Seite der Hülle ist komprimiert und heller. Aus Radius und langsamer Expansion ergibt sich ein außergewöhnlich hohes kinematisches Alter in der Größenordnung von mehreren hunderttausend Jahren.
Auf meiner Aufnahme rechts im Feld fällt vor allem diese ungleichmäßige Helligkeit der sehr alten Hülle auf. Sh 2-216 wirkt völlig anders als die kleinen hellen Vertreter wie M57 oder NGC 6826: Hier dominiert die Wechselwirkung einer sehr alten, weit ausgedehnten Hülle mit ihrer Umgebung.
Links liegt HB9 – mit deutlich unsichererer Entfernung
Die große linke Struktur wird mit dem Supernovaüberrest HB9 / G160.9+2.6 verbunden und in Amateurzusammenhängen häufig als Sh 2-221 bezeichnet. HB9 besitzt eine Winkelausdehnung von ungefähr 120′ × 140′. H-I-Untersuchungen geben eine Entfernung um 0,8 ± 0,4 kpc an, andere Arbeiten diskutieren etwa 1,5 kpc. Auch das Alter ist modellabhängig und lässt sich nicht seriös auf eine einzige präzise Zahl reduzieren.
Im Bild liegen damit rechts ein sehr naher alter planetarischer Nebel und links ein wesentlich weiter entfernter Supernovaüberrest mit ähnlich großer scheinbarer Ausdehnung. Genau dieser Größenvergleich hat mich zu dem extrem langen Projekt gereizt.
Sh 2-217 und LBN 755 schaffen noch mehr Tiefenstaffelung
Oberhalb beziehungsweise zwischen den Hauptobjekten liegen zusätzlich Sh 2-217 und LBN 755. Sh 2-217 befindet sich nach einer detaillierten Fachstudie mit etwa 4,2 kpc sogar sehr viel weiter im Hintergrund. Für LBN 755 übernehme ich dagegen keine alte unzureichend belegte Entfernung.
Das Weitfeld ist damit keine physisch zusammenhängende Nebellandschaft, sondern eine Projektion mehrerer sehr verschiedener galaktischer Strukturen. Gerade die 200-mm-Brennweite macht diesen Zusammenhang sichtbar, während eine Detailaufnahme eines einzelnen Objekts die Tiefenstaffelung verbergen würde.
Sh 2-216 und HB9 liegen zwar im selben Feld, aber auf sehr unterschiedlichen Distanzskalen
Sh 2-216 ist mit ungefähr 129 pc außerordentlich nah; für den Supernovaüberrest HB9 werden dagegen deutlich größere und unsicherere Distanzen diskutiert. In meinem Weitfeld erscheinen beide riesigen schwachen Schalen nebeneinander, doch diese Nachbarschaft ist reine Projektion. Gerade deshalb ist die Aufnahme für mich wissenschaftlich spannend: Zwei sehr alte, ausgedehnte Systeme können am Himmel scheinbar zusammengehören, obwohl ihre reale räumliche Trennung Hunderte bis weit über tausend Lichtjahre betragen kann.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 13.11. bis 28.12.2025 (13 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt ( Bortle 5) und Herscheid (Bortle 4)
- Gesamtbelichtungszeit
- 84 h 45 min
- Belichtungsangaben
- 84 h 45 minHa: 525 x 300s = 43 h 45 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 492 x 300s = 41h 00 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
- Teleskop / Optik
- Askar 200 mm f/4 (2. Generation)
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator; NoiseXTerminator; GHS
