IC 1805 – Herznebel + IC 1795 – Fischkopfnebel
In diesem Weitfeld liegen der Herznebel IC 1805 und die Fischkopfregion IC 1795 gemeinsam im Bild. Für mich ist dabei nicht nur die räumliche Nähe am Himmel interessant, sondern auch der Vergleich der beiden vorhandenen Bildfassungen: einmal als SHO-Darstellung, einmal als RGB-Entwicklung.
Herznebel und Fischkopf gehören nicht einfach zum selben Nebel
Für den W4-Komplex um IC 1805 ergeben Gaia-Auswertungen bei ungefähr 1,85 kpc. IC 1795 ist Teil des benachbarten W3-Komplexes und liegt mit rund 2,17 kpc etwas weiter entfernt. Im zweidimensionalen Bild erscheinen beide unmittelbar nebeneinander; räumlich gehören sie jedoch zu unterschiedlichen Teilregionen des großen W3/W4-Sternentstehungsgebiets.
Dasselbe Feld in SHO und RGB
Die SHO-Fassung ordnet Hα, OIII und SII künstlichen Farbkanälen zu und trennt dadurch viele schwache Gasstrukturen deutlicher. Die RGB-Version vermittelt dagegen eine andere Farbwahrnehmung des Sternfeldes und der Emissionsregionen. Beide Fassungen bleiben deshalb bewusst nebeneinander erhalten – nicht als ‚richtige‘ und ‚falsche‘ Version, sondern als zwei unterschiedliche Darstellungen derselben Aufnahmeregion.
Der Fischkopf IC 1795 ist ein eigenes Zentrum
IC 1795 liegt zwischen Herznebel und der W3-Region und wird oft nur als Teil des großen Herzmotivs behandelt. Physikalisch besitzt die Region jedoch eine eigene junge massive Population. Eine wichtige ionisierende Quelle ist BD +61° 411, ein O6.5-V-Stern; zusätzlich wurde ein stärker geröteter, noch früherer O-Stern-Kandidat identifiziert. Damit erklärt sich, warum der „Fischkopf“ trotz seiner geringeren Größe eine sehr intensive H-II-Struktur besitzt.
In meiner Aufnahme bildet IC 1795 einen kompakten hellen Bereich neben den weitläufigeren Strukturen von IC 1805. Gerade der Größenvergleich war für mich interessant: Das kleine, helle Objekt wirkt fast wie ein Knoten im Herznebel, ist aber ein eigenes Sternentstehungsgebiet.
Melotte 15 bleibt das dynamische Zentrum von IC 1805
Im Herznebel selbst sitzen in Melotte 15 mehrere sehr massereiche O-Sterne. Ihre Winde und Strahlung haben die bekannte zentrale Höhle und die bizarren Säulen geformt. In einer engeren Melotte-15-Aufnahme lassen sich diese Pfeiler detailliert untersuchen; im Weitfeld meiner Herz-/Fischkopf-Komposition ist dagegen ihre Lage innerhalb des gesamten H-II-Komplexes viel besser zu verstehen.
Die Distanzwerte für IC 1805 und IC 1795 liegen beide um zwei Kiloparsec, sind aber nicht identisch. Für den Fließtext ist diese Größenordnung ausreichend; in den Objektdaten führe ich die jeweils benutzte Literaturangabe getrennt.
Die hellen Bereiche von IC 1795 reagieren in meiner Bearbeitung anders als die großflächigen, weicheren Flächen von IC 1805. Deshalb habe ich beide nicht mit identischer lokaler Kontrastverstärkung behandelt. Der Fischkopf sollte kompakt und strukturiert bleiben, ohne dass die schwächeren Herznebelbereiche daneben flach oder künstlich glatt wirken.
IC 1795 und Melotte 15 liegen in derselben Perseusarm-Landschaft, aber nicht im selben Entwicklungsstadium
Gaia-basierte Arbeiten und Untersuchungen des W3/W4-Komplexes zeigen, dass Fischkopf und Herznebel räumlich eng in derselben großen Sternentstehungsregion liegen, ihre jungen Populationen aber nicht einfach als ein einziger gleichaltriger Haufen behandelt werden dürfen. In meinem Bild wirkt die Verbindung durch das diffuse Gas sehr geschlossen. Wissenschaftlich interessanter ist gerade die Differenz: Melotte 15 prägt das Zentrum von IC 1805, während IC 1795 ein eigenes junges Zentrum an der Grenze zum W3-Komplex besitzt.
Die scheinbare Nachbarschaft im Bild ist eine Projektion durch den Perseusarm
Die Distanzwerte machen die Tiefenstaffelung besonders deutlich: Für IC 1805 liegt die Größenordnung bei etwa 1,85 kpc, für den W3-Komplex mit IC 1795 näher bei 2,0 kpc. Die beiden hellen Regionen stehen am Himmel direkt nebeneinander, müssen deshalb aber nicht Teile derselben dünnen Nebelschale sein. In meinem Weitfeld schaue ich vielmehr durch einen räumlich ausgedehnten Sternentstehungsbereich des Perseusarms, in dem mehrere junge Populationen und Molekülkomplexe entlang derselben Sichtlinie überlagert erscheinen.
Aufnahmeplanung für Baden-Württemberg
Berechnung aus den Objektkoordinaten; berücksichtigt astronomische Dunkelheit und die Höhe über dem Horizont.
Aufnahme und Technik
- Aufnahmedatum / Zeitraum
- 02.01.bis 15.02.2023 (5 Nächte)
- Aufnahmeort
- Filderstadt, Bortle 5
- Gesamtbelichtungszeit
- 23 h 25 min
- Belichtungsangaben
- 23 h 25 minHa: 69 × 300 s = 5 h 45 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainOIII: 87 × 300 s = 7 h 15 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainSII: 89 × 300 s = 7 h 25 min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High GainRGB: je 30 × 120 s = 3h, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
- Teleskop / Optik
- William Optics Gran Turismo GT71, 71/420 mm, reduziert auf 336 mm
- Kamera
- QHY268M PH
- Filter
- Antlia Ha 3 nm; Antlia OIII 3 nm; Antlia SII 3 nm
- Montierung
- Sky-Watcher EQ-AZ 6
- Bildbearbeitung
- PixInsight; BlurXTerminator



