Tulpennebel Sh 2-101, Mondsichelnebel NGC 6888, WR 134
Diese Weitfeldaufnahme verbindet drei sehr unterschiedliche Objekte im Sternbild Schwan. Links liegt der Mondsichelnebel NGC 6888, rechts oben der Tulpennebel Sh 2-101. Dazwischen fällt in meiner Schmalbandaufnahme der sehr viel schwächere blaugrüne Bogen um WR 134 auf. Für das Bild habe ich zwischen dem 10. und 25. August 2025 in neun Nächten Hα-, [O III]- und [S II]-Daten gesammelt; die korrekte Gesamtbelichtungszeit beträgt 38 Stunden und 25 Minuten.
Rechts oben: Sh 2-101 und der O-Stern HD 227018
Im Dreiervergleich dieses Weitfelds dient Sh 2-101 vor allem als kompakter Entfernungs- und Helligkeitsanker rechts oben. Sein heller Hauptbereich umfasst ungefähr 16 × 9 Bogenminuten, und HD 227018 ist die wichtige frühe O-Stern-Quelle für die Ionisation. Für den Stern ergibt eine Gaia-basierte Untersuchung 2,12 ± 0,15 kpc, während ältere H-I-Arbeiten die Nebelregion selbst bei ungefähr 2,47 kpc einordnen. Ich behandle das hier bewusst als Bereich von etwa 2,1 bis 2,5 kpc, weil es mir um den räumlichen Vergleich mit NGC 6888 und WR 134 geht – nicht um eine scheinbar exakte Einzelzahl für die gesamte Tulpenstruktur.
In meinem Bild liegt Sh 2-101 rechts oben als relativ kompakte, strukturierte Emissionsregion. Die helleren Ränder und dunkleren Einschnitte unterscheiden sich deutlich vom wesentlich größeren, diffuseren Sauerstoffbogen in der Bildmitte.
Links: NGC 6888 wird von WR 136 geprägt
NGC 6888 liegt mit einer Gaia-basierten Distanz von rund 1,69 kpc etwas näher. Im Zentrum der Wechselwirkung befindet sich WR 136; dessen schneller Wolf-Rayet-Wind trifft auf langsameres Material aus früheren Entwicklungsphasen des massereichen Sterns. Dadurch entstehen die faserigen Stoßstrukturen, die dem Nebel seine Sichelform geben. In meiner Aufnahme ist NGC 6888 deutlich leichter zu erkennen als der WR-134-Bogen und zeigt vor allem an seinen Rändern ein dichtes Netz aus Filamenten.
Diese konkrete Sternzuordnung ist für den Vergleich wichtig: Der Mondsichelnebel ist kein Teil des Tulpennebels, obwohl beide im selben Cygnus-Weitfeld stehen. Die beiden Regionen liegen in unterschiedlichen Entfernungen und werden von unterschiedlichen massereichen Sternen geprägt.
In der Mitte: der extrem schwache [O III]-Bogen von WR 134
WR 134 ist ein Wolf-Rayet-Stern des Typs WN6. Aus einer Gaia-DR3-basierten Untersuchung ergibt sich für ihn ungefähr 1,87 kpc beziehungsweise rund 6.100 Lichtjahre. Tiefe Schmalbandbeobachtungen zeigen um ihn eine große, sehr lichtschwache Ring- beziehungsweise Bogenstruktur, die besonders in [O III] hervortritt. In meiner Bearbeitung erscheint genau dieser Bereich blaugrün und zieht sich wesentlich diffuser durch die Bildmitte als NGC 6888.
Fotografisch ist das der schwierigste Teil des Motivs. Der Bogen besitzt eine so geringe Flächenhelligkeit, dass er leicht mit Gradienten oder zu aggressivem Strecken verwechselt werden könnte. Ich habe ihn deshalb nur so weit hervorgearbeitet, wie er sich in den gestackten [O III]-Daten stabil verfolgen lässt. Seine Position stimmt mit den publizierten Strukturen um WR 134 überein.
Drei Energiequellen, drei ganz verschiedene Erscheinungsformen
Das gemeinsame Bildfeld macht den Vergleich besonders anschaulich. Rechts oben liefert HD 227018 einen wesentlichen Teil der ionisierenden Strahlung für Sh 2-101. Links formt der Wind von WR 136 die auffällige Hülle von NGC 6888. In der Mitte steht WR 134 mit einer sehr viel schwächeren und großflächigeren [O III]-Struktur. Die Objekte liegen am Himmel nahe beieinander, sind aber keine drei Teile eines einzigen Nebels.
Die SHO-Darstellung verstärkt diesen Unterschied zusätzlich. Die Farben sind eine Zuordnung der einzelnen Schmalbandkanäle und keine natürliche Farbwahrnehmung; die unterschiedliche räumliche Verteilung von Hα, [O III] und [S II] ist dagegen real. Besonders der blaugrüne WR-134-Bogen würde in einer breitbandigen Darstellung viel leichter im dichten Sternfeld verschwinden.
Warum ich dieses Feld so tief belichtet habe
Mit 200 mm Brennweite ist die Aufnahme weniger auf maximale Detailauflösung eines einzelnen Nebels als auf den Zusammenhang im Cygnus-Feld ausgelegt. Die 38 Stunden 25 Minuten Integrationszeit helfen vor allem beim schwächsten Bestandteil: dem ausgedehnten [O III]-Signal um WR 134. Gleichzeitig bleiben NGC 6888 und Sh 2-101 als deutlich hellere Bezugspunkte im selben Bild. Für mich ist genau dieser Helligkeits- und Strukturvergleich der eigentliche Reiz der Aufnahme.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 10.08. bis 25.08.2025 (9 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 38 h 25 min
- Belichtungsangaben
- Hα: 118 × 300 s = 9 h 50 min;OIII: 137 × 300 s = 11 h 25 min;SII: 206 × 300 s = 17 h 10 min
- Teleskop / Optik
- Askar 2. Gen., 200 mm Brennweite
- Kamera
- QHY268m PH
- Filter
- Antlia Hα/OIII/SII 3 nm
- Montierung
- Skywatcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight mit BXT, NXT


