Im südlichen Bereich des Sternbilds Großer Hund befindet sich eines der spektakulärsten und dynamischsten Objekte des Winterhimmels: NGC 2359, besser bekannt als „Thors Helm“.
Die markante Form dieses Nebels erinnert an einen geflügelten Helm aus der nordischen Mythologie – daher auch sein populärer Name. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine gewaltige kosmische Blase aus ionisiertem Gas, die von einem extrem massereichen Stern geformt wird.
Im Zentrum von NGC 2359 befindet sich der Wolf-Rayet-Stern WR 7. Solche Sterne gehören zu den energiereichsten bekannten Sternen unserer Milchstraße. Sie stoßen Materie mit enormen Geschwindigkeiten von mehreren tausend Kilometern pro Sekunde ins All aus. Für WR 7 werden Windgeschwindigkeiten von etwa 1.500 bis 1.800 km/s angegeben. Das entspricht über 5 Millionen km/h. Das ist mehr als das Vierfache der Geschwindigkeit, mit der Material bei typischen planetarischen Nebeln ausgestoßen wird.
Der starke Sternwind trifft dabei auf älteres, langsamer ausgestoßenes Material und komprimiert das Gas zu komplexen Strukturen, Stoßfronten und leuchtenden Filamenten. Genau diese Prozesse verleihen Thors Helm seine dramatische Erscheinung mit den charakteristischen „Hörnern“ und den fein verästelten Gasstrukturen.
NGC 2359 liegt etwa 15.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt einen Durchmesser von rund 30 Lichtjahren. Trotz dieser enormen Größe erscheint der Nebel am Himmel vergleichsweise klein und stellt damit ein anspruchsvolles Objekt für die Astrofotografie dar. Zudem ist er mit einer visuellen Helligkeit von 11,45 mag relativ lichtschwach.
Die Aufnahme entstand mit Schmalbandfiltern, welche gezielt nur bestimmte Wellenlängen des emittierten Lichts durchlassen. Besonders stark leuchtet NGC 2359 in:
Wasserstoff (Hα)
doppelt ionisiertem Sauerstoff (OIII)
Durch die Kombination dieser Linien lassen sich selbst extrem lichtschwache Nebelstrukturen sichtbar machen, die visuell selbst mit großen Teleskopen kaum wahrnehmbar wären.
Gerade der OIII-Anteil zeigt bei Thors Helm die hochenergetischen Schockfronten und die weit ausgedehnten äußeren Blasen besonders eindrucksvoll. Die filigranen türkisfarbenen Strukturen kontrastieren dabei mit den wasserstoffreichen Bereichen des Nebels.
Thors Helm ist weit mehr als nur ein schöner Emissionsnebel. Das Objekt zeigt eindrucksvoll, wie massiv Sterne ihre Umgebung beeinflussen können.
Der Zentralstern verliert in astronomisch kurzer Zeit enorme Mengen an Materie. Diese Prozesse gelten zugleich als Vorstufe einer späteren Supernova-Explosion. Der Nebel dokumentiert somit eine kurze, extrem aktive Phase stellarer Evolution.
Besonders faszinierend ist dabei die sichtbare Dynamik des Objekts:
komprimierte Gasfronten
turbulente Strukturen
schalenförmige Auswürfe
feinste filamentartige Verästelungen
Aufnahmedatum: 01.02. bis 12.03.2026, 12 Aufnahmenächte
Aufnahmeort: Filderstadt, Bortle 5
Belichtungszeit: 18h 20min
Ha: 109 x 120s = 9h 05min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
OIII: 111 x 120s = 9h 20min, Gain 56, Offset 30, Kameramodus High Gain
Filter: Antlia Schmalbandfilter 3nm
Teleskop: C925 Edge HD, 2.350mm Brennweite, f10
Kamera: QHY 268m PH
Montierung: Skywatcher EQ-AZ 6
Bildbearbeitung: PixInsight